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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 5.

Unzweifelhaft haben die Grafen von Zollern bereitsvor dem Erwerb der Burggrafschaft Nürnberg einWappen geführt. Dieses Stammwappen glaube ich zuerkennen in dem Siegel 1 ) des Grafen Friedrich vonZollern an einer undatirten Urkunde, die jedoch durch

No. 340.

No. 341.

eine correspondirende Urkunde des Abtes Heinrich vonReichenau dem Jahre 1226 zugewiesen wird.

Das Wappen der Grafen von Zollern war demnachein ungekrönter Löwe, und zwar, wie sich aus demFolgenden ergeben wird, roth in Weiss.

Das Bedürfniss, für das Burggrafthum ein eigenesWappen zu bilden, dürfte erst eingetreten sein, als dieBrüder Conrad und Friedrich ihr Erbgut getheilt hatten.Auf diesen späteren Ursprung weist auch die Compositiondes aus zwei Einheiten bestehenden Schildes hin: ge-krönter schwarzer Löwe im goldenen Schilde mitroth-weiss gestückter Einfassung.

Burggraf Conrad führt im Laufe seiner Regierungnicht weniger als vier verschiedene Siegel; das erstewird im J. 1235 (normannischer Schild), das zweite drei-eckige im Jahre 1240, das dritte 1246, das vierte 1256zuerst nachweisbar. Dieser häufige Wechsel wirdwenigstens theilweise durch einige weiter unten zu er-wähnende Thatsachen zu erklären sein.

Siegel des Burggrafen Conrad vom Jahre 12462).S. W. Oetter"), der das Siegel noch in besserer Erhal-tung gekannt hat, giebt in seiner sonst misslungenenAbbildung folgende Umschrift: t S. Conradi. Bvrgravii.De. Nvrenberch. Et. Comitis. In. Zolre(Nx. 341).

Der schwarze Löwe in Gold ist das Wappen derHohenstaufen, welche das von Conrad von Mure alsGrafschaft bezeichnete Gebiet von Nürnberg, jeden-falls Reste des alten Herzogthums Franken, inne hatten.

Grafen Friedrich mit dem Löwen eine und dieselbePerson ist, und dass er nicht bloss bis „ca. 1251", sondernjedenfalls bis 1265 gelebt hat, spricht meiner Ansichtnach in entscheidender Weise die Urkunde des Burg-grafen Friedrich III. von Nürnberg vom J. 1265 woriner zu Uunsten des Bischofs von Speyer auf den Bywaldfür 100 Mark Silber verzichtet und verspricht, seinenBruder und seinen Vaterbruder (patruus) zu demgleichen Verzichte bestimmen zu wollen. Dieser Oheimkann nur Graf Friedrich von Zollern mit dem Löwen sein.

1) Monumenta Zollerana Bd. I S. 44. Das Glicheverdanke ich dem Kgl Hausarehiv zu Berlin.

2) Monumenta Zollerana II, 21.—Auch dieses Glicheverdanke ich dem Kgl. Geh. Hausarchiv zu Berlin.

3) Erster Versuch einer Geschichte der Burggrafenvon Nürnberg S. 286.

In diesem Gebiete, soweit es nicht in dem Gerichtsbe-zirke eines anderen Grafen belegen war, war der Burg-graf Gerichtsherr und ausserdem der Führer der Mini-sterialen, wenn dieselben Heerdienst zu leisten hatten.Dieses Contingent hatte ohne Zweifel eine Fahne, derenBild es ist, welches Conrad von Mure als Grafenwappenbeschreibt:

Nurenberg clipeus album rubeumque ferendoLineat oblique quasi sonas sex faciendo.

Das ist: sechs Schrägstriche (fünfmal schräggetheilt)von Roth und Silber.*)

Dieses Heroldsbild fügte Burggraf Conrad demLöwenschilde in Form der gestückten Einfassung hinzu,theils, um ihn vom Hauswappen des Kaisers zu unter-

No. 342.

4) Unter Rudolf von Habsburg oder einem seinerunmittelbaren Nachfolger muss dieses Reichs-Contingentreorganisirt worden sein; das Bild der nach dem da-maligen Standpunkte des Wappenwesens erneuertenFahne — gespalten, vorn in Gold ein halber schwarzerAdler, hinten die fünfmalige Schrägtheilung von Roth undSilber — wurde später von der Stadt Nürnberg ihremWappen als zweiter Schild hinzugefügt. Das eigent-liche Wappen der Stadt ist uns bereits oben S. 157No. 138 begegnet.