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Geschichte der Heraldik. II.
Von dieser Zeit an spätestens, vielleicht schon seitdem Tode seines Oheims Heinrich, dürfte Otto den'Schildmit den zwei goldenen Leoparden in Roth als Haupt-wappen geführt haben.
Nur auf ihn kann die Wappenbeschreibnug bezogenwerden , die Conrad von Würzburg i) im Turnei vonNantheiz giebt.
Meehtild, Gemahlin des Fürsten Heinrich II. vonAnhalt, Tochter des Herzogs Otto Puer von Braun-schweig, führt in ihrem Siegel welches 1266 an einerUrkunde vorkommt, als väterliches Wappen einenSchild mit zwei Leoparden. 2 )
Xach dem Tode (9. Juni 1252) des Herzogs OttoPuer regiert sein Sohn Herzog Albrecht der Grossezugleich als Vormund seiner Brüder, von denen Ottound Conrad zum geistlichen Stande bestimmt wurden.Im J. 1267 fand dann eine Theilung statt, bei welcherAlbrecht das Herzogthum Braunschweig, sein BinderJohann das Herzogthum Lüneburg erhielt.
Bei dieser Gelegenheit ist, wie angenommen werdenmuss, das frühere Wappenverhältniss wiederhergestelltwerden. Herzog Albrecht erhielt das Braunschweigische— zwei goldene Leoparden in Roth —, Herzog Johanndas Liineburgische Wappen — blauer Löwe in Gold.—
Der Fall liegt ähnlich so, wie bei der Vererbungder Wappen im Meklenburgischen Fürstenhanse.
Luitgard Tochter des Grafen Gerhard I. von Hol-stein, Gemahlin des Herzogs Johann von Lüneburg führtin ihrem Siegel vom J. 1272 mit der Umschrift: Dei .Gracia . Lvtgardis . Dvcissa . De . Brvnesivich alsWappen ihres Gemahls den Schild mit zwei Leoparden. 3 )
Jiieses Siegel dürfte unmittelbar nach der im J. 1265erfolgten Vermählung, jedenfalls vor der Theilung von1*207 erfolgt sein, denn Meehtild, Tochter des HerzogsJohann v. Lüneburg. Gemahlin des Fürsten Johann ILvon Werde führt in ihrem Siegel von 1318 als väter-liches Wappen den Schild mit dein Löwen und denHelm mit dem sichelförmigen, mit Pfauenfedern besteck-ten Gestelle. ')
Nun hallen wir noch den Ursprung des Wappensmit dem silbernen Boss im rotheu Felde zu erörtern.Schon dieTinctnren lassen erkennen, dass es als Ersatzdes silbernen Löwen in Roth, jedenfalls schon von demPtalzgrafen Heinrich angenommen wurde. Es liegt hiereine dritte Figuren-Verkehrnng vor, die wiederum inpolitischen Ereignissen ihre Veranlassung hatte:
Ler Adler (silbern in Roth) verschwindet mit demAuftreten des erwählten römischen Königs Otto (1198).
Der Löwe (silbern in Roth) verschwindet seit derAussöhnung des Königs Otto IV. mit den hülsten inSachsen und Thüringen (1208), um nach kurzer Zeit imBesitze der Markgrafen von Brandenburg wieder auf-zutauchen.
Für den Löwen muss nun das Ross i silbern in Ruth)eingetreten sein, das jedoch wie seine Vorgänger Fah-nenbild war und daher in dem letzten Siegel des
1) Dieser Dichter scheint übrigens das LüneburgerWappen doch gekannt zuhaben. Im Trojanischen Krieg,für dessen Helden er vielfach historische Wappen be-nützt, giebt er das Lüneburger einem gewissen Mar-g a r i t o n :
31704 sin schilt der was von goldeden rilich kost verdahteein bläwer löuwe strahtedar inne von läsüre fin.
2) v. Heinemann, cod. dipl. Anhaltinus Band II.Taf. 1. Nr. 4.
3) Siegel des Mittelalters aua den Archiven derStadt Lübeck. Holstein-Schauenburger Gra'en. Taf. 3.
