Geschichte der Heraldik. II. 4.
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10900 Die plagen einer banier liehtOuch sol ich vergezzen niehtlehn sagiu, wie die gepruevet siEin roter pfelle von ArabiDar in ein rat von NiniveEines pfelles gruen alsam ein kledagegen:8856 Die vart ich niht geprueven kanSo wol als si geschichet was.Wolfram v. Eschenbach sagt im Willehalm (1215)816,18 nu wolt si aber alleRennwart umbegähen20 die verren und die nähendort ein storje. d' andern hieer wolte prüeven dise unt dieschilde und ir baniere baz,unz er der Stangen aber vergaz.ferner im Parcival:3, 25 Solt ich nu wip unde man
ze rehte prüeven als ich kannda füere ein langez maere mite.In der Rabenscklacht heisst es von Herzog Stritger■von Gruenlande:
498 sin vane was gepruoft von liehtem golde.Ferner in Alpharts Tod um 1300:192
dö sprach der keiser küene „16t beliben disen
schalnoch sage mir werder recke, wer was derselbe
man ?„her, d az wäpen ich brüeve nach dem undi c h z gesehen h ä n.Der Pleicr sagt im Meleranz (ca. 126-J):6974 sin schilt was kostliche
gebrüevet äne missewende.Dann in Bezug auf eine Pferdedecke9269 harmin arm die wären wiz
die warn dar üf mit grözem vlizgebrüevet und gemeistert dar.Bei Conrad v. Würzburg {Turnei von Nantheiz)erscheint das Verbuni mit einer fremdartigen Endungund recht eigentlich als Kunstwort für das Wappen-beschreiben :952 ein knappe von den wäpen reitdes mäles dö kroyierendeund manigen schilt bruevierende 1 )Eine bereits citirte Stelle im Jüngeren Titurel des■Albrecht v. Scharffenberg (eines Zeitgenossen Conradsvon Würzburg) lautet:
1829 waz die andern fueren uf lielme nnd uf Schildendaz pruefen, die der wappenroecke warten.In der Virginal des Albrecht von Kemenaten heisst« a ebenfalls :'047 der wäfen knaben kriren so
und ouch die vürsten pri evie r t e n t do.Zuletzt habe ich das Kunstwort bei Ottocar Hörn-e °h (t um 1320i gefunden. Derselbe sagt bei Erwähn-ung eines Krieges zwischen Frankreich und Spanien,er wäre gerne bereit den Wappenschmuck der Kriegerz u beschreiben:
solt ich daz pruefen sunderlichdaz tet ich werleichDoch habe er selbst hierüber keine glaubhafte Kunde«hallen.
2. Visieren. Blasonieren.
.. Im 14. Jahrhundert machte sich in der deutschenHeroJdgprache ein französischer EinfluKS geltend, der
. 1) Uebrigens sagt schon Gottfried v. Stassburg V.4J75 geprüevieren.
allerdings auf ein bescheidenes Mass, nämlich auf dasEntlehnen wälscher Kunstwörter beschränkt blieb. Vorallem ist es die eigentliche Thätigkeit der Herolde, dieHandhabung der Kunstsprache, welche sich diese Wi-dertaufe gefallen lassen musste. Das Verbum visie-ren scheint zuerst reeipirt worden zu sein; wenigstensfinde ich das daraus abgeleitete Substantivum visa-ment schon im Reinfried v Rr aunsch w eig, dermeines Erachtens eher im letzten Decennium des13. Jahrb. als nach 1300 gedichtet ist In der Dicht-ung ist in der Regel das deutsche Kunstwort prüfenverwendet:1480 sin künecliches wäfencleit
swer daz pruefen welleferner17182 ob ich reht geprueven kan
die kostelichen stiureDer Dichter sagt aber auch:
der wafeu v i s a m e n t e -';17055 ist mir leider wilde
daz ich ir beider bilde
künn ritterlich florieren
und under lielme zieren
nach dein t als si lue fuoren17060 ir beider sinne swuoren
niht wan üf ritterliche tat.Unzweifelhaft stammt das Wort vom französischenviser, ins Auge fassen.
Etwas später taucht das Kunstwort blasonieren[blasunnieren, blasnieren] auf, und zwar genau in derdoppelten Bedeutung des deutschen prüfen.Der Wappenknabe Hierselein sagt ca. 18201G0 Alit guidein lenbern rieh verwennt
gebl asun niert frier der den heim.Peter Suchenwirt (also 2. Hälfte des 14. Jahrb.)beginnt die meisten Wappenbeschreibungen in folgen-der Weise
Des wappen ich vysiren wil.oder
War ich der rechten chunst berait
daz ich der wappen visament
plasmierte.Er gebraucht anderwärts ein bisher nicht üblichesdeutsches Wort:
War ich der einniste nicht tze chranch
ich tat ew seine Wappen chuntoder
Ohund ich nu wol verchünilen
den underscliaid der wappen sein.Die alte Limburger Chronik (ca. 1400) enthält eineBeschreibung des Wappens der Herren von Molsberg,welche eingeleitet wird: „item di blasen! runge vonden wapen von Mulsperg di ist also etc."
Eine alte Nachricht über die Gecken-Gesell-schaft in Cleve (gestiftet 1381) bezeichnet das Or-dens-Abzeichen als „Blasan ost Simbolum" 3 )
In der deutschen Ausfertigung des Freiheitsbriefes,
2) Wenn Dr. Grote (Gesch. d. Wclfischcn Stamm-wappen S. 23) sagt: „Dieser Dichter, dem freilich, wieer selbst gesteht, die H e r al dik fremd ist ..." solegt er die Aussage doch zu buchstäblich ist. Es istgeradezu eine Marotte der Wappendichter jener Zeit,mit Verkleinerung von ihrer Kunst im Visierender Wappen zu reden. Der geschickteste Wappenbe-schreiber jener Zeit, Peter Suchenwirt, beginnt ineisten-theils mit einer solchen Klage, wie wir demnächst sehenwerden.
3) Weddüjen, westfälisches Mayazin Bd. I. Heft 1.S. 14.