Geschichte der Heraldik. II.
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gewordene Widerwappen für Sachsen (silberner Löwein Roth) dem Markgrafen Albreclit abgetreten haben,da wir diesen Löwen neben dem Adler der Askanierin den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts im Schildedes Markgrafen Otto (Albrechts II. Sohn) wieder-finden, i)
Auch der gespaltene Schwanz des Löwen verweistauf den engliscben Wappenstyl 2) den der wiederholt,verbannte Expfalzgraf Heinrich am englischen Hofekennen gelernt hatte. Es sei hier beispielsweise eine
No. 313.
der Chronik des Matthäus Parisiensis entnommene Zeich-nung des zweigeschwänzten Löwen mitgetheilt undgleichzeitig auf den derselben Quelle entstammendenLöwen mit ungespaltenem Schwänze in dem weiter untenfolgenden Wappen des Rom. Königs Wilhelm hinge-wiesen.
Wir begegnen dem gespaltenen Schild, vorn Adler,hinten Löwe, noch einmal im Siegel 3 ) des MarkgrafenAlbrecht III. (Otto III. Sohn) z. B. an einer Urkundedes .1. 1271. (Nr. 314).
Verschiedene Autoren haben, ohne das SiegelOttos III. zu kennen, behauptet, der Löwe in dem SchildeAlbrechts III. sei dem böhmischen Wappen entnom-
1) Im Archive der Stadt Prenzlau in der Ucker-mark befindet sich eine Urkunde der Markgrafen Jo-hannes und Otto von Brandenburg für das Kloster derHinderen Brüder in Prenzlau vom J. 1223. Das Ori-ginal, dessen Existenz von dem hervorragenden märki-schen Geschichtsforscher Riedel bezweifelt worden ist,habe ich durch das Entgegenkommen des Magistrateszu Prenzlau selbst in Händen gehabt. Von den Be-denken, die der Echtheit der Urkunde entgegengestelltforden sind, ist das wichtigste dasjenige, dass dieMarkgrafen damals noch der Vormundschaft ihrer Mut-'er unterworfen gewesen seien. Der Wortlaut der Ur-kunde lässt jedoch die Deutung zu, dass die Schenk-ung im J. 1223 erfolgt sei; die Verbriefung selbstt) 'ägt ein Datum nicht, sie wurde aber zu einer Zeitausgefertigt, in der die Brüder bereits aus der Vor-ninndtscbaft entlassen waren; der ältere Bruder Johannes*W bereits Ritter, da er schon das bekannte „Fuss-^jegel" in der typischen Form gebraucht. Der jüngere"rüder Otto war aber augenscheinlich noch nicht wehr-haft gemacht worden, da er nicht das herkömmliche'rtterliche Siegel (mit dem er seit 1226 auftritt), son-dern ein Wappensiegel IV. A. 2. führt. Mit dieser Ein-schränkung halte ich jedenfalls die beiden, in gutemanstände anhängenden Siegel sowohl für echt als für8'eichzeitig.
Dieses Wappensiegel nun enthält im gespaltenenSchild vorn den askanischen Adler, hinten einen Löwen1,111 gespaltenem Schwänze.
2) Man vergl. die Zeichnung des Löwen in derChronik des Matthäus Parisiensis ed. Madden.
3) Dasselbe ist dem Siegel seines Vaters auf dasgenaueste nachgebildet.
men, da seine Mutter Beatrix eine Tochter des KönigsWenzel I. von Böhmen gewesen sei.
Nun hat aber König Wenzel von Böhmen, wie sichaus dem folgenden ergeben wird, noch das altböhmischeWappen, den brennenden Adler im Schilde geführt.
6) Die Herzöge und Könige von Böhmen führten seitder zweiten Hälfte des 12. Jahrhunders einen bren-nenden (mit Flammen bestreuten) schwarzen Adlerin Weiss. *)
Nach Gelasius üolmer kommt „der böhmische Ad-ler mit Ausgang des XII. Jahrh am allerersten in demSiegel Premisls Herzogs des zweyten, so hernach Otto-
4) Benesch v. Weitmühl sagt im J. 1370: „Defere-bant antiquitus (Duces et Reges Boemiae) aquilam ni-gram in flamma ignis et campo albo quae adhuc hodiesunt arma terrae Bohemiae "
Noch bei dem Leichenbegängniss des Kaisers Carl IV.im J. 1378 wurde der altböhmische Schild getragen:„darnach fürt man ainen schwartzen prinendenadler in ainem silberin fehl uf ainem verdeckten ros."