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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 3.

No. 298.

geleistet, welche bisher mit einer umfangreichen Gruppevon Kleinoden, nämlich alten seitlich augebrachten Fi-gurenpaaren nicht zu verbinden war. Mit dem äusser-lichen, zwingenden Beweggründe vereinigte sich wiedereinmal die allmächtige Willkür der Mode zur Herbei-führung zahlloser Neuerungen.

Dieser Verbindung der Helmkrone mit dem Kübel-helra wird es zuzuschreiben sein, dass der letztere mitdem technischen Ausdrucke gekrönter Helm be-zeichnet wird. Nur in Verbindung mit dem Kü-belhelm verliert die Krone ihren Werth alsRangabzeichen, während sie auf der nicht wappeu-mässigen Beckenhaube nur von Königen getragen wird.

In der Berliner Handschrift des Rosengarten (14.Jahrh.) heisst es:

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Do hies er ime zu de stade schief bereide genug

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Darin trat v' meslich manig Ritt' klugMit sime gecronete hei nie gar frislich au der

stunt.

Kaiser Karl IV. spricht 1349 von den 50 gekrön-ten Helmen, die der Bischof von Speyer als Reichs-contingent gestellt habe ')

Conrad und Hartmann v. Burgau (Vater un dSohn),Hans Marschall v. Boxberg und Gerlach v. Weizzingenstellen 1365 für sich und ihre Gesellender mit unshundert gekrönter Helm ist und ein Helm" einenDienstrevers aus. Ein Jeder soll dienen und helfen miteinem gekrönten Helm der selbdritt mit dreienpferden varen soll" 2 ).

Die ererbten Helmkleinode, welche dem verändertenBedürfnisse nicht angepasst werden konnten, wurdendurch neuen Schmuck ersetzt, namentlich mit Vorliebedurch Rumpffiguren von Menschen und Thieren, dieebenso leicht zu befestigen als mit der Helmkrone zuverbinden waren.

Herzog Heinrich von Kärnthen und Graf von Tyrol(f 1335), der anfänglich sich des böhmischen Helmklei-nods bedient hatte, führte nach Peter Suchenwirt (aufdem Kübelhelme, wie sich ergänzen lässt) ein den SchildKärnthen wiederholendes Schirmbrett:

Auf dem heim ein chostleich sachEin rundel, dem man wirde iachNach dem schilt getzieret schonDaz im di minne dik zu IonFlorierte mit ir weizzen haut.

Nachdem der Markgraf Rudolf IV. der Wecker vonBaden in seinem Siegel von 1300 den alten Helm-schmuck : zwei einwärts gebogene, mit Lindenzweigenbesteckte Stierhörner geführt hatte, treten dessenSöhne Friedrich III. (f 1353) und Rudolf V. derWecker (f 1361) in ihren Helmsiegeln mit einem neuenKleinod, zwei auswärts gebogenen Steiabockshör-nern, auf.

Die Landgrafen von Leuchtenberg führten auf ihremHelme ursprünglich zwei Flügel (Reitersiegel des Land-grafen Gebhard vom ,1. 1255). Landgraf Johann I.führt auf seinem Siegel mit der Jahreszahl 1368 einenMenschen-Rumpf mit hohem Hut bedeckt.

Graf Rudolf der Jüngere von Wertheim heirathete1321 Elisabeth, Erbtochter von Breuberg, und bekam1330 ein Viertel der Herrschaft Wertheim. Der ältesteSohn aus dieser Ehe erhielt den Namen seines mütter-lichen Grossvaters Eberhard. Graf Eberhard (f 1373)von Wertheim veränderte die Werthheimische Helm-zier; während sein Vater noch einen Hut mit Pfauen-busch geführt hatte, weist Eberhards Siegel von 1363einen ungekrönten wachsenden Adler (aus demSchild) als Helmschmuck auf. Auf seinem Grabstein 3 )ist der Adler gekrönt und die Krone mit zwei Fähn-chen besteckt, welche mit der Balkentheilung des Breu-berger Wappenschildes bezeichnet sind.

Die ursprüngliche Helmzier der Hohenlohe bildetenzwei mit Lindenzweigen besteckte Hörner. Seit 1360erscheint nun ein wachsender (zuweilen gekrönter) Ad-ler, ganz so wie ihn Graf Eberhard von Wertheim da-mals führte, als Helmschmuck der Hohenlohe.

Zwischen diesen Häusern waren mehrfach Familien-verbindungen geschlossen worden. Alle noch blühendenLinien des Hauses Hohenlohe haben zu gemeinschaft-lichen Stammeltern Kraft I. von Hohenlohe (1256 f 1313)und dessen Gemahlin Williburg Gräfin von Wertheim.Jedoch erst deren Urenkel Kraft IV. (seit 1370), Ulrichund Friedrich von Hohenlohe führen den Adlerhelm.

Beachtenswerth ist hiebei, dass dieser Helmschmuckwenigstens in den Siegeln von einer anderen Linie desGeschlechts, die von Albrecht I. von Hohenlohe (einemBruder Krafts I.) abstammt, noch etwas früher ge-führt wird. Gerlach von Hohenlohe nämlich führt denAdlerhelm schon 1360 in dem nachfolgenden SiegelIV. B. 1.

No. 299.

Siegel IV. C. des Adolf Herrn von Hohenlohe aneiner Urkunde von 1370 *).

No. 300.

1) Grote, Geschickte des Kgl. Preuss. WappensS. 25. e

2) Fürst Hohenlohe, über den Gebrauch der heral-dischen Reimzierden im Mittelalter S. 53.

Hier ist deutlich zu sehen, dass der Adlerrumpfgetheilt ist, wie wir wissen von Silber und Roth, also

3) Abgebildet bei Aschbach, Geschichte der Grafenvon Wertheim I. bei S. 164.

4) Albreckt, hohenlöhische Siegel S. 90 No. 156.