Geschichte der Heraldik. II. 5.
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Das schildförmige S. . . vm . Bvdolfi De Hvrnhaimvom nämlichen Jahre 1239 enthält eine Gans.
Hermannus de Hurnheim dictus de Haheltingensiegelt 1271 mit einem Hirschgeweih, welchesspäter als eigentliches Geschlechtswappen der v. Hirn-heim gilt. Von Hermann v. H, werden in der Urkundevon 1271 genannt: Rudolfus senior paternus (wohlpatruus) meus de alto Castro, welcher in seinem•Siegel die drei Hachein führt, und RudolfusdeKazenstein, fllius quondam Rudolfi, fratris meipie memorie. Dieser letztere führt in seinem Schildeeine Gans. Denselben Wappenvogel führen 1291 imSchild und auf dem Helm: Ulricus et Hermannus nobilesde Katzenstein 1 ). —
In einer, mir nur in Uebersetzung bekannten Ur-kunde 2 ) des Herzogs Otto von Heran d. d. Lichtenfels25. Aug. 1244 erscheinen Eberhard Fortsch von Thurnauund dessen Sohn Albrecht von Wallenroth. Die Förtschv. Thurnau und die v. Wallenroth führen bekanntlichganz verschiedene Wappen. —
Zwei nahe verwandte Persönlichkeiten aus demStamme der Küchenmeister von Rothenburg (a. T.)führen um die Mitte des 13. Jahrhunderts ganz ver-schiedene Wappen:
No. 303. No. 304.
Den Schild No. 303 führt 1251 Luipoldus junior deRotenburg, den Schild No. 304 ein anderer 1260 - 80urkundlich vorkommender Lupoldus de Rotenburg imSiegel. Später kommt lediglich ein Heroldsbild alsWappen des Geschlechtes vor. —
Hermann von Vippach (bei Weimar) führt 1250einen „in sechs Quadrate getheilten" Schild. DessenBruder Dietrich mit dem Beinamen Löwenhaupt führte1235 — 66 einen Löwen 3 ).
Uebrigens kommen auch bei den Descendenten einesRitters, der unbezweifelt im Besitze eines Wappenswar, verschiedene Wappen vor.
Die Gebrüder Otto und Konrad, genannt KalbHerren von Crumbach siegeln 1245 gemeinschaftlichmit einem Siegel, dessen Umschrift auf einen AdvocatusHenricus lautet. Dies ist vermuthlich das Siegel ihresVaters, der Vogt des Klosters Höchst war und vor 1219starb. Das Siegel ist schildförmig mit oben abgerundetenEcken und zeigt in der vorderen Hälfte (die Spaltungs-linie ist nicht mehr sichtbar) einen halben Adler, hinteneinen quergestellten Schachsparreu.
Ein jüngerer Brüder der Obigen, Rudolf Herr vonCrumbach, den Dr, Frh. Schenk zu Schweinsberg *) für denStammvater der Odenwälder Herren von Rodeustemhält, siegelt 1245 mit einem gespaltenen und zweimal(dreifach) quergetheilten Schild. Ganz dieselbe Schildes-
1) archivalisches Material.
2) Oetter, 2. Versuch einer Geschichte der Burg-grafen von Nürnberg S. 163.
3) Correspondenzbl. d. Gesammtvereins 1861. b. ^4.
4) Corresvondenzblatt des Gesammtvereins (Darm-stadt) 1874. No. 8. — Die Abbildungen Ebenda 1875Beijage zu No. 6.
theilnng zeigt bekanntlich das Wappen der Herrenv. Rodenstein —
Die Familie von Neuenmarkt (Neumarkt, Oberpfalz)theilte sich Ende des 13. Jahrh. in verschiedene Zweige:von Neuenmarkt, Muffel, Schmid von Pfaffenhofen, Loter-heck. Die von Neuenmarkt führen einen von R. u. Ggespaltenen Schild, vorn ein s. Fisch, hinten ein tt Löwe.
Je einer Urkunde des Klosters Engelthal d a.1243 sind Marquardns buttigularius apud Norinberc,Henricus filius ejus dictus Faber als Zeugen auf-geführt. Herr Marquard war nach seinem Siegel einMitglied (vermuthlich der ältest bekannte Stammherr)der von Neuenmarkt. An einer Urkunde vom J. 1338,ausgestellt von „Rudger dem Smid, dem Ritter vonPfaffenhofen" und "Marquard dem Smit dem Ritter",hängen zwei Siegel: 1) S. Rvgeri Fabri . . . nhoven,enthält den Löwen und Fisch 2) S. Marcardi Fabrienthält einen quergetheilten Schild.
In einer Urkunde vom J. 1322 erscheint als Zeuge:Her Chunrat von Loterpach der hern Marquardssun ist von dem Nuenmarkt". Wilhelm undHeinrich Loterbeck, Söhne dieses Conrad, führen 1373einen Schild mit einem wachsenden Einhorn. —
Durch den simultanen Gebrauch von Wappenthierund Heroldsbild, durch willkürliche Abweichungen inder sphragistisc he n An wen düng derselben, wirddas Recht der Wappenvererbung nicht berührt.Ich habe bereits oben (S. 78) Andeutungen über diesenbisher dunklen Punkt gegeben und will nun einigeweitere Fälle dieser Art mittheilen.
Da die Heroldsbilder später zum Wappen werden,als die Tbiere und gemeinen Figuren (vergl S. 169), sosetzt auch ihre Vererhlichkeit um beiläufig 20—30 Jahrespäter ein. Ich verweise in dieser Beziehung auf dieGeschichte des Wappens der Grafen von Reichenhachnnd Ziegenhain.
Der allgemeine Satz ist noch vorauszustellen, dassdie Heroldsbilder in der Regel ihre eigene, den Farbendes Wappenthieres und des Schildes nicht entlehnteFarbe haben').
Die Veränderung des bereits bestehenden Herolds-bildes in Folge einer Linienabweigung ist einer Wappen-änderung vollkommen gleich zu achten. (Vergl. denFall der Herren von Isenburg-Limburg). —
Der Stamm des Grafen von Ziegenhain theilte sichEnde des zwölften Jahrhunderts in zwei Linien, vondenen die zweite sich von Reichenbach benannteund (wahrscheinlich gezwungen) ihren unmittelbarenBesitz von den Landgrafen von Thüringen zu Lehennahm. Beide Linien führten dasselbe Wappen-thier, den Adler mit Ziegenkopf, jedoch verschiedeneHeroldsbilder, eine mit der Geschichte der letzterenvollkommen in Einklang stehende Erscheinung Derzwischen 1234 — 1273 urkundlich vorkommende • GrafGottfried von Reichenbach (Sohn eines GrafenHeinrich) führt das unter No. 305 folgende Siegel.
Der Ziegenadler trägt auf der Brust einen mit vierSpitzen quergetheilten Schild.
Von der Ziegenhainer Hauptlinie treten von 1229,hezw. 1238 an die Gebrüder Gottfried und Bertholdauf, von denen der erstere die mit seinem Enkel Engel-bert wieder erloschene erste Niddaer Linie bildete.Engelberts einzige Tochter Luckarte wurde 1311 mitdem Grafen Johann v. Ziegenhain vermählt, welcher
5) Das Heroldsbild der Herren von Hohenlohe, dasnur durch den Wappenreim des Conrad von Mure derKenntuiss der Gegenwart erhalten geblieben ist, wirdin der Urkunde von 1240 ausdrücklich als neu be-zeichnet (handeriam novam). Die Farben von Schildund Fahne stimmen in diesem Falle tiberein.