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Geschichte der Heraldik. II. 5.
Siegeln kein Wappen. Dessen Sohn dagegen, Mestwin II.(1266-1295) führt in seinem Siegel (Taf. 7, No. 2) einenAdler.
Der zweite Sohn Mestwins I., Herzog Sambor, dermit Mathilde, Tochter des Herzogs Heinrich Borwin II.von Meklenburg vermählt war, führt in seinem Reiter-siegel von 12411) einen Schild anscheinend ohne Wappen-schmuck. Im Jahre 1260 führt er ein schildförmigesSiegel mit der Umschrift: f Sigülum. Samborii. Ducis.Pomeranie (Vergl. Taf. 6, No. 7); den Greifen, welcherhier zur Erscheinung kommt, halte ich für den Meklen-burgischen. (Vergl. das Siegel Heinrich Borwin II.unter No. 318). —
11) Graf Simon von Saarbrücken hatte zwei Söhne, vondenen der ältere, gleichfalls Simon geheissen in S a a r-brücken nachfolgte, während der jüngere, Heinrich I.,Stammvater der Grafen von Zweibrücken wurde.Die Theilung war im Jahre 1196 bereits erfolgt.
I. Graf Simon II. heirathete (vor 1180) Lucard, dieErbtochter der Grafen von Leiningen. Der ältere Sohndieses Ehepaares Simon III. (f 1233) erhielt die Graf-schaft Saarbrücken', der dritte Sohn Friedrich als Lei-ninger der II. (f 1237) die Grafschaft Leiningen.
Das Wappen der Grafen von Saarbrücken war einsilberner Löwe im blauen, mit gelben Kreuzchenbestreuten Schilde.
Die alten Grafen von Leiningen hatten einenAdler im Schilde geführt, dessen Farben nicht bekanntsind. Der letzte Graf des alten Hauses Friedrich I.(f 1220) führte diesen Adler in seinen runden Siegelnvon 1200, 1210.
Die neuen Grafen von Leiningen aus dem Saar-brücker Hause führen d r e i silberne Adler im blauenSchilde. Graf Friedrich III. von Leiningen führt diesenSchild in seinem runden Siegel IV A. 2. vom J. 1139.Die Farbenangabe liefert uns das Wappenreim desConrad von Mure:
Liningen blavium clipeum gerit atque colorisAlbi tres aquilas in eodem ponere noris.
Zwei Thatsachen sind hier unverkennbar:
1) die neuen Grafen von Leiningen haben das vonihren Vorfahren mütterlicher Seits ererbte Wappenneu gestaltet.
2) die Schilde Saarbrücken und Neu-Leiningen stim-men in den Farben überein.
Der Schild Neu-Leiningen ist eine Verbindung vonSaarbrücken und Alt-Leiningen in der Art, dass vonersterein die Farben, von Letzterem das Wappen-thier entnommen wurde.
Die einfache Uebertragung der Farben von Saar-brücken auf den altleininger Adler — also ein silbernerAdler in Blau — würde das Haus in eine Wappen-Con-currenz mit den mächtigen Herzogen von Heran ge-bracht haben. Es wurden wahrscheinlich aus dieser Er»wägung drei Adler in den Schild Neu-Leiningen auf-genommen.
Die Verdreifachung constituirt eine Unterscheidung,die sicherlich nicht erforderlich gewesen wäre, wenndie neuen Grafen von Leiningen den altleininger Schild,auf den sie ein gutes Recht hatten, so wie er war, über-nommen hätten.
Merkwürdiger Weise führt der Bruder des obengenannten Grafen Friedrich III., Graf Emich III.Leiningen, welcher mit der Herrschaft Landeck aus-gestattet wurde, in seinem runden Siegel HIB. 2 a vomJahre 1250 einen Löwen in einem Schilde mit ge-wecktem Rande. Umschrift: Sigülvm. Emichonis. Co-mitis. De. Liningen Es ist bedauerlich, dass die Tinc-turen dieses Schildes verloren gegangen sind.
1) Vossberg, Siegel des Mittelalters von Polen etc.
Das Wappen der Grafen von Saarbrücken — umauf dasselbe noch einmal zurückzukommen — ist alsWiderwappen angelegt. Vielleicht wurde dieseForm gewählt, weil die benachbarten Grafen von Veldenzeinen silbernen Löwen in Blau führten
II. Die Nachkommen des Grafen Heinrich I. vonZweibrücken führen dasselbe Wappenthier wie der Haupt-stamm, einen doppelgeschweiften Löwen, jedochin geschiedenen Farben: roth in Gold.
Im Jahre 1297 fand zwischen den Brüdern Eber-hard und Walram von Zweibrücken eine Theilung statt.Der ältere Brüder Eberhard erhielt die neu erkaufteHerrschaft Bit seh. Seine Nachkommen nennen sichGrafen von Zweibrücken Herren zu Bitsch und führenden Löwen gekrönt, jedoch in den Farben unverändert.— Die Nachkommen des jüngeren Bruders Walram sinddie Grafen zu Zweibrücken, welche den Löwen unge-krönt, jedoch in der Regel mit blauem Turuierkragenbezeichnet führen. —
12) Ein zur Zeit noch ungelöstes Problem enthalten dieSiegel des Rheingräflichen Geschlechtes im Anfange des13. Jahrhunderts Der 1209 sich zu einer Wallfahrtzum heil. Jacob rüstende Rheingraf Wolfram2) warderErbe seines Mutterbruders des Rheingrafen Emmerich.Seine Gemahlin Guda, die eine geb. v. Bolanden ge-wesen sein soll, führte 1206 und später folgendes Siegel.
Nr. 323.
Das in jeder Hinsicht äusserst merkwürdige Siegelenthält das Porträt der Inhaberin, beseitet von zweiWappenbildern, einem Löwen und einem Flügel. BeideBilder, auf verschiedene Art vereinigt, sehen wir in dennachfolgenden Siegeln (No. 324, 325), deren Umschriftauf einen Rheingrafen Werner, wahrscheinlich zweigleichnamige Personen, lautet.
Im Jahre 1260 Urkunden Rheingraf Sigfried unddessen älterer Bruder Werner. Das Siegel eines derBrüder (Umschrift nicht erhalten) enthält ein Reiterbild,das am linken Arme einen Schild trägt mit einem Löwen,ähnlich der vorderen Hälfte des Siegels No. 324. —
13) Konrad von Rüdenberg, Burggraf von Stromberg(f 1261) führt in seinem schildförmigen Hauptsiegel von1250 mit der Umschrift: S. Conradi burc iravii de Strom-berge ein Schildeshaupt, darin drei Vögel hintereinander.In seinem als Rücksiegel benutzten schildförmigen Secretvom selben Jahre, mit der Umschrift: „t S secretumde Rudenberghe" führt er einen steigenden Rüden.
Durch seine Söhne ist Konrad der Stammherr vondrei Linien : a) Heinrich II. Burggraf von Stromberg.Er siegelt in zwei verschiedenen Siegeln, einem schild-förmigen von 1284 und einem runden von 1293 mit demStromberger Schild. Desgleichen führt er in seinem rundenSecret von 1293 den Rüdenberger Hund. — Heinrichs
2) Wenck, hess. Landesgescb. II Urkunden S. 130.