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Geschichte der Heraldik. II. 4.
Der Dichter i) des Rein f ried von Braunschweigbietet — Conrad v. Würzburg gegenüber — wenigNeues.
Gerade in den einfachsten Schiidtheilungen zeigtder Dichter eine gewisse Schwerfälligkeit. Die senk-rechte Theilung beschreibt er z. B. V. 832man sach daz in die schiltegeteilet wären in zwei vach,von obene dur des randes tachgehalbirt dur den spizEinen mit drei Rosen belegten Pfahl — das Wap-pen des Parlüs von Wintsester - beschreibt der Dichterdes Beinfried1510 sin wäfenkleit, als ich ez las,schein röt von rubinen,und sach man verre schinendar üz ab des schiltes tachvon golde ein strimel, diu brach1515 von obnen ab unz in den spizund gäben dar üz liehten glizvon zobel richer rösen dri.
2. Zeitraum.
Die Heroldsdichtung des 14. Jahrhunderts unter-scheidet sich von derjenigen des 13 Jahrhunderts durcheinen sehr wesentlichen Umstand: sie beschreibt nichtSchild und Helm einer einzelnen Person nach der un-mittelbaren Anschauung, nicht mehr das Werkdes Schilders, sondern das abstracteFamilien-wappen. Ueber die Beschaffenheit der Schilde, dieStoffe aus denen das Wappenbild hergestellt ist, erhal-ten wir jetzt keine Auskunft mehr. Das ganze Bestre-ben der Wappendichter geht auf die zierliche, kunst-mässige Beschreibung, die geschickte Handhabung derKunstsprache. Suchenwirt sagt in einem Falle , wo ersich die zierliche Kunstsprache nicht gestatten zu dürfenglaubt:
e
der wappen darf ich plumen nicht
die waren chlagbere.Ein sehr wesentlicher Unterschied besteht aber auchgegenüber der späteren Kunstsprache. Während dieletztere die Wappen so auffasst, wie sie ihr in der Ma-lerei, auf dem Papier entgegentreten, hat die Herolds-sprache des 14. Jahrhunderts das Wappen so vor sich,wie es in Heerfahrt und Turnei auf dem Kampfschildund dem wirklichen Helm getragen wurde.
Ein evidentes Beispiel will ich hier vorwegnehmen.Suchenwirt beschreibt den Helmschmuck des BurggrafenAlbrecht von Nürnberg, das Brackenhaupt. Wenn wirdasselbe z. B. nach der Züricher Bolle blasoniren, sosagen wir: ein goldenes Brackenhaupt mit rothem Ohre.Suchenwirt aber, welcher sich den Helmschmuck in na-tura vorstellt, sagt:
Von golde reich ein praken haubt
sach man darob erscheinen
tzway orn von rubeinen.Eine Epoche der Wappendichtung bezeichnet insehr markanter Weise ein Lied des Wappenknaben
1) Da der Dichter nach Karl Bartsch ein Schweizergewesen ist und Konrad v. Würzburg in der Schweizseinen Lebenslauf beschlossen hat, so wäre es nicht un-möglich, dass der unbekannte Verfasser des Eeinfriedein Schüler des Meisters Konrad gewesen ist Aber zuverwechseln sind die Arbeiten dieser beiden Dichternicht. Gerade in der Mache der Wappen-Prüfung unter-scheiden sie sich so wesentlich, dass mit der grössteuBestimmtheit behauptet werden kann, der Verfasser desReinfried habe nicht den geringsten Antheil an der Be-arbeitung des Turnei «. Nantheiz.
Hierselein von ca. 1320. Wir besitzen von diesem He-roldsdichter leider nur zwei Wappenbeschreibungen, dieaber genugsam darthun, wie sehr schon in der damali-gen Heroldssprache die wälschen Kunstausdrücke über-wuchern. Diese französische Politur der Kunstspracheblieb in Oesterreich bis zur Zeit des Kaisers Fried-rich III. herrschend und sie blieb fortan das eigent-lichste Kennzeichen heroldsmässiger Wap-penbeschreibung.
Ich rücke die erwähnten Wappenbeschreibungen des
Hierselein in ihrem Wortlaute hier ein und bemerke, dass
die verschiedenen Stellen, wo das ganze Gedicht
abgedruckt ist, bereits oben verzeichnet worden sind ').
Herzog Heinrich von Kärnthen.
144 Ze Paris auf pytipont
Wart tecche und wapenrocch berait
Dem fürsten durch sein werdichait.
Schilt vnd banir sin was gelich
Geteilet halp von Oesterrich
Das ander gar von golde150 Nach werder wibe solde
Dar auz drei lewen geben glast
Von choczer siden swarcz gebast.
Widersehende ob einander
Der kunig Alexander155 Het si mit eren wol gefürt!
e
Sust chom der fürst dort her geruert
Sin heim der gab vil liehten schin:
Zwen swarcze flügel cherubin
Der engel het dar auf gedent160 Mit guldein leubern rieh verwennt
Geblasunniert fuer der den heim.Ulrich v. Waise
Die ich hörte chunden270 Mit manign spähen fluiden
Sine hohen werdichait!
die einiu sprach: „wis uns berait
Und sag uns lieber Hirzelin
Wie sin wapen müge sin275 Daz well wir nän von siden
Dar vnder er chan liden.
Groze not vnd arbeit.
Hirzelin Munt daz si geseit
Dir vnd aller varnden Diet.280 Di er mit willen ie beriet."
Ich sprach: vrowe ein saphir rieh.
Von der Poy") der schilt ist glich.
Dardurch ein strich geit riehen glast
Von wasserperlin drin gepast;285 Des selben ist teche vnd wapenroch
Dar under er manich rieh gezog
Hat getan ze velde
Ich wän, daz in der werlde
Chain watschilir lebe me290 Der Hb und guet tue so we
Und si an muet so vollechomen.
Ich han in sper sehen zedromen
Dy chauf über podemse
Ein hob porte trueg oder me.295 Ir edeln frowen het ir gesehen
Sein hantschmant ir muest iehen
Daz auf heim nie wurd gedent
Zwen praune flugel so rieh verwent.
Dar durch ein bar tiuwer rieh,300 di sint dem schilt wol gelich.
2) vergl. S. 80.
3) von der Poy bezeichnet die Bezugsquelle desEdelsteins. Ganz ähnlich sagt Suchenwirt
gestain reicli von Orient
und von der Pey im hat gesent etc. etc.