Geschichte der Heraldik. II. 3.
215
nicht den Farben des Wappenschildes gemäss. Diessspricht deutlich dafür, dass das Kleinod entlehnt ist.
Etwa gleichzeitig trat auch bei der BrauneckerLinie des Hauses Hohenlohe ein Wechsel des Helm-schmucks ein. Noch Gottfried IV, (f 1368) bedientesich 1847 in seinem nachfolgenden Siegel IV. B. 1. des
No. 301.
alten Helmschmucks, der.mit Lindenzweigen bestecktenHomer (zwischen denen der Buchstabe M.)
Sein Sohn Conrad IV. (f 1390) dagegen, der letzteMann der Braunecker Linie, führt 1383 das nachfol-gende Siegel IV. C., zu welchem Albrecht 1 ) bemerkt:
No. 302.
»das Siegel ist leider nicht gut ausgedrückt, wesshalbvon einigen dafür gehalten wurde, der bezeichneteThierhals und Kopf sei der eines Einhorns Nach un-serem Dafürhalten ist aber der Adlertypus nicht zuverkennen". Leider kann ich der Meinung Älbrtchtsnicht beitreten. Das Hörn des Thieres ist nicht zuverkennen; auch das Fehlen der Flügel sprichtgegen die Adlernatur. Unzweifelhaft nachgewiesen istder Einhornkopf durch die hohenlohischen Original-Helmzierden in der Herrgottskirche zu Kreglingen 2 ).
1) Die Hohenlohischen Siegel S. 75.
2) J. H. v. Hefner beschreibt dieselben {TrachtenII, 96) wie folgt: „Der Stechhelm in de/ Mitte ist vonin Oel gesottenem und gepresstem Leder leicht undzierlich gearbeitet, nur die Fassung des Augenschlitzessowie die Spangen vor demselben sind von Metall. DieHelmzierde darauf, welche aus dem Kopfe eines ge-krönten Einhorns besteht, ist ebenfalls von gepresstemLeder. Im Innern hat sie ein eisernes Stäbchen, wel-kes den Kopf aufrecht erhält. Die Krone ist durchdie Zeit sehr verbogen und verdorben. Auf den Schildenz n beiden Seiten stehen dieselben Helmzierden, jedoch°nne Helm; sie sind durch die Zeit sehr zusammenge-schrumpft und niedergebogen."
Der verewigte Fürst F. K. v. Hohenlohe schriebim Archiv f. Hohenlohüche Geschichte I. S. 296 ff.:
„Es sind diess die Wappen der drei letzten Bräun-te, der Gebrüder Conrad IV., Gottfried ff 1390 ™dandres von Haltenbergstetten f 1391. Hieraus erklärtsich auch der Umstand, dass nur das mittlere WappenConrads einen Helm hat, auf den Wappen der beidengeistlichen Herren aber der Helmschmuck unmittelbar*Of dem Wappenschilde aufsteht."~ »Die drei letzten Braunecke sollen die Erbauer der~ r egünger Herrgotts - Kirche gewesen sein, welche vonConrad von Weinsberg und seiner Gemahlin Anna von
Während in oben angedeuteter Weise die Helm-kleinode dem Kübelhelm angepasst wurden, bereitetesich schon eine Sonderung des Kriegshelmes von demWappenhelme vor. Der Kübelhelm war der letzte wap-penmässige Helm, der anfänglich noch als Kriegshelmbenutzt wurde, auf den sich dann die Helmheraldik ab-lagerte, um mit dem Kübelhelm für immer aus demHeerwesen zu verschwinden.
Im Balduineum, welches bekanntlich in Bilderneines zeitgenössischen Malers die Romfahrt des KaisersHeinrich VII. schildert, tragen die Ritter im friedlichenZuge die Beckenhaube. Dagegen herrscht bei allenBildern, welche Kämpfe darstellen, der Kübelhelmmit Scharnier-Visier vor. Im Kampfe tragen je-doch die Ritter kein Kleinod. Das Balduineumbringt aber auch eine Scene aus dem Turnier zu Pisa:das Stechen zwischen einem Grafen von Flandern undeinem Herrn von Moncornet. Beide tragen einen Kübel-helm, mit einem (das Wappenbild wiederholenden) Schirm-brett besteckt.
Der Maler des Balduineums arbeitete nach denpersönlichen Eindrücken, die er gewonnen hatte; erwürde wenigstens hie und da, bei einfacheren Scenen,wo ihm der nöthige Raum zur Verfügung stand, dieStechhelme mit dem zugehörigen Schmuck versehenhaben. Sind seine Darstellungen doch so genau, dassman die einzelnen Theilnehmer der Gefechte an denWappenschilden erkennen kann! Es scheint mir daherunzweifelhaft zu sein, dass auf jener Romfahrt keinRitter im ernstlichen Kampfe ein Kleinod trug, wasdurch die oben hervorgehobenen technischen Schwierig-keiten gerade bei der im Balduineum vorkommendenForm des Kübelhelms zum Theil erklärt wird.
Wir sehen im Weiteren immer deutlicher, wie derKübelhelm vom Streithelm zum Schauhelm wird. AufGrabmälern und anderen Darstellungen von Kriegernsehen wir diese mit der Beckenhaube gerüstet, wäh-rend sie auf der Schulter oder dem Arme den Kübel-helm mit Kleinod tragen oder ihn gleichsam als Ruhe-punkt für den Kopf benutzen.
In dem städtischen Museum zu Mainz sieht man(wie Fürst Hohenlohe mittheilt 3 )) die RelieffigurenKaiser Ludwig's des Bayern und der sieben Kurfürsten.Dieselben befanden sich in den Zinnen des zwischen1314 und 1317 erbauten (und im J. 1812 zerstörten)Kaufhauses daselbst. Sämmtliche Figuren sind in vollerRüstung dargestellt; der Kaiser trägt die Kroneüber der Beckenhaube, die Kurfürsten alledas Bassin et ohne weiteren Schmuck. Sämmt-liche Figuren haben hinter sich einen verhält-nissmässig grossen Helm mit den betreffen-den Zierden; der Kaiser einen gekrönten Helm mitBüffelhörnern; die Kurfürsten von Cöln und Trier habenals Helmschmuck Infuln, auf welchen die Wappen derErzstifte in kleinen Schilden angebracht sind, der Chur-fürst von Mainz ein Rad.
Auf einem Glasgemälde zu St. Erhard in der Brei-tenau in Steiermark erscheint Herzog Alb recht III.von Oesterreich genannt mit dem Zopfe (1365 —1395).
Der Herzog trägt eine Beckenhaube mit Hals-brünne auf dem Haupte, selbstverständlich ohne jeden
Hohenlohe, Wittwe des oben genannten Conrad IV.vollendet wurde."
Ich habe schon oben (S. 94) die Ansicht vertreten,dass die Kreglinger Schilde und Helme Eigenthum einerund derselben Persönlichkeit gewesen seien und zwarConrad IV., des einzigen weltlichen Herrn unter denoben genannten Brüdern.
3) Im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit1865 S. 7.