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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 5.

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berg (f 1321) und und Albert II. Burggrafen von Leis-nig (f 1308). Beide führten einen (weiss - roth) ge-spaltenen Schild, vielleicht ein Fahnenbild, das nachdem modisch werdenden Gebrauch der Heroldsbilderin den Schild übertragen wurde, als neues Wappendemnach nicht anzusehen ist. Die Seeberger führtenzu diesem Schilde ein Flügelkleinod.

Ein Siegel IV. C des Burggrafen Albert II. vonLeisnig vom J. 1294 welches wir oben S. 124 No. 105mitgetheilt haben, zeigt auf dem gespaltenen Schildeinen Helm mit niedrigem runden Hut als Kleinod.

Ein anderer Sohn des Burggrafen Gerhard bildetedie Linie der Burggrafen von Wettin, aus welcher Ger-hards Enkel Otto in seinem schildförmigen Siegel von12 6 den Löwen führt').

Das Wappen der Grafen von Holstein-Schaumburgwar ursprünglich ein Löwe. Wir ersehen dies ausdem von dem Grafen Adolf III. (bis z. J. 1225) undAdolf IV. (12251239) successive benutzten Reitersie-gel, wo der Schild den Löwen mit vollkommener Deut-lichkeit erkennen lässt. Die Umschrift lautet: t <S'Adliolffi. Dei ff(ratia): Wagrie Stormarie (atqu)e Holt-sucie: Comitis 2 ).

Das noch heute als Wappen von Holstein geltendesogenannte Nesselblatt (gezackter Schildrand) be-gegnet uns sphragis tisch zuerst 1247 in dem ge-meinschaftlichen Siegel IV. A. 2 der Grafen Johann I.und Gerhard I. Dieses als willkürlicher Schildschmuckuralte Bild (vergl S. 75) hatte jetzt den Werth alsWappen der Grafen von Holstein erlangt und Hess denLöwenschild vollkommen in Vergessenheit gerathen.

Dietrich I. von Hartesrode führt 1251 und 1253 inseinem Siegel drei Rosen an einem Stiel. Dasselbe Zei-chen führen 1263 Johann und Anno v. Hartisrode inihrem gemeinschaftlichen Siegel. Ein dritter Sohn deszuerst genannten, Dietrich IL führt 1299 einen im Zin-nenschnitt gespaltenen Schild, mit dem Rautenkranzschräg überlegt. Bemerkenswerth ist, dass Dietrich II.bei der Abtheilung die Stammburg erhielt. Auch beider Nachkommenschaft seiner Brüder erscheint das Blu-menwappen nicht mehr, sie führen den Zinnenschnitt,aber ohne Rautenkranz; wenigstens kommt derselbe nurnoch einmal in dem Siegel Ludolfs III. v H. vom J.1354 vor 3 ).

Dietrich IL von Liechtenstein, der Stammvater derheutigen Fürsten dieses Namens, hatte drei Söhne, vondenen der jüngste, Albrecht von St. Petronell, im schild-förmigen Siegel von 1266 einen Adler führt 4 ).

1) Vergl. die von dem sei. Freiherrn Chi. C.v. Ueitzenstein bearbeitete Stammtafel der Burggrafenv. Leisnig im I Jahrg. d. Vierteljahrsschrift f. Heraldik.

2) Abgebildet von Milde in den Siegeln des Mittel-alters aus den Archiven der Stadt Lübeck 8. Heft Taf. 1nnd von Dr. F. Philippi in den Westfälischen Siegelndes Mittelalters 1. Heft 1. Abtheilung Taf. 13. Dieletztere Quelle giebt eine photographische Reproduktion,welche mehrere wesentliche Verbesserungen der Mildö-schen Zeichnung ermöglicht. Der Reiter trägt die deut-sch unterscheidbare Glockenhaube mit Nasenschutz überder Ringhaube, bei Milde ist Ringhaube und Glockeu-Wbe zu einem unhistorischenoffenen Helm" ver-schmolzen. Die Glockenhaube, von der ich ein Beispielnach 1200 nicht gefunden habe, bildet einen Beleg fürdas hohe Alter des vom Vater auf den Sohn überge-gangenen Siegels, welches meines Erachtens ca. 1180gravirt sein dürfte.

