Geschichte der Heraldik. II. 4.
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Swa er dar under auf dem wal
Habt, so fliuget im nah ze tal
Ein kursit von siden lanch
Ein collir wiss vnde Manch
Ist für den heim geruccht
Den schilt hat er gedrucchet
Vaste auf di brüst
Und chumt gehauwen zu der tjust
Under siner banier wit erchant:
Er ist von Waise genant.
Ulrich der vollechomen Degen
Gott geh im sinen edlen segen
Durch sin hohe werdicheit
Sint er fron Eren chrone treit.Den in der Heroldsdichtung sonst nicht vorkom-menden Kunstausdruck hantschmänt (hachement)V. 296 erklärt Freih. v. Liliencron. nicht zutreffendals Helmdecke. Hierselein sagt ganz deutlich: „Ihredlen Frauen, hättet Ihr sein „Hantschmänt" gesehen;Ihr hättet gestehen müssen, dass nie ein Helm zweischwarze Flügel von so reicher Ausstattung getragenhabe." Hantschmänt ist also der Helmschmuck.
In ihrer höchsten Vollendung tritt uns die Kunst-sprache in den Liedern Suchenwirts entgegen, von denenuns erfreulicher Weise eine erhebliche Menge überliefertworden ist.
Selbstverständlich kennt Suchenwirt nur den drei-eckigen Schild; der obere Rand ist der ort, das ent-gegengesetzte Ende der spitz:
von tzobel hat dar in ein wurm
den badel in den spitz gepogen.Das Feld eines getheilten Schildes heisst part, da-von partiren, theilen.
Die senkrechte Section heisst planchweispartiren
den schilt man sieht getziret
in planchweis gleich partiretDie Quertheilung heisst parraweiz partiren.In derselben Weise wird die Stellung der Wappen-bilder angegeben.
Ein senkrecht gestellter i) Krebs wird blasonirt:
der schilt der gab von golde schein
dor in man sach durch preises hört
in blankweis chrichen gen dem ort
ein krebzen gleich dem zobl var.Statt planchweis sagt er auch in plankh
darin in plankh von golde
ein hawen man geeziret sach.Die wagrechte Stellung der Bilder wird durch parra-weis gegeben:
drey leon, die so vraidiklich
sahen gen der veinde tyust
in parraweis vor seiner prnst.Drei quer aneinander gereihte Wecken blasonirtSuchenwirt :
der ruten glast ich meret
mit perlein vein getziret gar
di man ee sach von silber var
in parraweis di dreye.Ein senk- und wagrecht in vier Theile getheilterSchild ist quartiret:
1) Der Herausgeber des Suchenwirt (Primisser) hatdas planchweis durchweg als blankweiss, silberweissgedeutet. Nicht einmal bei dem Wappen Krebsbeck,w o die richtige Deutung mit Händen zu greifen ist,wurde er seinen Irrthum gewahr. Vielleicht hat ihndas Wappen Stadeck irre gemacht, wo das supponirteblankweiss zufällig mit der Farbe des Wappentieresübereinkommt.
der schilt der was quartiret rein
tzway quartier klar von perlen veindy ander tzway nach tzobel var.Das Wappen der v. Ellerbach — von Gold undGrün quadrirt — beschreibt Suchenwirt
der schilt gab zwayer varbe scheingar maisterlich quartieretdaz golt smaragden zieret.Den Balken nennt Suchenwirt p a r oder v a s c h(von fascia, fasce, Binde), doch fügt er zur genauerenBestimmung noch in parraweis hinzu,in den rubeinen reichenlag ein par in parrweis.Da parrweis von par abgeleitet ist, so liegt in die-sem Ausdruck sicherlich ein Pleonasmus.Ferner:
dar inn ein vasch getzieret lagin parraweis von perlin vyn.Ein Merkmal heroldsmässiger Wappenbeschreibungbildet die Genauigkeit bei der Blasonirung der Neben-theile gewisser Wappenthiere. Suchenwirt berücksich-tigt diese fast ohne Ausnahme mit peinlicher Sorgfalt.Den Straussenhals auf dem Helm des Königs Lud-wig von Ungarn beschreibt er:
Den strauzzen hals hermleinensein äugen von rubeinengleisten gen der veinde schar;der s n a b e 1 ist von golde gar,dar inn er fürt ze preisengestalt, als ein hufeysengepogen chlar von golde veingechrönet ist daz hawbet seinmit golde reich.Im Schilde des Herrn Herdegen v. Petaw sehen wireinen Wurm von Zobel mit einer Zunge von Rubin,dagegen:
sein äugen zornichlichen sehenund geben nach dem Schilde glast,d. h die Augen sind, wie der Schild, von Gold.
Leutolt v. Stadeck führt in Rubin einen Löwen vonPerlen
tzung, tzend und chlaw von golde chlar.Friedrich von Lochen führt auf dem Helm einenSchwanenhals von Perlen:
ueber den hals so waz ein rantnach zobelvar gestekchetvon hannveder gerekchet.Des swannen äugen gaben scheinin rechter rot als zwen rubeindie plikchten gen der veinde schar;der snabel was von golde chlar.Enthält der Schild eine unbestimmte Zahl von Fi-guren, so sind dieselben gestreut, wie im Wappendes Königs Ludwig von Ungarn
die ander part ist hymel pladar auf reichlich getziret dasind lilygen reich von gold erhabengestrewt, die dikhe stewer gaben.Dagegen beschreibt Suchenwirl einen Schild mitdrei (2, 1) Sternen
darin drey stern von golde chlargen y e d e m ort geyt ayner glitzder dritt gesenchet gen dem spitz.Bei der Bezeichnung der Lage oder Stellung einesWappenbildes bedient man sich eines eigenen Kunst-ausdruckes: das Thier ist so und so gestreckt.z. B. der Krebs auf dem Helm der Krebsbecken:al sust was er gestrechet reinals er tzu tal nach preises gnftkern geschozzen durch den luft.