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Geschichte der Heraldik. II. 3.
eisen 2. u. 8. einen schräggelegten Ast. Auf dem Schildsteht ein Helm mit zwei Pflugscharen 1 ).
Siegel des Burggrafen Heinrichs I. von Meissen anUrkunden des Jahres 1389 ' 2 ).
No. 277.
Graf Heinrich v. Henneberg führt 1394 einenvon Henneberg und „Burggrafthum Würzburg")" qua-drirten Schild.
Das verschollene Wapenbouch von den Sefken (letzesViertel des 14. Jahrb.) aus welchem Graf Still fried eineTafel mitgetheilt hat, enthält das Wappen des Mark-grafen von Meissen: quadrirt 1) Thüringen, 2) und 8)Meissen, 4) zwei Pfähle in G. (Landsberg) Auf dem Helmder Judenkopf.
Ferner das Wappen des greve va. norenberch qua-drirt : 1. u. 4. Zollern, 2. u. 3. Burggrafthum Nürnberg.Auf dem Helm der Brackenkopf.
Weitere Beispiele werden wir bei der Geschichteder Wappen-Vererbung beibringen.
Es giebt auch viergetheilte Schilde, die zwei Bilderenthalten, von denen jedes für sich zur Constituirungeines Wappens hinreichen würde, die aber nicht auszwei Wappen zusammengesetzt, sondern von vornhereinals quadrirte Wappen angelegt sind.
In Co In am Rhein führten 1388 zwei Zünfte einenquadrirten Schild:
Das Wollen amt (segel desgemeynenwullcn amptz)in 1. u. 4. ein Tburm; 2. u. 3. ein Lindenzweig*).
Die Pelzerzunft (sigülum fraternitatis varii operis
No. 278.
factorum et pellißcum) : 1. u. 4. ein Pelzmuster 2. u. 3.ein Pelzthier (vielleicht Eichhorn) 5 ).
10. Capitel.Die Helmdecke.
lieber den Ursprung der Helmdecken sind seit Jahr-hunderten die verschiedensten Meinungen aufgebrachtworden
Um nur solche aus dem gegenwärtigen Jahrhun-dert zu erwähnen, so schreibt Büsching :
„Diese sogenannten Helmdecken wurden aber auchoft die Bänder mit denen die Helinmütze (chaperon) andem Helm befestigt ward, und sie wurden durch denuntern Rand des Helmes gezogen. Die Helmmütze, diewahrscheinlich in Deutschland nur seltenvorkam, war eine Kappe aus Maschen, die den ganzenHelm einhüllte, wenn der Ritter focht. Wollte er Luftschöpfen, so nahm er den Helm ab und bedeckte sichmit der Helmmütze, wobei darin die Helmbänder überdie Schultern flatterten." ').
Diese Behauptung hat sich San Marte fast wört-lich zu Eigen gemacht 7 '.
Ueber die gleiche Frage Hess sich 0. T.v. Hefner')wie folgt vernehmen:
„Meiner sichern Ueberzeugung nach verdanken dieDecken ihren Ursprung und Namen dem Schönheitssinn,der Nothwendigkeit und der Prunksucht zugleich, da-durch, da.ss sie, nachdem die Kleinode mehr in Gebrauchkamen und komplizirter wurden, über 'diejenige Stelle,an der die mechanische Verbindung zwischen Helm undKleinod statt hatte, gelegt wurden, um die Schrauben,Nieten etc. verdecken zu helfen; der Schönheitssinn aberHess es nicht zu, derartige Stücke Zeug oder Tuch blosauf die Stelle zu beschränken, auf der sie nothwendigwaren oder erscheinen, sondern man liess sie noch weiterabhängen und verband so das Schöne mit dem Nütz-lichen."
„Ein niederländischer Schriftsteller, Herr v. Duinen *)hat diese Ansicht in sehr zutreffender Weise widerlegtindem er sagt:
„wären diese Schrauben überhaupt sichtbar ge-wesen, dann würde die Kunstfertigkeit desMittelalters sie gewiss nicht mit einem Mäntel-chen zugedeckt, sondern vielmehr als Motive zurVerzierung des Helms gewählt haben." Dassdie Helmdecken zum Schutz gegen Wind und Wettergedient haben sollten, kann Herr v. Duinen ebenfallsnicht glauben, da Helme von Stahl wohl nie getragenworden wären, solche von braun angelassenem Eisenaber einen Regenguss sehr wohl ertragen konnten.Aber selbst, wenn sie als Regenschirm gedient, wiewären sie denn gebraucht worden, und wo bliebe derSchutz für die übrige Rüstung, welche doch gewisskostbarer als der Helm gewesen sei?"
Diesen Einwendungen kann ich unbedingt zu-stimmen. Ich füge noch hinzu, dass der Helmschmucknicht mit „Schrauben und Nieten", sondern mit Band-werk auf dem Helm befestigt würde.
Der Schönheitssinn allein ist eine völlig genügendeUrsache für den Ursprung der Helmdecken. Der Ge-
ll v. Hefner, Althayr. Heraldik %. 55.
2) Cod. dipl. Sax. Reg. II, IV.
3) Ich behalte vorläufig die traditionelle Bestimmungdieses Wappens bei.
4) Vergl. die Abbildung Taf. 4, No. 5.
5) Fürst Huhenlohe sphragist. Aphor. S. 5 No. 10.Das Gliche verdanke ich Sr. Durchlaucht.
6) Büsching, Kitterzeit u. B'tterwescn (Breslau 1823)S. 209.
7) Zur Waffenkunde des älteren deutschen Mittel-alters (Quedlinburg 1867) S. 80.
8) Grundsäze S. 37.
9) In Jiietstap's Heraldieke Bibliothcek, NieuweBeens, II Deel. Vergl Herold 1880 S. 60.