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Geschichte der Heraldik. II. 5.
Rheinpfalzgraf geworden, als solcher auf seinen Sie-geln von 1196 und 1197 in der Fahne den Reichsad-ler, als Symbol seines Pfalzgrafen-Amtes; auf denen voll1199 bis 1205 in der Fahne den weifischen Löwen,im Schilde zwei Leoparden, geführt habe. „Er leisteteVerzicht auf seine (Pfalzgrafen-)Würde 1213 zu Gunstenseines Sohnes Heinrich und erscheint seitdem in sei-nen Reitersiegeln bis zu seinem Tode 1227 ohneFahne mit den beiden Leoparden im Schilde."
Wir haben oben bei Betrachtung der Siegel derHerzoge von Bayern Ludwig und Otto, die zugleichPfalzgrafen waren, bemerkt, dass dieselben alsPfalzgrafen eine Fahne nicht im Siegel führten.Wil werden weiter unten constatiren, dass diese Siegel-praxis bereits von dem Pfalzgrafen Heinrich aus demweifischen Hause befolgt worden war. Daraus folgt,dass ein Wappenbild, welches in einer Fahne vor-kommt, sich nicht auf die Pfalzgrafschaft be-ziehen kann, vielmehr auf ein H e r z o g t h u m bezogenwerden muss. Da sich nun Pfalzgraf Heinrich zugleicheinen Herzog von Sachsen nannte, so kann nurdieses Herzogt hum mit dem Adler gemeint sein.
Wir begreifen diese Demonstration, wenn wir unserinnern, dass der rechtmässige Herzog von Sachsen,Bernhard, als Askanier ebenfalls einen Adler (rothin Silber) führte.
Wir dürfen annehmen, dass der Gegenadler sichauch in den Farben dem askanischen entgegensetzte,woraus sich ergiebt, dass der Weifenadler silbern inRoth zu tingiren ist.
Wie die oben nach Grote angeführten Zahlen er-geben, führte der Pfalzgraf Heinrich seit 1199 den Ad-ler nicht mehr. Er scheint dieses Wappenbild seinemjüngeren Bruder Otto abgetreten zu haben der imJ. 1198 zum Römischen König erwählt worden war undden wir bald darauf den Adler im Wappen führensehen.. Es war selbstverständlich, dass Heinrich dasSymbol der Freigebigkeit l ). die damals als vorzüglichsteTugend eines Römischen Königs und Kaisers gegoltenzu haben scheint, seinem königlichen Bruder überliess.Pfalzgraf Heinrich nahm nun einen Löwen in seineFahne und stempelte denselben hiemit zum Reprä-sentanten des Herzogt bums Sachsen. DieFarben des Weifenadlers übertrug er auf das Löwen-wappen. Die Tincturen desselben werden durch denDichter des Heinfried von Braunschweig beglaubigt, wel-cher erzählt:17180 ein sannt wiz als ich ez las.
der luhte blanker denn ein swau,
ol) ich reht geprüeveu kan
die kostelichen stiure
uz dem sin covertiure17185 nach wünsche schöne was gesniteu
in kelen rot da dur emuitten
von rubin lac ein kriuz gestraht
daz ros und man hat überdaht
gar sunder trüge smeiclien17190 diz kristenlicbe zeichen
fuort der fürste mute
aber an dem schilte
fuort er suuder strafen
siner erben wäfen17195 von Brüneswic dein lande
diu man wit erkande
twi sich ir schin ze velde bot
des schiltes schin von rubin rot
schein alsam er brunue17200 daz diu liebte sunne
an im ir widerglenzen kos
der fürste rieh an schänden blöz
muost sich der wäfen fröuwen
einen grimmen löuwen17205 von blanken wiz mergriezen
uf dem schilte fliezen
sach man alsam er lepte.
mit scharfen kläwen strepte
er üf dem schilt entwerhes,17210 reht als er menschen verlies
gerte mit dem bizze
mit sinem widerglizze
er kranken ougen schrecken bot
alsus der fürste lür den tot17215 verwäfent keiserlichen reit.
hie nach wirt iueh wol geseit
waz diz maere meine
daz man den löuwen eine
hie sach üf disem schilte17220 und daz der fürste milte
und al sin nachkomendiu art
ze schimpf und ernestlicher vart
ie sit zwen löuwen fuorten
17225 daz wirt iueh kunt. gar sunder stritsi fuerent noch an dirre zitzwen löuwen und niht einen,daz wäfenliehe meinenwirt gekündet iueh hie nach
17242 ein banier rieh gebunden
was im an ein scharfez sper,dar an na ktistenlicher ger17245 von kel üz blanker varwe scheinein kriuze, daz der werde reinze kämpfe wolte füeren.
Aus den Versen 17216 ff. geht deutlich hervor, dassden Angaben des Dichters eine bestimmte Ueberliefer-ung zu Grunde lag, was vollkommen hinreicht, dieTinctur dieses Löwenwappens ausser Zweifel zu setzen.
Die letzte Aenderung, die Pfalzgraf Heinrich mitseinem Siegel vornahm, bezieht Grote auf die Resigna-tion der Pfalzgrafschaft zu Gunsten seines Sohnes (1213).Diese Erklärung ist jedoch nicht stichhaltig!Schon im J. 1209 2 ) kommt das Siegel des PfalzgrafenHeinrich vor, in dem er statt der Fahne ein Schwertund lediglich im Schilde zwei Leoparden führt. DieUmschrift entspricht dem Titel, den er bis an sein Le-bensende führte: f Henricus . Di . Gra . Dvx . Saxonie. Palatinus . Comes . Reni. Gerade dieses Siegel istdas einzige rein pfalzgräfliche, welches Heinrich führte.
Die Fortlassung der Fahne mit dem Löwen erklärtsich durch eine historische Thatsache: Nach der Er-mordung des Königs Philipp (1208) erkannten die Für-sten in Sachsen und Thüringen Otto IV. als RömischenKönig an. Heinrich musste seinen Ansprüche an dasHerzogtums Sachsen entsagen, und wenn er auch denTitel beibehielt, so musste er doch das Abzeichen desHerzogthums, die Fahne aus seinem Siegel abthun.
Das dritte Wappenbild der Weifen, die beiden gel-ben Leoparden in Roth gelten als das englische Wappenmit der unterscheidenden Weglassung eines der Wap-penthiere.
Beachtenswert ist. dass in der Mitte des 13. Jahr-hunderts die beiden Leoparden als selbst ständigesWappen der Herren von Braunscheig gelten.
Conrad v. Würzburg beschreibt im Turnei dasWappen von England, wie folgt:
1) Vergl. S. 148.
2) Lamey a. a. 0,