Geschichte der Heraldik. II. 5.
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Ein mir vorliegender (aus v. Retberg's Sammlungstammender) Abguss eines Siegels vom J. 1218 unter-scheidet sich von dem vorigen (abgesehen von der weitbesseren Darstellung) namentlich dadurch, dass derHerzog einen ungezierten Topfhelm und einen Schildmit den sogenannten bayerischen Wecken trägt.Die Umschrift zeigt nur im Vornamen eine auffallendeAbweichung: „f Lodewicvs . Dei . G . . da Dvx . Ba-warie." Ausser der Einschiebung des e ist in der letz-ten Sylbe des Vornamens namentlich das Monogrammans V und S charakteristisch.
Genau nach diesem Siegel, ich darf wohl sa-gen: gleichzeitig mit demselben, liess sich Herzog Lud-wig für die pfälzische Kanzlei einen anderen Stempelanfertigen; in dem pfälzischen Siegel (Abdruck von1224) 1 ) trägt der Herzog ebenfalls den Wecken-schild, 2 ) jedoch statt der Fahne ein Schwert. Die Um-schrift lautet: „..... dewievs . Dei . Gra . Pal. . . vs
Rheni." Die Schreibung des Vornamens stimmt auffal-lend genau mit dem vorigen Siegel iiberein.
Heinrichs des Löwen ältester Sohn Heinrich, welchersich Herzog von Sachsen und Rheinpfalzgraf zu nennenpflegte, verzichtete 1212 zu Gunsten seines Sohnes Hein-rich auf die Rheinpfalz Dieser starb im J. 1214 kin-derlos. Da die Rheinpfalz damals im factischen Macht-bereich des Königs Friedrich II. lag, so belehnte eralsbald den Herzog Ludwig von Bayern (gen. der Kel-heimer) und zugleich dessen Sohn Otto mit dem erledig-ten Lehen. Gleichzeitig wurde Otto, der damals nochminderjährig war, mit Agnes einer Tochter des älterenPfalzgrafen Heinrich verlobt. ' Der Besitz der Rhein-pfalz war indess in keiner Weise an diese Familienver-bindung geknüpft, höchstens der Allodialbesitz derfrüheren Dynastie konnte durch sie dem PfalzgrafenOtto gesichert werden. — Herzog Ludwig der Kelhei-Mev regierte zunächst als vollberechtigter Pfalzgraf;als dann sein Sohn Otto 1228 wehrhaft gemacht wordenw ar, übertrug er diesem die Rheinpfalz* Otto urkundet1228; divina permittente dementia palatinus comesRheni .... quia disponente domino palatiam tenemus.Sein Vater Ludwig ist anwesend. 3 )
Im J. 1231 wurde Herzog Ludwig der Kelheimerermordet; von nun an ist Otto wie vordem sein Vaterzugleich Herzog in Bayern und Rheinpfalzgraf. DemBeispiele seines Vaters folgend, führte er als Pfalz-graf und Herzog verschiedene Siegel, die beide im J. 1233a » Urkunden vorkommen. In dem Pfalzgrafensiegel ister als Reiter dargestellt, mit einem Topfhelm hedeckt,>» der Rechten ein Schwert haltend, am linken Armeeinen Schild mit dem Löwen tragend. Umschrift:t Otto . Dei . Gratia . Palatinus . Comes . Rheni. *)
Im Herzogssiegel sehen wir genau dasselbeBild, namentlich den Schild mit dem Löwen,"ur an Stelle des Seh wertes trägt derHerzogdie Fahne. Umschrift: f Otto. Dei . Gracia . DuxBavwarie. 5 j
1) Andreas Lamey, de insignium prtlatinorum ori-yine etc. (Ausschnitt; Mannheim 1783) Taf. 1.
2) Die a. a. 0. gegebene Abbildung zeigt missver-Ständlieh einen eckig gezogenen Balken statt der We-cken; eine Auffassung, zu welcher mau sich bei ober-flächlicher Besichtigung auch des Pendant-Siegels sehrversucht fühlen kann. Jedenfalls bilden diese beidenSiegel die Grundlage jener Behauptung (die wir z. B.s cbon bei Hund finden) dass das Stammwappen der Wit-telsbacher ein Zickzackbalken gewesen sei.