3) Die Geschlechtsreihe der Herren von Hartesrode(Hasserode), Erbmarschälle des Stifts Halberstadt. Vonfeg.-R. Delius. In Ledebws Allg. Arch. f. Geschichtsk.V H. S. 97.

4) Fürst Hohenlohe, sphragistisches Album.

Hertnid v. Liechtenstein (Enkel des genanntenDietrich IL durch dessen Sohn Heinrich IL von Nicols-burg) führt in seinem runden Siegel vom J. 1276 denq u er get heilten Schild 6 ).

Nach dem Obigen liegt hier eine Wappen Ver-schiedenheit nicht vor.

Bei den Herzogen von (Nieder-)Sohlesien ist dasNebeneinander-Bestehen von Wappenthier (Adler) undHeroldsbild (geschachter Schild) deutlich erkennbar.Diese Concurrenz lässt "sich bei den Linien verfolgen,die in Herzog Heinrich IL von Breslau (f 1241) ihrengemeinsamen Stammvater haben.

Die hier zu erwähnenden Söhne dieses Herzogs sind1) Boleslaus II saevus von Breslau (f 1278) und Con-rad von Glogau (f ca. 1273).

Boleslaus IL hatte zwei liuienbildende Söhne : Hein-rich V. und Bolko I. Des ersteren Sohn, Herzog Boles-laus III. von Liegnitz und Brieg führt in seinem Siegelvon 1330 ein mit dem erwähnten Heroldsbilde bezeich-netes Schirmbrett. Dessen Sohn Herzog Wenzel vonLiegnitz führt in seinem Siegel von 1350 einen quadrirtenSchild, in 1. u. 4. die Schachirung, in 2. u. 3. den Adler.

Des Herzogs Bolko gleichnamige)' Sohn, Bolko ILvon Fürstenberg und Münsterberg führt in seinem Bei-tersiegel von 1336 auf dem Helme ein mit dein Herolds-bild bezeichnetes Schirmbrett. Ein Enkel Bolko's I.(durch dessen Sohn Bernhard) Bolko III. von Fürsten-berg und Schweidnitz heirathete Agnes Herzogin vonOesterreich Auf deren grossein Portraitsiegel von 1392mit der Umschrift:Agnes. Dei. Gra. Ducissa Sie. Dna.De. Furstinbg. In. Swydnicz. Et. In. law." erscheinenrechts und links je ein zugewendetes volles Wappenund zwar rechts: der schlesische Schild; anf dem Helmder Adler in einer halb naturalistischen Darstellung;links: der geschachte Schild; auf dem Helm ein ge-schachtes Schirmbrett °)

In der Linie des Herzogs Conrad von Glogau führtnachweisbar dessen Urenkel, Herzog Heinrich V. derEiserne in seinem Siegel von 1342 das Heroldsbild inder Form eines geschachten Schirmbrettes auf demHelme.

Bei den grossen Geschlechtern ist die Concurrenzvon Wappenthier und Heroldsbild so regelmässig, dassman in allen Fällen, wo entweder nur das Wappenthieroder nur das Heroldsbild bekannt ist, nach dem fehlen-den Concurrenz-Bilde zu suchen hat.

Conrad von Mure besehreibt das Wappen der Wild-grafenIndomiti comitis niger ac albus fore sciturQuattuor in spaeiis velut in fascis reperitur.

Nach dem Sprachgebrauche des Dichters') ist derSchild von Schwarz und Weiss quadrirt.

Dieses Heroldsbild ist anderweitig nicht nachge-wiesen, dagegen wissen wir, dass die Wildgrafen zuden Zeiten des genannten Dichters drei (2, 1; goldeneLöwen in Roth geführt haben.

Das Wappen der Raugrafen ist nach Conrad vonMure

Hirsuti clipeus divisus parte prioreAlbum, sed rubemn prefert in posteriore.

Die Siegel stimmen hiemit vollkommen überein, einWappenthier ist nicht bekannt, doch zweifle ich nicht,dass die Raugrafen, welche seit 1140 ein selbstständigesGeschlecht bilden, ein solches geführt haben.

5) Hueber, Austria ex archivis Mellicensibus illu-strata Taf. VI No. 4.

6) Vergl. die Abbildung bei Hohenlohe, sphragist.Aphorismen No 214.

7) Vergl. die Beschreibung des Wappens der Grafenvon Kastell.