Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
253
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Heraldik. II. 5.

253

II. Fürst Nicolaus nannte sich seit 1229 Herrvon Rostock. Er tritt bis 1231 nur in Gemeinschaftmit einem oder mehreren seiner Brüder auf. Am 10.März 1233 ist er selbständig und im Jahre 1235 siegelter mit einem eigenen Siegel: dasselbe ist schildför-m i g und enthält ebenfalls den Stier köpf. Um-schrift:f Sigillum: Domini. Nicolai. De. Bozthok." Inder Urkunde selbst nennt er sich dominus de Werle; dieTitulatur ist schwankend zwischen Rostock und Werle.Nachdem er sich mit seinem Bruder Heinrich auseinandergesetzt hatte, nannte er sich vorherrschend dominus deWerle oder dominus de Gusstrowe und siegelte (zuerstim J. 12 40) mit einem neuen schildförmigen Siegel,welches den Stierkopf enthält, und die Umschrift:nt Hic/illvm. Domini. Nicolai. De. Werle." trügt. Merk-würdiger Weise besiegelt er im Jahre 1248 eine Ur-kunde für die Stadt Güstrow wieder mit dem altenSiegel.

III) Fürst Heinrich nahm in der Confirmation(Bnde1235) den Namen Borwin (III) an; er erhielt bei derTheilung die Herrschaft Rostock, und nennt sich,zuerst Ü36, Borwinus dominus de Rozstok, Am 15.Febr. 1237 besiegelt er selbständig eine Urkunde mitseinem grossen, runden Siegel, welches er fortan be-ständig führte: mit einem rechts hinschreiten-den Greifen im Siegel fei de und der Umschrift:*t Sigillvm Domini. Borwirti. De. Rozstok."

IV. Fürst I'ribislav, der jüngste Bruder, erhieltdie Herrschaft Parchim und erscheint als dominus deParchim im Jahre 1235. Eine Urkunde von 1241 be-siegelt er mit seinem Siegel, von dem jedoch nur nochein Rest mit dem deutlich ausgeprägten rechten Hörndes Büffelskopfes vorhanden ist 1 ). Er nannte sichauch schon 1234 nach einer von ihm neu erbauten BurgHerr von Riehen berg und führte seit circa 1249ein neues Siegel, ohne Wappen.

Siegel des Fürsten Pribislav von Meklenburg-Par-chim-Richenberg vom Jahre 1249.

Ko. 321.

L)ie Bedeutung dieses Siegels hat Frhr. L. vonLedebur in schlagender Weise nachgewiesen. Er wisse(sagt er 2) kein Bild zu nennen, welches den Anforde-

1) Von einem anderen Siegel desselben Fürsten, vonli; 38, ist der untere Theil des Stierkopfes biszurStirne«»halten. Meklenb. Jahrb. XL 209.

2) Archiv für Adelsgcechichte I 363 f.

rungen einer richterlichen Erscheinung mehr entspräche,als dasjenige Siegel, dessen der Edle Herr Pribislausvon Parchim seit der Zeit sich bediente, nachdem ersich izuerst 12R4) dominus in Richenberch nennt.Aufeinem thronähnlichen Stuhle sitzend, die Beine übersKreuz geschlagen, das entblösste Schwert querüber dem Schoosse haltend, erblicken wir den Wen-denfürsten. Nicht ein Thron- oder Majestäts-, nein einRichtersiegel erblicken wir hier. Nur als Herr vonRiehen berg siegelt- derselbe so: das ist derName einer von ihm an der Warnovv bei Kleefeld undKritzow erbauten, als castrum aber nirgends genanntenLocalität, ein Name, der vielleicht auf eine Gerichts-stätte deutet. Läge Reichenberg dem Namen zu Grunde,würde sich wohl die Form Rikenberg geltend machen."

Sein Sohn Pribislav II erwarb durch seine GemahlinCatharina von Pommern die Herrschaften Beigard undDoberen und nannte sich Pribizlaus de Slavia dominusterrae Doberen et terrae Beigard in Cassubia Erführte wie .sein Vater einThronsiegel" in welchem linksein Wappenschild mit dem Stierkopf steht.Dieses Siegel hängt an einer Urkunde vom Jahre 1289.Mit Pribislav IL geht diese Linie, die übrigens ihrenBesitz in Meklenburg verloren hatte, wieder zu Ende.

Dieses Doberen halte ich für dieselbe Herrschaft,die wir später unter dem Namen Dobrin im Besitze desHerzogs Casimir in Hinterpommern zu Stolpe etc. (geb.1344 f 1377) finden. Ein Siegel III B. 2. a diesesHerzogs hat Vossberg 3 ) mitgetheilt. Umschrift: f f.fajimiri. bei. qva. blies, ftctineiifis. bobritt, pomeranic. flacie.cafubie. er. bui. rogic. Der Herzog trägt am Halse einenSchild mit einemgekrönten Haupte" das Vossberg fürdas neugebildete Wappen der Landschaft Dobrin hielt.Ich glaube jedoch, dass wir hier den meklenburgischenStierkopf vor uns haben; denn ein Fürst von Meklen-burg war Vorbesitzer dieses Landes. In einer Nischerechts vom Herzoge steht der pommersche Greifenschild,auf welchem ein gekrönter Helm mit Brackenkopf ruht.

10) Von Meklenburg scheint sich der Greif nach Vor-und selbst nach Hiuterpommern (Pomerellen) verbreitetzu haben. Der rothe Greif in Blau ist weiter nichtsals eine Verschlechterung des Meklenburgischen Schild-zeichens. (Das Wappen der vorpommerschen Herzogeharrt noch eines gründlichen Geschichtschreibers.)

Der hinterpoinmersche Herzog Mestwin I (t 1212)führte in seinem Siegel noch einen Schild ohne Wap'pen-No. 322.

schmuck. Für vorstehende Abbildung des Siegels istder im Kgl. Museum zu Berlin befindliche Original-stempel benutzt.

Auch sein ältester Sohn Swantepolc führt anschei-nend in seinen auf Taf. 7 (1 A und 1 B) abgebildeten

3t Siegel des Mittelalters von Polen, Litthauen ySchlesien etc. S. 35, Taf. 20.