3) E. WincMmann, Philipp von Schwaben u.Otto IV. von Braunschweig. IL 510 ff.
4) Lamey a. a. 0.
5) Siegelabdruck aus v. JRetberg's Sammlung indeinem Besitz.
Diese beiden Pendant-Siegel von Vater und Sohnsind für die Geschichte der Heraldik von grosser Wich-tigkeit. Wir ersehen aus denselben mit vollkommenerDeutlichkeit, dass der sogenannte pfälzische Löwe ur-sprünglich durchaus keine engere Beziehung zur Rhein-pfalz hat.
Beide Söhne des Herzogs Otto führten die Weckenim Schilde, Ludwig der Strenge , welcher in der Pfalzu. Ober-Bayern regierte, sogar ausschliesslich. Derjüngere Bruder Heinrich, Herzog von Niederbayernführt in seinem Keitersiegel, welches im J. 1271 oderkurz vorher angefertigt wurde, im Schilde die Wecken,auf der Pferdedecke vorn den Löwenschild.
Von Heinrich's Söhnen führt Otto, der nachmaligeKönig von Ungarn, im Schilde den Löwen und auf derPferdedecke den Weckenschild, dagegen Ludwig imSchilde die Wecken und auf der Pferdedecke den Lö-wenschild.
Wir erwähnen endlich noch die Siegel der SöhneLudwigs des Strengen, und zwar des Pfalzgrafen Ru-dolf vom J. 1300 und des Herzogs (Kaisers) Ludwigvom J. 1313; in beiden fühlt der Reiter am Arme denWeckenschild; auf der Pferdedecke vorn ist ein Schildmit einem gekrönten, hinten ein solcher mit einemungekrönten Löwen angebracht.
Unter Kaiser Ludwig fand eine Deputation derWappen in der Art statt, dass der Weckenschild demLande Bayern, der Löwenschibl dem Herzogthumzugeschrieben wurde. °j —
Ich zweifle nicht, dass bei der oben eonstathtenWappen-Aenderung nur eine Erneuerung nachd em Grundsätze der F i gnren - V erke hrnngvorliegt.
Somit weist der goldene Löwe in Schwarz auf einengoldenen Adler in Schwarz als AVappen derH er zöge von Bayern aus dem WittelsbachischenHause hin.
Es ist diess eine Umkehrung 'desjenigen Wappens,welches — nach den Ausführungen auf S. 244 die ba-benbergischen Herzoge von Oesterreich (zeitweilig auchvon Bayern) bis auf Herzog Leopold (f 1230) geführthaben. —
3) Die Söhne des Herzogs Wladislaus II. von Schle-sien (f 1159) hatten von seiner ersten Gemahlin Agnes,Tochter Herzogs Leopold von Oesterreich, zwei Söhne:Boleslaus I. den Langen (f 1201 i der Breslau, undMesko (f 1211) der Ratibor und Oppeln erhielt.
Die Linie des Boleslaus I., dessen Reitersiegelvon 1179 oben S. 10G Nr. 53 mitgetheilt ist, führte denAdler schwarz in Gold, mit dem Halbmond undKreuz auf der Brust; die Linie des Mesko den Adlergolden in Blau ohne Halbmond und Kreuz
Dass dieser Zusatz nur dem Adler des Boleslausgegeben wurde, ist sehr bedeutsam. Ich glaubeoben (S. 244) erwiesen zu haben, dass der österreichischeHerzogsadler der babenbergischen Dynastie, die Farbenschwarz in Gold trägt. Herzog Boleslaus I. vonSchlesien machte sich den Adler der öster-reichischen Landesfürsten, von denen er durchseine Mutter abstammte, zu eigen, belegte ihn jedochzum Unterschiede mit dem Kreuz und Halbmond. Derschon durch die Farbe geschiedene Adler des HerzogsMesko bedurfte dieses Unterschiedes nicht. —
4) Das Weifische Haus verfügt Ende des 12. Jahrhun-derts über drei verschiedene Wappenbilder, deren Verhält-niss zu einander bis jetzt noch nicht erklärt ist.
H. Grote 1 ) meint, dass Heinrich von Braunschweig(ältester Sohn Heinrichs des Löwen) nachdem er 1195
6) Vergl. S. 79.
7) Geschichte der Wel fischen Stet
tmwappen S. 16 f.