4) Meklenburgische Siegel Heft 2 Nr. 224
Pfalzgrafen Heinrich, wo er nur ein Schwert in derRechten trägt, nicht zur Erscheinung kommt.-
Die Consequenz der Figuren verkehrung weist mitgrosser Sicherheit auf den Pfalzgrafen Heinrich als Ur-heber des Wappens hin. Zu der Zeit, da dieses Rosssphragistisch nachweisbar wird,*) war aber die Wap-penverkehrung längst ausser Uebung gekommen undsogar jede Erinnerung daran verloren.
Da das Ross kein politisches Widerwappen mehrwar, so konnte es unbeschadet der freundschaftlichenund waffenbrüderlichen Beziehungen zu den Markgrafenvon Brandenburg angenommen werden. Da es als Fah-nenbild gewählt wurde, so ergaben sich hinsichtlichseiner Darstellung nicht diejenigen Schwierigkeiten diewir oben (S 1G9) hervorgehoben haben.
Conrad von Mure, der in seinem Clipeorius viel-fach Falmcnbilder beschreibt, giebt ein Ross in den obi-gen Farben dem König von Ungarn :
Albus equus rubeo clipeo regis solet esseUngarici, nee e<|iio frenum, nee sella deesse.
Wir haben diesem Dichter schon einmal eine Ver-wechselung nachgewiesen in Bezug auf die Wappenentfernter Potentaten. Es wäre nicht unmöglich, dassConrad von Mure die Fahne, eines Herzogs von Braun-schweig versehentlich dem König von Ungarn beige-legt hat. 6 ) -
5 Markgraf Albrecht der Bär ;f 1170) war durchseine Söhne Otto (f 1184), Hermann (f 117(1) und Bern-hard (+ 1212; der Stammvater der Häuser Branden-burg, Orlamünde und Sachsen-Anhalt.
Diese drei Hauptlinien des askanischen Hauses sindErben des Adler-Wappens, — bei den Grafen von Orla-münde ist dasselbe sogar am frühesten sphragistischnachweisbar. An einer Urkunde des Jahres 1180 hängtdas Siegel des Grafen Siegfried von Orlamünde (Her-manns Sohn), welches die in dem askanischen Hauseso sehr beliebte spitzovale Form zeigt und den Inhaberals Ritter zu Fuss abbildet. In der Rechten trägt ereine Fahne, mit der Linken hält er den Adler seh i Id.
Erst in der Folge, als die Grafen von Orlamündeein anderes Wappenthier erwählten, und die Herzögevon Sachsen den mit einem Heroldsbild geeinten Adleraus ihrem Schilde fortliessen , wurde der rothe Adlerin Silber das Wappen der Markgrafen vonBrandenburg. ")
Wir haben bereits erwähnt, dass nach dem Todedes Königs Philipp eine Aussöhnung des Kaisers Otto IV.mit seinen früheren Gegnern stattgefunden habe. Mark-graf Albrecht II. von Brandenburg wurde einer derengsten und zuverlässigsten Bundesgenossen des Kaisers,mit dem er 1212 ein Schutz- und Trutzbündniss ab-schloss. Eine Tochter der Markgrafen, Mechthild, wurdespäter Otto dem Kind von Braunschweig, des KaisersNeffen, verlobt.
Es scheiut, dass der Expfalzgraf Heinrich oder seinkaiserlicher Bruder das seit der Aussöhnung hinfällig
5) Bei dem alten Haus Braunschweig tritt baldnach Mitte des 14. Jahrhunderts ein Pferd als Wap-penbild auf, zuerst in dem Siegel des Herzogs Alb-recht IL zu Salzderheiden vom j. 1361. Dieses Wap-pen erseheint ziemlich gleichzeitig bei den verschiedenenLinien, die in Herzog Albrecht dem Grossen (f 1279)ihren gemeinschaftlichen Stammvater haben. Vergl. H.Grote, Geschichte der Weifischen Stammwappen S. 49 ff.
6) Umgekehrt giebt die Züricher Wappenrolle Nr. 84unter Brvnswig das Luxemburger Wappen.
1) v. Ledebur, Streifzüge S. 10 f. legt den falschenFarbenangaben der Heidelberger Handschrift des Sach-senspiegels hinsichtlich des askanischen Adlers doch einzu grosses Gewicht bei.