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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik II. 5.

kar der erste benamset wurde, zum Vorschein; in des-sen Rückseite (so den heiligen Wenzeslaus gewöhnlieher-massen vorstellet, ersiehet man im Profil des Schildeseinen zur rechten Seite gewendeten und nur halb ent-worfenen Adler. (Urkunde vom J. 1194). Diesen näm-lichen Adler hat Premisl gleich im ersten Jahre beibe-halten als er vom Philipp dem römischen König zurköniglichen Würde erhoben werden, wie es ein Siegelan seiner Urkunde vom J. 1199 bezeuget . . . KönigWenzel I., Ottokars Sohn, hat diesen Adler fortgeführt,und ihn ebenfalls in das Schild des heiligen Wenzes-verleget (Siegel von 1288).")

König Wenzel bediente sich auch eines Reitersie-gels, in welchem er nach rechts reitend dargestellt ist;am linken Arme führt er den böhmischen Adlerschild.

Das Königshaus scheint indess des Adlerschildesmüde geworden zu sein, es trat ein Wappenwechsel ein,den ich mir so erkläre.

Im J. 1244 heirathete Markgraf Otto III. von Bran-denburg des Königs Wenzel I. bereits erwähnte Toch-ter Beatrix. Diese Familienverbindung muss die Ver-anlassung gegeben haben zu einem Wappentausche.Die Markgrafen von Brandenburg erlaubten demBöhmischen Königshaus, das Erbtheil der Weifen, densilbernen Löwen in Roth, zu führen, während die Ge-genpartei den Markgrafen die Führung des böhmischenHelmkleinodes einräumte.

Mit Wenzels I. Sohn Przemisl Ottokar IL, wel-cher in offener Empörung gegen seinen Vater am31. Juli 1248 zum jüngeren König ausgerufen wurde,wird der Löwenschild zum ersten Male sphragistischnachweisbar. In seinem Reitersiegel mit der Umschrift:f Premizl Bei . Gracia . Iuvenis . Rex . Boemorumführt er den Schild mit dem doppeltgeschwänzten Löwen.

Der gleichzeitig lebende Conrad von Mure deutet inseinem Wappenreim auf Böhmen das Vorkommniss (Empö-rung des Salmes wider den Vater mit grosser Bestimmt-heit an:

Dumque Bohemie tibi rubeum clipeum fore

ponamHie albus leo vult a ntep referre coronam.

Der Löwe will die Krone voraus nehmen,ehe sie ihm durch des Vaters Tod zugefallen war.

DasAntepraeferre" war indess doch nicht so ein-fach, als.er sich denken mochte. Papst Innocenz IV.kam dem alten König mit dem Bannstrahl zu Hülfe,die Abtrünnigen mussten um Verzeihung bitten, Wen-zel kehrte am 5. Aug. 1249 nach Prag zurück.

Przemisl Ottokar erhielt 1249 die MarkgrafschaftMähren. In seinem Siegel führt er nun zwar einen berich-tigten Titel: S Premizl . Filii . Reg . Boemorum .Marchionis . Moravie aber den Löwenschild behielt erbei, selbst dann noch als er nach dem Tode seines Va-ters (f 22. September 1253) König geworden war.Gelasius Dobner sagt:In späteren Jahren, als erwahre Majestäts-Siegel von einer solchen Grösse ange-nommen, dergleichen keiner seiner Vorfahrer böhmischerHerzoge oder Könige sich bedient hatte , siebet manihn auf einem herrlichen Thron in königlicher Kleid-ung .... Zu seiner rechten Hand schwebet das Wap-

penschild des Löwen zur linken ein Wappenschild miteinem einfachen Adler." i)

7) Zur nämlichen Zeit wie der silberne Löwe in Rothin Böhmen, wird der böhmische Helmschmuck bei denMarkgrafen von Brandenburg nachweisbar. Schon Kon-rad von Würzburg, der in seinem Turnei von Nantheizdie Wappen nach ihrem Zustande von etwa 1250 be-schreibt, kennt das Kleinod Er sagt:

Von Brandenburc der markis

wart in der selben schar bekant etc.

den schilt den fuorte er unde truoc

verdecket mit h e r m i n e

dar üz in liehtem schine

ein glanzer adelar sich bot

der was von liehten kelen rot,

und schein daz velt wiz als ein sne

geriten kam er üf den kle

und zuo des planes melme

mit eine tiuren helme

den zwene flügele zierten;

die glizzen unde smierten

uz einer swarzen varwe

so sere und also garwe

daz nie so vinster wart kein bech.

der maregräv edel unde frech

alsus ze velde wart gesant.Da die Markgrafen von Brandenburg askanischenStammes in ihren Hauptsiegeln, die sie annahmen, so-bald sie Ritter geworden und zur Regierung gelangtwaren, niemals einen Helmschmuck, ja überhaupt keinenzur Aufnahme von Helmschmuck geeigneten Helm zutragen pflegten, so können uns derartige Siegel einenAufschluss nicht gewähren. Wiederum ist ein Junker-siegel, das den ersten Nachweis enthält.

Siegel IV. C. des Markgrafen Johann III von Bran-denburg an Urkunden von 1264 u. 1265. Umschrift:f S.Iohannis . Filii . Marchionis . Ottonis . Branden-borgensis.

No. 316.

1) Historisch-kritische Beobachtungen über den Ur-sprung, Abänderung und Verdoppelung des böhmischenWappenschildes. Von P. Gelasius Dobner, Ex.-Pro-vinzial der frommen Schulen zu Prag. In: Abhandlun-gen einer Privatgesellschaft in Böhmen, zur Aufnahmeder Mathematik, der vaterländischen Geschichte u. d.Naturgeschichte. Zum Druck befördert von Ignaz Edlenvon Born IV. Band Prag 1779. 8. S. 185 ff.

8) Die Herzoge von Meran führten seit Berthold IV.(geb. 1138 f 1204) einen Adler im Wappenschild. Ausdem Clipearius des Conrad von Mure erfahren wir dieTincturen:

1) Abbildung bei von Sava, die Siegel der öster-reichischen Regenten S. 95.