Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
218
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

218

Geschichte der Heraldik. II. 4.

Bei Johann Enenkel (f 1250) ist Zimier ein Kunst-wort für den Helmschmuck:

daz daz zimier sol seindas warn zwei hörn hermeinferner

ir zimier von vedern wol beraitHeinrich v. Freiberg's Tristan (ca 1300):2048 sin zimier von dem helme bandferner2108 ieglicher ein zimier

vuorte üf sinem helme.Ulrich von Eschenbach (um 1300):sineu heim sie im ertrahteda sach man gebunden obeneine zimier, diu was ze loben.Heinrich von Neustadt (1312) im Apollonius v. Tyr-land:

Die zimier auf dem heim wasain wider als ich e las.Johannes Victoriensis (um 1340) nennt den Helm-schmuck : galee decus , quod pinn am sive zimeramvel glareotam dicunt.

Der bereits erwähnte Wappen-Dualismus, welcherin der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erkennbarist. lässt sich auch in den damals vorkommenden Be-zeichnungen des Helmschmucks nachweisen.

Heinrich Truchsess v. Diessenhofen 1361: insigniagaleae.

Peter Suchenwirt:

Auch fürt er auf dem heim seinein swann hals von perlein chlar(der wappen sach man nemen war,wo man ritterschaft bechant!)Die in Wappenbriefen des Kaisers Friedrich III.vorkommenden herolds massigen Wappenbeschreib-ungen nennen den Helmschmuck in der Regel Zimier.Die gewöhnliche Formel ist:einen heim verzimertmit . . ."')

Groyr, K rayir.

Die Kunstsprache des Mittelalters verfügt nochüber einen seitdem längst verschollenen Ausdruck,dessen Begriff leider nicht mehr mit voller Sicherheitzu bestimmen ist Die Beziehung zum Wappenwesenist unzweifelhaft, insbesondere scheint der Helmschmuckdamit bezeichnet zu werden.

Ich finde das Wort in der Form creigieren zu-erst im Willehalm des Wolfram v. Eschenbach (1215).

400 von grözer koste zimierde vil25 da fuor in Terrameres schar

maneger slahte kundernach al dem merwunderhetens üf gemachetan koste niht verswachetNach vogelen und nach tieren.

401 maneger slaht creigierensi brähten mit in den stürm.

der truoc den visch, der den wurm,5 üf ir wäppenkleit gesnitn.

diu schar mit kreften kom geritnüf Alischanz dem plane,al die stein gämäne,sint niht so manegen wis gesehen.10 sei mau zimierde inuose jenendie de minne gernden truogenDie Beziehung zum Helmschmuck tritt deutlicherhervor in einigen Stellen des Reinfried v. Braun-schwcifi:

630 Zwei hundert was der ersten schar,schiltknechte, die mit guoten sitenie zwene bi ein ander riten:die fuorten sper und kreiger daDie mit dem Kleinod versehenen Helme wurdenwie wir an anderer Stelle gesehen haben von denSchildknechten auf der Spitze des Speers den Ritternnachgetragen.

Aehnlich ist eine andere Aussage des Dichters:17340 mit des speres spiele

er dem getouften ruorte

daz houbet unde fuorte

die croier an dem schatte dan

vinster wart der Hellte tac17355 in beiden nnder helmewan si von dem melmeein ander lützel sahen.Der Heide hatte wahrscheinlich mit dem Speer denHelmschmuck abgestossen. Dass im croier der Helmselbst nicht inbegriffen ist, zeigen die nachfolgendenVerse 17355 ff.

Hans Vintler (1411) schilt über den Gebrauch, diezu heiligen Handlungen bestimmten Kirchengeräthe mitWappen zu schmücken, überhaupt über das Anbringenvon Wappen in den Kirchen:9656 als umb die schilt und panierund ander wunderleich g r o y rdie da in der chirchen stecketferner:9703 sullen nu pfaffen ain soleich ehr eitragen mit den spilleuten.Balthasar vom Buckel sagt in seiner gereimtenBeschreibung des Zimmern'schen Wappens, gewidmetdem Kreiherrn Johann Wernher v. Zimmern:

Hie leucht schilt und heim und das k rayir.Nach Grünenberg gebraucht die Bezeichnung kroyarfür den Helm. Es heisst z. B. auf Taf. 125b seinesWappenbuches:btefe jroelff fdn'ft fjabent bas Froyar oberben fyelm mit aiuer feber."

Ich bin mit F. Bech"*) vollkommen einverstanden,wenn derselbe sagt:

Das Wort steht offenbar mit kroyieren oder groi-ieren in Zusammenhang und bezeichnet zunächst denSchlachtruf, die Losung, das Erkennungszeichen imKampfe, dann wie hier speziell den Helmschmuck dazzimier üf dem Helme;"

Die Verba prüfen, visieren, blasonieren.

1. Prüfen.

Schon die älteste Literatur bedient sich, wenn auchnicht ausschliesslich so doch vorzugsweise in Be-zug auf den Wappenschmuck des Verbums prü-fen, in der doppelten Bedeutung von zubereiten undbe schreiben.

In der ersteren Bedeutung kommt das Verbum imNibelungenlied vor.

507 er sprach ich wil zerverteniemen inere hau.niwan zwelf gesellenden sol man prüfen watd. h. denen soll man Kleider zuiüsten.

Wirnt v. Grtivenberch um 1212 verwendet das Ver-bum in dem einen und dem anderen Sinne:Erec und sin geselle

1) Vcrgl. weiter unten.

2) Allerhand Vermuthungen und Nachweise. Ger-mania, Neue Folge 10, S. 43.