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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 5.

auf die Voraussetzung einer Stammesgenosseuschaft mitden Englisch-Französischen Montforts, die einen Löwenim Schilde führten, und zwar nach dein Zeugnisse desMatthäus Parisiensis roth in Silber (argent, a lion rani-pant, double queve gules), genau in den Farbendes Schildes der schwäbischen Grafen vonMontfort.

In Ermangelung sicherer Anhaltspunkte muss dieZugehörigkeit des Löwen unentschieden bleiben W a h r-scheinlich ist es jedoch, dass er mit der GrafschaftBregenz ererbt worden ist. In dieser Annahme bestärktmich der Umstand, dass die Grafen von Bregenz (Mont-forter Stammes) auch ein b e s o n d e r e s H er o 1 d s b i 1 dgeführt haben: in einem Schilde von Kürscli einen Pfahlvon Hermelin. (Züricher Wappenrolle No. 127).

15; Von Richard von Alslebeu Ministerialen der Magde-burgischen Kirche, der von 1135 an bis tief in die zweiteHälfte des Jahrhunderts beurkundet ist, dürften die imJahre 1182 genannten Richardns de Alisleve et fratreseins Heinricus et Gumpertus abstammen.

Dieser Richard (II) dürfte dieselbe Persönlichkeit sein,welche 1208 Richard von Zerbst (Szerewist) genanntwird und 1209 bereits verstorben war. In diesem Jahreverspricht nämlich König Otto IV., dass er versuchenwolle, den Kindern des Richard von Zerbst wegen desdritten Theiles der Stadt Zerbst .quam pater eorumexpectabat ab imperatore Heinrico" bei dem Herzog vonSachsen auf freundschaftlichem Wege zu helfen undsollte diess nicht gelingen, so wolle er ihnen Gerech-tigkeit widerfahren lassen, das heisst auf dein Wegedes Rechtes zu dem Ihrigen verhelfen.

Wir ersehen hieraus, das ein Drittel von ZerbstReichslehen war. Hinsichtlich der anderen Antheilewird Richard v. Zerbst Lehnsmann der Markgrafen vonBrandenburg gewesen sein, welche 11% ihren freieigenenBesitz (quod habuimus, also nicht das Ganze) tarn inburgo, quam in burgwardo Cherewist dem ErzbistimmMagdeburg als Lehen aufgetragen hatten.

Hieraus erklärt es sich, dass gerade ein Ministerialedes Erzbisthums Magdeburg als Inhaber von Zerbstauftritt.

In einer auf Veranlassung der Wittwe des Richardv. Zerbst, Namens Ida, von Bischof Balduin von Bran-denburg 1213 ausgefertigten Urkunde wird erklärt, dassder verstorbene Richard in Gegenwart seiner BrüderHeinrich von Plawe und Gumpert von Wesenburch einegewisse Stiftung gemacht habe. Es dürften diess die-selben Personen sein, die bereits oben (1182) vorge-kommen sind.

Allem Anscheine nach bilden die von Plawe keinevom Hauptstamme der von Alslebeu getrennte Linie,sondern sind die Stammhalter desselben. Auf Richar-dus de Plawe, der 1228 als Truchsess der Magdeburgi-schen Curie genannt wird, war 1249 Henricus de Aliss-leve in diesem Amte gefolgt.

Die Abtheilung der Herren von Zerbst war, wiesich aus dem obigen ergiebt, zu einer Zeit erfolgt, in

Simons des Jüngeren Gemalin Eleonore (vermählt seit7. Januar 1238) die Schwester war sowohl König Hein-rich III. von England, als der Isabella, die am 15. Juli1235 des Kaisers Friedrich IL Gemalin wurde; so kannes nicht befremden, in dem Schwäbischen Geschlechteder Grafen von Montfort die Meinung aufleben zu sehen,dass zwischen beiden Geschlechtern nicht blos eine Ge-meinsamkeit des Namens, sondern auch des Ursprungsstattgefunden habe; ur d dass unter solchen Voraus-setzungen bei einer Verbindung beider Wappen, demLöwen der Französisch-Englischen, dem SchwäbischenKaiserhause verschwägerten Montforts der Vorrang ein-geräumt wurde vor der angestammten Kirchenfahne."

der es bereits erbliche Wappen gab. Das gemeinsamein den Wappen der von Alslebeu und der von Zerbstsind nun drei Rosen, zu 2, 1 gestellt.

