Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
244
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

244

Geschichte der Heraldik. IL 5.

nicht den Ausschlag geben. Man sieht sofort, dassdem Schild von Kärnthen lediglich aus praktischenGründen ein dritter Leopard hinzugefügt wurde: zweiLeoparden nämlich würden die vordere Hälfte desSchildes nicht gehörig füllen, sie würden ohne Ver-zerrung nicht darstellbar sein 1 ).

Wir sind nunmehr in der Lage, aus dein KärnthnerWappen die Farben des Mödlinger Schildes zu be-stimmen; derselbe enthält zwei schwarze Leoparden inGold.

Durch die Aussage des Johannes von Victring wirdin bedeutsamer Weise der Schild mit den Leopardenals Gesch lec ht s wapp en derBabenberger bezeichnet.Denn es ist eine Schwester des Heinrich von Möd-ling, deren Nachkomme sich das Wappen zueignet,eben in dem Moment, da der Schild mit dem Erlöschender Mödlinger Linie obsolet geworden war.

Diesem Geschlechtswappen steht der Adler nichtals Landeswappen denn solche gab es damals nochnicht sondern als Herzogswappen gegenüber.Herzog Heinrich Jasomirgott hatte die Herzogswürdenicht als einen leeren Titel, sondern als ein Amtempfangen, welches sein Gebiet von dem BayerischenHerzogthum frei machte, und welches ihm über seinLand neue Rechte gewährte. Den Titel als Herzogführte damals nur derjenige, der das Herzogsamt ver-waltete, daher gebraucht der ältere Heinrich von Möd-ling nicht den Herzogstitel. Das Siegel seines Sohnesist allerdings mit ein Beweis dafür-, dass schon in derersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sich diese Verhält-nisse erheblich geändert hatten.

Aus dem Geschlechtswappen, dem Leopardenschilddürften die Farben des Herzogswappens leicht zu be-stimmen sein. Wie der hohenstaufische Kaiseradler(schwarz in Gold) mit dem hohenstauflschen Geschlechts-wappen (schwarzer Löwe in Gold) in den Farben über-einstimmte, so dürfte dem Geschlechtswappen des baben-bergischen Fürstenhauses zwei schwarze Leopardenin Gold der Herzogsadler schwarz in Goldgegenüber stehen ! Wir begreifen nun, dass HerzogFriedrich der Streitbare sofort beim Antritt seinerRegierung den ererbten Herzogsadler wegen der Con-currenz mit dem hohenstaufischen Hause abthat.

Der schwarze Adler in Gold hatte für ihn denWerth als Wappen verloren, jedermann sah in dem-selben nur den Kaiseradler der Hohenstaufen.

Wir wissen, dass Herzog Friedrich der Streitbareder erste Herzog ist, welcher den Querbalken im Schildeseines Reiterssiegel führte. Ich glaube jedoch nicht,dass wir diesen Querbalken als neues Wappen auf-zufassen haben; er dürfte vielmehr ein altererbtes inden Schild versetztes Fahnenbild sein.

Ein merkwürdiges Zusammentreffen von Umständenhat es gewollt, dass der alte babenbergische Herzogs-adler, wenn auch mit einem zweiten Kopfe in späterenZeiten als östereic bischer Kaiseradler seine Wieder-auferstehung feierte.

2) Otto von Wittelbach, Pfalzgraf von Bayern, der am16. September 1180 zum Herzog von Bayern erhobenwurde, führt in seinem spitzovalen Siegel vom J. 1179einen linksblickenden Adler.

Ein ganz ähnliches Siegel (nur den Adler rechts-blickend) führt seines (1189 gestorbenen i Bruders Ottogleichnamiger Sohn an einer Urkunde von 1207. Mitdiesem Otto, dem Mörder des Königs Philipp, erlosch.

No. 312.

die Linie der Witteisbacher, welche die PfalzgrafschaftBayern inne hatte.

Des ersten Witteisbacher Herzogs Sohn, Ludwig I,genannt der Kelheimer (succedirt 1183) hat im Laufeseiner Regierung verschiedene Siegel geführt. NachFelix Joseph Lipowsky, dessen Erörterungen über dasbayerische Wappen 2 ) durch die neueren Forschungenim Wesentlichen eine Bestätigung gefunden haben,kennt ein Porträtsiegel von J202; ein Reitersiegel von1209 , wo der Schild wahrscheinlich nur den Buckelzeigt, (miteinem Schild auf derBrnst, worauf Zweigeabgebildet sind.")

Dann ssgt er:Da er im J.- 1215 die Rheinpfalzerhielt, so zeigt ihn ein drittes Siegel vom J. 1220 zuPferde sitzend, mit einem Schilde an der Brust, geziertmit dem pfälzischen, noch ungekrönten Löwen undeinem Helm auf dem Kopfe, auf dem ein Kreuz 3) empor-raget. Die Umschrift heisst: Lodwicus Dei GraciaDux Bawariae."

Es kann dies nur dasjenige Siegel sein, welchesv. Mayerfels (ohne ein Datum zu geben) in seinerSchrift: Der Witteisbacher Stamm-Haus- und Geschlechts-wappen, Tafel 1 abbildet und S. 16 beschreibt:DerHerzog ist im vollständigen Ringelpanzer-Anzuge mitdesgleichen Gugel und Bassinet, hält den grossenHeerschild von sogenannter normannischer Form vorsich an der Brusst, so dass er genau im Profil erscheint;in der Rechten hält er die Zügel und das in drei Wimpelgespaltene Rennfähnlein." Der Schild enthält jedochnicht einen Löwen sondern einen Adler 4 ).Die Umschrift stimmt mit der Lesung Lipowskysüberein.

Es giebt aber noch zwei andere Reitersiegel desHerzogs Ludwig I.

1) Conrad von Mure giebt übrigens dem KärnthnerSchilde, dessen Farben er zum Theil verschiebt, nurzwei Leop arde n:

Albo Carinthi duo nigri stare leones,Sed gilvam zonam medio rubei fore pones:

2) Grundlinien der Heraldik S. 87 ff.

3) Das Kreuz gehört zur Umschrift!

4) Ein mir vorliegender Abdruck lässt den Adlerdeutlich erkennen.