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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IL 5.

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Schon Albrecht v. Scharffenberg (zur Zeit des Kö-nigs Rudolf dichtend) weist darauf hin, dass hier eineW a p p e n v e r k e h r u n g vorliege720 Sin pantel wart verkeret. von zobel ein

e

ancher tureDes wart sin schilt gelieret . also in richem wisfür der geheure,

Nur das Bild ist geändert, die Farben des väter-lichen Schildes sind geblieben.

Der am 22. Mai 1246 zum Römischen König erwählteLandgraf Heinrich von Thüringen legte seinem Königs-wappen den blauen Schild Thüringen zu Grunde, dieFigur verkehrte er in einen Adler, den er jedoch nichtbunt sondern gelb tingirte ')

Als Graf Poppo VII. von Henneberg (zwischen12341237) sein Wappen veränderte, wählte er dasMittel der Figuren-Verkehrung. An Stelle des (wach-senden) schwarzen Doppeladlers in Gelb nahm ereine schwarze Henne in Gelb. Der Fall wird weiterunten eingehend besprochen werden.

3. Das Widervvappen.

Das W ider wa p pen ist eine Umkehrung des Grund-wappens: die Figur nimmt die Farbe des Schildes undder Schild die Farbe der Figur an.

Es stehen sich beispielsweise gegenüber:

Grundwappen: silberner Adler in Roth,

Widerwappen-, rother Adler in Silber.

Die meisten Fürstenwappen der Urzeit enthaltenim Schilde von Metall eine Figur von Farbe 2 ).

Wappen, die in den Farben umgekehrt geordnetsind, weisen häufig auf ein Grundwappen zurück, undes verdienen alle Widerwappen der ältesten Zeitetwa bis 1250 - einer Prüfung dahin unterzogen zuwerden, ob sie einem anderen Wappen, das zumeist inder Nachbarschaft zu suchen sein wird, gegenüber stehen.

Das Widerwappen hat ursprünglich eine politischeBedeutung: in der Annahme eines Widerwappens liegtin den meisten Fällen eine Demonstration gegen den-jenigen, welcher das entsprechende Grund-Wappen führt.In anderen Fällen wurde die Form des Widerwappensgewühlt, weil man ein bestimmtes Bild in bestimmtenFarben führen wollte, und doch aus Rücksicht auf Kaeh-haren, die das entsprechende Grundwappen führten, dasletztere nicht annehmen konnte.

Beispiele für beide Fälle werden die folgenden Ca-pitel liefern.

1) Vergl. das 9. Capitel dieses Abschnittes.

2) Bei den Dichtern, die sich an das Thatsächliche,an Vorbilder zu halten pflegen, die oft in der Wahlder Wappen dem Wappenherrn eine Huldigung dar-bringen, kommen allerdings nicht selten Widerwappenvor, wodurch indess obiger Satz nicht aufgehoben wird.

In Künec Ortnites Mervart unde tot wird OrtnitsStnrmfahne beschrieben;

einen vanen swarzen er an bant

dar üz ein lewe lühte von liehtem golde röt.Im Biterolf heisst es:9792 in einem vanen blävar

sach man einen lewen wagen,

üz golde von siden wol getragen;

dem volgeten die wigande

von der Amelunge landeferner im Lanzelet370 den schilt, den er solte tragen

der was als er wolde

ein breit ar von golde

was enmitteii drüf gemäht,

der rant mit zobele bedank

Nach Mitte des 13. Jahrhunderts dürfte das poli-tische Widerwappen nicht mehr vorkommen. Es wirdjetzt auf kurze Zeit ein Hülfsmittel der Wappenschei-dung bei der Abtheilung von Linien.

4. Stellung der Figuren.

Aehnliche Wappen werden zuweilen dadurch unter-schieden, dass man den Figuren eine verschiedene Stel-lung giebt. Es sind in dieser Beziehung besonders diequer- und schrägfliegenden Adler zu nennen.

Die von Eptingen, deren Schild in Figur und Farbemit dem Kaiserwappen übereinstimmt, führen den Adlerquerfliegend.

in der Züricher Wappenrolle enthält die Fahne desBisthums Brixeu, den Adler von Tyrol, jedoch schrägflie-gend und mit einein blauen Krummstabe überlegt.

Graf Heinrich von Wartstein führt in seinem Siegelvon 1260 den Schild mit sehr langen (den Schwenkeineiner Fahne ähnlichen) Zinnen gespalten. DagegenGraf Eberhard 1263 einen mit Zinnen schräg getheiltenSchild 3 ).

Heinrich v. Heusenstamm führt in seinem Siegelvon 127f) eingezacktes Schildeshaupt" *, oder vielmehreinen mit Spitzen querget heilten Schild, darinoben ein Turnierkragen.

Das Siegel des Siefried von Heusenstamm, 1232 und1282 (wahrscheinlich von gleichnamigen Mitgliedern desGeschlechtes benutzt) vorkommend, enthält dagegeneinen mit Spitzen senkrecht getheilten Schild.

6. Veränderungen in der Zahl der Figuren.

Im Allgemeinen ist die Zahl der Figuren für dasWappenrecht bedeutungslos, sie hängt ab von kunst-mässigen Erwägungen, die wir bereits oben (S. 168)hervorgehoben haben Häufig wird eine Mehrzahl vonFiguren sphragis tisch auf eine reducirt, weil dasbetreffende Siegel zu klein war, um eine grössere Zahlvon Figuren erkennbar darzustellen.

Das Geschlechtswappen der von Wildon in derSteiermark waren drei (2, 1) Seeblätter

Truchsess Herrand von Wildon 1276, und MarschallHertnid v. Wildon 1298 führen aber nur ein Seeblattim Schilde.

Das Wappen der Grafen v. Tecklenburg sind be-kanntlich 3 (2, 1) Seeblätter.

So führt den Schild Graf Otto IV. in seinen Siegelnvon 12841294 u. 1299 (zwei verschiedene Stempel),während das kleinere Secret, an einer Urkunde von1299 vorkommend, im Schilde nur ein Seeblatt zeigt 5 ).Ein Fall der Wappenscheidung durch Verminderungder Zahl der Figuren, welcher sicher nachweisbar ist,ist der folgende.

Wildgraf Conrad (121663) führt im Schilde seinesReitersiegels vom J. 12G3 drei (2, 1) Löwen, die nachAusweis späterer Quellen golden in Roth sind. Er istder Stammvater der wildgräflichen Linien von Kyrburgund Dhaun. Die Nachkommen seines älteren SohnesEniich Wildgrafen von Kyrburg führen das Erb-wappen mit den drei Löwen.

Die Nachkommen des jüngeren Sohnes Gottfried(dieser in seinem Siegel von 1267) Wildgrafen vonDhaun führen nur einen Löwen und zwar in denumgekehrten Farben, roth in Gold.

3) Siegel zum Codex Salcmitanus von v. WecchNo. 67 u. 68.

4) So will Friedrich Ritsert die Figur genanntwissen. Vergl. dessen Abhandlung im Correspondevz-blatt des Gesammtvereius 1884 S. 8.

5) Westfälische Siegel des Mittelalters 1, 2 Taf. 20.