Die von Zerbst führen das Wappen in einer Form,welcheim Aufrisse an das Wappen der Grafen vonOsterbu'rg (vergl. Taf. 2, No. 8) erinnert: unter eineinSchildeshaupte die drei Rosen. Der Schild enthält dreiFarben, deren Kenntniss uns nicht überliefert ist. Wenngleich wir dieses Wappen erst seit 1264 sphragistischnachweisen können, so verweist doch die Compositionauf eine erheblich frühere Zeit, etwa auf die Jahre um1220.

Die Herren von Aisleben und Plawe führten da-gegen einen quergetheilten Schild, oben einen wachsen-den Löwen unten drei Sterne. Hier stehen die Rosennur desshalb in zweiter Reihe, weil die beiden Bildersich auf eine andere AVeise kunstmässig nicht verbindenHessen.

Aus dem Geschlechte der Herren von Zerbst warRichard III., der seinen gleichnamigen Sohn überlebte,der Letzte. Bald nach 126^ verkaufte er die HerrschaftZerbst und kehrte an den Hof des Erzbischofs vonMagdeburg zurück, wo er bereits 12C4 die Schenken-würde bekleidet. An eine Urkunde von diesem Jahrehängt er sein Siegel mit dem oben beschriebenen Schildeder v. Zerbst.

Diesem geschichtlichen Verlaufe gegenüber war esfür mich überraschend, von Herrn von Mülverstedt 1 ) einanderes Siegel des Richard von Zerbst erwähnt zusehen. Es heisst a. a. 0.:An einer im HerzoglichBraunschweigischen Landeshauptarchiv zu Wolfenbüttelbefindlichen Urkunde, welche Bernhard Struz Herr desSchlosses Pule in dem nahe dabei gelegenen Aislebenam 8. April 1274 ausstellt, hängt neben den SiegelnDietrichs Struz von Pule und Heinrichs v. Alslebeu dasSiegel Richards von Zerbst". Dieses schildförmigeSiegel mit der Umschrift: t<S'. Bichanli dapiferi Mag-deburg, enthält das Wappen der v. Alsleben-). Nunwird aber auch in der betreffenden Urkunde 3 ) derSiegler nichtRichard von Zerbst", sondern Richardusdapifer Magdeburgensis curie genannt. Dieser Richardist kein Herr von Zerbst, sondern ein Herr von Als-leben nnd erscheint in einer von Richard von Zerbstpincerna curie Magdeburgensis im Jahre 1270 oder1274 (die Datirung lautet anno m. cc. lxx. iiij. IdusOctobris) ausgestellten Urkunde 4 ) als Zeuge, gleichfallsunter der Benennung Richardus dapifer.

In einer Urkunde des Erzbischofs Albrecht v. Mag-deburg vom Jahre 1208 werden drei Brüder Richard,Gumpert und Arnold . von Plawe genannt, die wahr-scheinlich Söhne des gleichzeitig erwähnten Gumpertvon Alsleben waren.

In der bereits erwähnten Urkunde von 1213 wirdder Vater Gumpert von Wesenburch (bekanntlich einBruder des Richard v. Zerbst) genannt; die obigenBrüder erscheinen jedoch ohne Bezeichnung des Ver-wandtschafts-Verhältnisses gleichzeitig als Richardusde Plawe, Gumpertus de Louburch, Arnoldus de Trebin.Richard ist später (1229) erzbischöflicher Truchsess.Sein Bruder Arnold v. Trebin veräussert nocli im Jahre1233 Grundbesitz an das Kloster Lehnin. An die be-treffende Urkunde, deren wesentlicher Inhalt mit denWorten beginnt: Ego Arnoldus de Trebin, Magde-

1) Mittelalterliche Siegel aus dem Erzstift Magde-burg 3. Lieferung S. 34.

2) Abgebildet bei Herrn von Mülverstedt a. a. 0.auf der zweiten Tafel.

3) Abgedruckt bei v. Heinemann, cod. dipl. Anhal-tinus II No. 434.

4) Ebenda No. 381.