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Geschichte der Heraldik. IL 5
V. Abschnitt.Das Wappenrecht*
1. Capitel.Zeitpunkt der Wannen-Erblichkeit.
Der Zeitpunkt, in welchem die Wappen erblichwurden, lässt sich mit Hülfe der Genealogie und derGeschiente einzelner Familienwappen ziemlich genaubestimmen. Wir machen nämlich die Wahrnehmungdass verschiedene Linien eines Geschlechtes, welche sichvor etwa 1170 getrennt haben, in der Regel verschie-dene Wappen führen. Hat die Trennung späterstattgefunden, so führen die Linien in der Regeldasselbe Wappen.
Indess bestand ein Zwang weder in der einen nochin der anderen Richtung. Es kam lediglich darauf an,wie die Familien oder die betheiligten Linien selbst dieWappenfrage ordneten.
Ein hierhergehöriges Beispiel, betreffend die Ab-kömmlinge des Grafen Adolf IV. von Berg (f nach1159) werde ich eines anderen Zusammenhanges wegen ineinem der folgenden Capitel (S. 241) eingehend behandeln.
Emich I. Graf im Nahegau (lebt noch 1108) istdurch seine Söhne:
Emich II. Stammvater der Wild- und Raugrafen.
Gerlach I. (seit 1112 vorkommend) Stammvater derGrafen von Veldenz.
Emich IL hatte zwei Söhne, den Wildgrafen Con-rad und den Raugrafen Emich, die 1161 als Brüder be-zeichnet werden.
Die Wildgrafen führten im Schilde drei (2, 1) gol-dene Löwen in Roth, — von den Raugrafen kennen wirdas Wappenthier nicht, ihr Heroldsbild ist ein weiss-roth gespaltener Schild.
Die Grafen von Veldenz führten einen blauen Lö-wen in Silber.
Dieses Zusammentreffen kann nicht auffallen, —gerade am Mittel- und Unterrbein ist der Löwe dasbeliebteste Wappenthier der grossen Geschlechter. 8chondie Farben weisen darauf hin, dass die Wahl des Wap-pens in den stammverwandten Geschlechtern eine voll-kommen selbstständige war. —
Konrad der Grosse Graf von Wettin geb. 1098,1127 Markgraf von Meissen, 1156 Mönch auf Peters-bei Halle, f 1156, ist der Stammvater dreier Linien:Meissen, Wettin und Brena
Die Entwicklung des Wappens in der Linie desMargrafen Otto von Meissen, haben wir bereits obenS. 78 behandelt.
Da die Trennung der Linien zu einer Zeit statt-fand, wo es noch keine erblichen Wappen gab, so sehenwir die Desceudenz des jüngsten Sohnes Friedrich Gra-fen von Brena (reg. 1156—li82) ein ganz anderes Wap-pen führen, wie die Markgrafen v. Meissen.
Sein Sohn, Graf Friedrich IL (f 1221 in Syrien)führte ein rundes Siegel (z. B. 1208 u. 1214 vorkom-mend) mit einem Greifen im Siegelfelde. 1 ;
1) Bohenloke, sphrap. Aphorismen No. 158. DerStempel dieses Siegels ist noch vorhanden, wird jedochvon namhaften Sachkennern z. B. Warnecke, Hilde-brandt für gefälscht gehalten.
Dessen Söhne Otto und Dietrich führten nach demDobriluqer Copialbuch'^) ein gemeinschaftliches SiegelIII. B. 2. a. Das Zeichen des Schildes sind drei (2, 1)Seeblätter
Nach dem Tode seines Bruders Otto (f 1225) führtDietrich ein besonderes Siegel 111 B 3, welches das ge-nannte Copialbuch zuerst unter dem J. 1240 erwähnt.Der Schild enthält die drei Seeblätter; der Helm istohne Zier 3 ).
Von dem letzten Grafen von Brena, Otto III(t 1290) beschreibt das Dobriluger Copialbuch einSiegel IV C. nach einem Abdrucke von 1285. Der Schildenthält die drei Seeblätter; auf dem Helm stehen dreimit Pfauenfedern besteckte Stangen*). —
Walther von Rotinberg und Honegg (Hohenegg)hat zwei Söhne, die im J. 1166 vorkommen: Adilbertund Walter von Rotinberg. Des Ersteren Söhne sind(1171 und in den folgenden Jahren': Bertholdus de Truch-burg (Trauchburg) und Henricus de Hohinegge.
Dieses Geschlecht hatte sich also, wie wir sehen,bereits 1171 in drei verschiedene Linien: Röten berg,Hoheneg nnd Trauchburg getheilt. Es ist dem-nach selbstverständlich, dass alle drei Familien je mitbesonderen Wappen auftreten. Die von Roetenbergführten in Gelb einen schwebenden rothen Zwölfberg(Z. W. R. 152),
Die von Hohenegg in Gelb einen JJ Stierrumpf.(Z. W. R. 169).
Berthold von Trauchburg führt in seinem schild-förmigen Siegel von 1228 drei Flügel übereinander 5 ).
Diese Erscheinung wiederholt sich inder ersten Hälfte des 13. Jahrhun derts hin-sichtlich der zum 6. Heerschild gehörendenGeschlechter, deren Mehrzahl erst zu dieser Zeitsich mit Sonderwappen versah.
So dürfte sich die Wappenverschiedenheit bei demGeschlechte der Herren v. Hirn heim im Riess erklären.
Albertus de Hurnheim führt in seinem Siegel (aneiner Urkunde des Jahres 1239 für das Kloster Kais-heim drei (2, 1) Hachein oder Kesselhaken.
2) Der Compilator desselben beschreibt das Siegelwie folgt:
„Sigillum de cera viridi monstrat ymaginem viristantis armati circum amicti quasi pallio superarma habetque vir ille clipeum cum tribus foliislacualibus in sinistra et in dextra tenet lanceain,cui infixum est vexillum pendens de orsum et esttalis circumscriptio: Sigillum Ottonis et TheodericiComitum de Brene."
3) Abgebildet bei Scheidt, mantissa S. 419 nacheinem Abdrucke von 1266.
4) Die Beschreibung lautet: „In sigillo in hocprivilegio pendente expressus est clipeus cum tribusfoliis lacualibus et super clipeum galea, in cujus conostant tres ligature de pennis pauonum, ut apparet ethie ejus titulus: Sigillum Ottonis dei gratia comitis inBren."
5) Hohenlohe, sprag. Aphorismen S. 108.