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Geschichte der Heraldik. II. 5.
Augenscheinlich ist es, dass die Grafen von Hon-berg nur darum zwei schwarze Adler in Gelb führten,weil ein schwarzer Adler in Gelb seit König Philippdas Wappen der Könige und Kaiser aus dem Hause derHohenstaufen geworden war. —
In einer Urkunde vom J. 1301 erscheinen Tesse-marus de Bonin, Petrus de Kamyk (Kameke)milites, Tesan et Teszlaus fratresi).
An einer Urkunde von 1317 hängen die Siegel desPetrus de Camik und seines Bruders Tessen, der sichjetzt de Strachemin nennt. Peter führt einen Ad-ler, Tessen drei Ziegenbocksköpfe im Schilde. „BeideWappen sowohl wie die verschiedenen Namen laufenunverändert neben einander fort bis 1336, wo dann diedrei Bocksköpfe der von Strachemin auf einen reducirtwerden und die Mitglieder dieser Linie sich nun auchv. Kameke nennen. Der Adler, als eigentliches Stamm-wappen der Familie, verschwindet jedoch erst nach 1386,da er in genanntem Jahre noch von Kartze Kamekegeführt wurde" 2 )
Hiezu bemerkt Herr von Mülverstedt:
„Als eine Abzweigung des v. Kamecke'schen Ur-stammes mit einem Bockskopfe im Schilde sind die-jenigen Herren v. Kamecke zu betrachten, die sich nachihrem Sitzgute v. Strachmin nannten und drei solcheKöpfe führten, bis mit der Zurückführung des Wappen-bildes auf die uranfängliche Form auch der alte Namenzurückkehrte" s ).
Den Urstamm scheinen jedoch die v. Bonin zubilden. Der zuerst erwähnte Tessemar v. Bonin istder älteste seiner Brüder; deren "Vater war vielleichtGobelo v. B., der 1288 als Zeuge vorkommt. Dasälteste Siegel der v. B. ist leider erst vom J. 1390 4 ).Bekanntlich führen die v. B. das Schildzeichen in derEinheit, — die Hürde hinter welcher der Bock her-vorbricht ist eine neuere Zuthat (seit dem Ende des17. Jahrh.) 8 ).
Hieraus scheint sich zu ergeben, dass der ältesteBruder das ererbte Wappen behielt, der zweite einganz neues Schildzeichen annahm, während der dritteBruder das väterliche Wappenbild in der Dreizahl inseinen Schild aufnahm.
6. Figürliche Beizeicheu.
Des Kaisers Friedrich II. aus seiner Ehe mit Io-lantha (Tochter des Königs Johann von Jerusalem) er-zielter Sohn Conrad führte nach Matthäus Parisiensis")folgendes Wappen: in Gold ein schwarzer Doppeladlerüberhöht von einem rothen Halbmond.
Einen schwarzen Doppeladler im grün-roth ge-spaltenen Schilde 7 ) führte auch des Kaisers Fried-rich II. natürlicher Sohn Enzius (No 307).
Ein anderer unechter Sohn des Kaisers Friedrich II.,M a n f r e d, führt nach derselben Quelle: in Gold einen
No. 307.
1) Gesch. d. kinterpommerschen Geschlechts von Bo-nin. Berlin 1864 S. 12 f. 303 f
2) Bagmihl, Pommersches Wappenb. I. 63.
3) Thüringisch-Sächsische Mittheilungen IX. Heft 3.4S. 9.
4) Bagmihl I. 68.
5) Gesch. d. v. Bonin S. 12.
6) Der Herausgeber (III, 338) beschreibt dasselbe:or, a double-headed eagle displayed sable; in the middlechief point a crescent gules for difference. Beneath iswritten: Scutum Conrad!, regis Siculorum.
7) Der Herausgeber des Matth. Par. beschreibt dieWappenmalerei: „Party per pale, vert and or, a doubleeagle displayed, sable.
doppelköpfigen schwarzen Adler überlegt von einemsilbernen Balken a ). —
Das seit Ende des 12. Jahrhunderts auftretendemittelrheinische Geschlecht der von Kirkel hat seineAbkunft von den Grafen von Saarwerden, die bekannt-lich einen silbernen Doppeladler im schwarzen Schildeführten. (Vergl. das S. 85 No. 38 abgebildete Siegel).
Heinrich Herr von Kirkel führt in seinem schild-
No. 308.
förmigen Siegel vom J. U40 den Doppeladler mit einemQuerbalken überlegt. —
An einer Urkunde des J. 1249 hängt ein Siegel desVogtes Reino zu Strazberc, dessen Schild einen Adlerenthält, der von einem Schrägbalken überlegt ist").
Der Schrägbalken kann ein Beizeichen sein, um denSchild von dem Wappen eines anderen Geschlechtes zuunterscheiden. Vielleicht hatte er aber nur den Zweck,die unbequeme symbolische Bedeutung des Adlers(Grossmuth, Freigebigkeit) zu schwächen. —
Die figürlichen Beizeichen kommen in keinem TheileDeutschlands häufiger vor, als in den Ländern am Rhein,die sich vielfach von dem französischen Geschmack be-herrschen Hessen. Die Vorliebe für Beizeichen geht dortzuweilen so weit, dass nicht bloss die Linien, sonderneinzelne Personen durch Beizeichen unterschieden werden.
8) Nach der Beschreibung des Herausgebers: or, ,adouble-headed eagle displayed sable, over all a fess,argent.
9) v. Hefner (Altbayerische Heraldik § 50) sagt:„Dieser Faden .. . deutet daranf, dass diese Vögte vonStrassberg, welche sich übrigens später (1303) auchvon Voitsberg schrieben, entweder Bastarden oder nach-geborene Söhne eines Dynastenhauses waren, welchesden Adler allein im Schilde führte".