Geschichte der Heraldik. II. 5.
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Dem adelarn von Borne werdeclichen ist gelungen,wan er krinvogele ein wunder hat mit siner kraft
betwungener hat lop erswnngendurliuhtic, luter unde glänz,hehch unde valken twank er z Osterlanden unde in
Stire:daz mac in Fülle l ) erschrecken wol die rappen und
die gire.ruhin und saphirevil hillich zierent sinen kränz,sin gelücke und sine kraft entsitze swaze nu wildes
lebe,ez ge, swimme, od ob ez swebeob dem kan er wol fliegen
kein vogel kan üz allen landen wider in nu gekriegen;sich muoste ein löuwe uz Behein under sine kläwen
smiegen:er ist äne triegenvest unde an höhen eren ganz.Diess waren edle Geiste der Nation. Wie es dieandern trieben, davon erhält man einen Begriff, wennman die S. 149 angeführten Verlästerungen nachliest,wie z. B. der Schulmeister von Esslingen sagt:ir sit kerger, dann der adelar: der schiltder wil iuch übel an stan.Ein solcher Herr, der für das Bettelvolk nicht im-r "ur den Sack so weit aufmachte, wie man es erwartenmochte, musste darauf gefasst sein, sich und sein Wap-pen in Bänkelsänger-Liedern verspottet zu sehen.
Wenn man im Seiche bestrebt war, die Zahl derAdler zu vermindern, und die grossen Geschlechtereiner Wappenänderung geneigt zu machen, so konnteder Zeitpunkt nicht besser gewählt werden.
Es verschwinden denn auch unter der Regierungdes Kaisers Friedrich II. die Adler in so erheblicherAnzahl und nahezu gleichzeitig, dass es fast schwerls t, diese Erscheinung einein Zufalle zuzuschreiben.
Nur in wenigen Wappen bleibt der Adler unver-ändert wie bisher. Wenn er nicht ganz verschwindet,so wird er meistens mit einem Heroldsbild verbundenoder mit einem Beizeichen versehen.
Ich zweifle nicht, dass Kaiser Friedrich II. von derAbsicht ausging, den „Allerwelts-Adler" zum nahezuausschliesslichen Kaiserwappen zu erheben.
3. Capitel.Die %Vu|t|t<'n-Srli<>i<lniiK.
Ohne ein eigentliches System der Beizeichen —Y le andere Länder — zur Ausbildung zu bringen, hat«las deutsche Wappenwesen . von Anfang an gewisse"iilfsmittel zur Unterscheidung der Wappen mit Be-wusstaein und Consequenz angewendet.
Um Verwechselungen zu vermeiden, gebrauche ich*ür derartige Massnahmen die Bezeichnung Wappen-8c Ue idung.
Das deutsche Verfahren der Wappenscheidung be-'lient sich im Allgemeinen keiner fremden Zusätze,"oildem es sucht seinen Zweck durch eine a priori nichterkennbare Umformung des Wappens zu erreichen.
Liese Umformung wird bewirkt entweder:
1) durch eine Verkehrung der Farben, oder
2) durch eine Verkehrung der Figuren.Werden die Figuren beibehalten, so werden die
J-arben verkehrt und umgekehrt werden bei einer Ver-mehrung der Figur die Farben beibehalten.
1) Apnlien.
1. Die Verkehrung der Farben.
Einen Vorgang hiezu erzählt der englische (Je-schichtschreiber Matthäus Pari.iiensis 2) (f 1259). ImJ. 1188 fassten nämlich die Könige Philipp von Frank-reich und Heinrich von England in Gegenwart desGrafen Fhilipp von Flandern den Beschluss, eine Fahrtnach Jerusalem gemeinschaftlich zu unternehmen. Eswurde dabei ausgemacht, dass alle Kreuzfahrer ausdem Königreich Frankreich rothe, aus den Länderndes Königs von England weisse, und aus dem Landedes Grafen von Flandern grüne Kreuze führen sollten.Unter den Söhnen des Grafen Hartmann II. vonKyburg und Dillingen (f 1134) fand eine Theilungstatt; im J. 1155 werden genannt: Hartmannus Comesde Kiburg et frater ejus Adalbertus Comes de Dil-lingen.
Dieses Geschlecht, welches in der kunstmässigenGestaltung seines Wappens der Zeit weit voranschritt(Verbindung eines Heroldsbildes mit • einem Thierbild)hat auch in Bezug auf die Wappenvererbung der künf-tigen Fntwicklung vorgegriffen. Beide Linien führenim Grundrisse dasselbe Wappen:
Die Grafen von Kyburg führen nach Conrad vonMure:
Kiburg in nigro gilvam tabulam fore ponisObliquansque duos gilvos secet illa leones.Also in Schwarz einen goldenen Schrägbalken zwi-schen zwei goldenen Löwen. Die Züricher Wappenrollegiebt Both als Farbe des Schildes, doch dürfte unserDichter glaubwürdiger sei, weil, als er sein Werkchenverfasste (ca. 1250), die Grafen von Kyburg noch nichterloschen waren (12(14).
Das Wappen der Grafen von Dillingen beschreibtConrad in folgendem Reim:
.Dillingen clipeuni de lasuro fore ponesÜbliquans tabulam geminosque leones.Das ist: in Blau ein Schrägbalken begleitet obenund unten von je zwei (Zwillingen!) Löwen. Die Farbedes Bildes ist leider nicht angegeben, es möchte jedochGold anzunehmen sein, da bei der Farbenverkehrungin der Kegel nur eine Tinctur geändert wurde. EinSiegel des Grafen Hartmann von Dillingen von ca.1194») vergl. S. 73 Nr. 7. —
Von den Söhnen des Pfalzgrafeu Hugo von Tüb-ingen (f 1182) wurde Rudolf der Erbe der TübingerPfalz (1183-1219) während Hugo (1208—1219) dieGrafschaft Montfort bekam. Aus dem Hause Montfortzweigten sich im Laufe des 13- Jahrb. die Grafen vonWerdenberg ab: Hartmann Graf von Montfort-Wer-denberg f vor 1272; Hugo Graf von Werdenberg12G4. 4 ) Die verschiedenen Linien änderten die Wap-pen färben in folgender Weise:
Die Pfalzgrafeu von Tübingen führten: rotheKirclienfahne in Gol d.
2) Derselbe sagt: A. D. 1188. Distinguuntur cru-cesignati diversis crueibus.
Et eodem tempore rex Francorum Philippus et rexAnglorum Hemicus in Normannia pro subveutione TerraeSanctae ad colloquium convenientes, iuter Triam etGisorcium post longo» traetatns, presente comite Flan-drensi Plülippo in "hoc pariter consenserunt, ut scilicet,snmpto crucis signaculo, iter Jerosliinitanum socialiterexpedirent — — Provisum est etiam inter eos, ut om-nes de regno Francorum cruces ruheas, de terris regisAnglorum albas, de terra vero comitis Flandrensis cru-ces virides hajularent.
3) Nicht 1294, wie durch einen Druckfehler aufS. 72 steht.
4) v. Stalin IL 42G.