Geschichte der Heraldik. II. 3.
205
No. 875.
No. 276.
er dem J. 1290 zuweist, als ältestes quadrirtes Wappenbezeichnet«).
Einen noch älteren Beleg für das quadrirte spa-nische Wappen liefert uns eine deutsche Quelle, dasTurnet von Nantes des Konrad v. Würzburg (f 1287).Hier wird das spanische Wappen in folgenderWeise beschrieben.
uf sime schilte erluhten
vier stücke, als im daz reht gebot
zwei wären wiz, zwei wären röt
und liezen sich da melden
in den zwein röten velden
geleit alsam ein lieht rnbin
zwo bürge wären giildin
do sach man üz den wizen
da zwene löuwen glizen
die lühten swarz reht als ein brant
gewieret was des scliiltes rant
mit liehtebaeren giinmen,
als ob die löuwen grimmen
an füezen und an täpen
diz sint des küniges wäpen
da mite er was gezieret,
nu stuontder schilt gevieret
nach kostbaerlichem flize
mit röte und ouch mit wize
und unterbriten swarz unde golt,
er was den eren also holt
daz er schände al gar verswuor.Der Clipearius des Conrad v. Mur (f 1281) be-schreibt das spanische Wappen (mit falschen Farben):
Hex Hispanie duos gilvo tibi nigro leones
In niveoque duas urbes rubeas ibi pones.Es ist augenscheinlich das qnadrirte Wappen ge-meint.
Noch in der Züricher Holle ist das spanischeWappen (welches dort unter No. 2 erscheint, ohneUebersehrift und mit derselben Confusion in den Farben 2 )•las einzige quadrirte Wappen.
1) v. Hefner , althayer. Heraldik §. 43 schreibt:»Für Quadrirung zweier Wappen auf einem Schilde willBoutel in seiner Royal Meraldry das Jahr 1290 alserstes Vorkommen vindiziien. Es findet sich nemlicha Uf einem gewissen Grabdenkmale in der Westminster-Abtei in London ein Schild quadrirt von Kastilien undLeon. Nach meiner Ansicht kann ein Grabstein nur mitöusserster Vorsicht als Beleg für ein Datum gebraucht^erden und mag fragliches Denkmal ebensogut unterKönig Eduard II. (1807—27) gefertigt worden sein,*'s, wie Boutel meint, unter Eduard I (1272- 1307)."
2) Nämlich 1. u. 4. schwarzer Löwe in G., 2, zwei"urch eine Mauer (mit Thor) verbundene r. Thürme in
Ungefähr in der Zeit, in welcher die Züricher Rollezusammengetragen wurde, begannen auch die übrigeneuropäischen Höfe und der Adel Geschmack an denquadrirten Wappen zu finden.
In Deutschland war es zuerst König Johann vonBöhmen aus dem Luxemburger Hause, welcher im J.1323 einen aus Böhmen und Luxemburg quadrirtenSchild führt 3 ).
England quadrirt 1337 seinen Schild mit den fran-zösischen Lilien.
Herzog Wenzel von Liegnitz führt in seinem Siegelvon 1350 einen quadrirten Schild 1. u. 4. geschacht2. u. 3. den Adler.
An einer Urkunde des Grafen Otto von Schwerinund Teklenburg d. d Schwerin 27. Oct 1356 hängt dasSiegel des Grafen mit von Teklenburg und Schwerinquadrirtem Schilde. „Im runden Felde ein Schild, vier-fach getheilt: im 1. u. 4. Felde drei Herzen, das 2. u. 3.Feld quergetheilt mit Schraffirung in der unterenHälfte" 4 ).
Reimbolt Herr v. Etendorf führt 1367 in seinemSiegel (im Bezirksarchiv zu Strassburg i. E.) einenquadrirten Schild von Saarbrücken und Etendorf 6 ).
Philipp VIII. von Falkenstein und Münzenberghängt an eine Urkunde des J. 1372 ein Siegel IV. C.Der Schild ist quadrirt von Falkenstein und Münzen-berg Auf dem mit einem Turnierhut bedeckten Helmsitzt der Hund zwischen zwei Fähnchen, von denen dasrechte das Rad (Falkenstein), das linke die Quertheilungzeigt 8 ).
Hinczik dictus Pflück de ürlick führt 1386 einenquadrirten Schild: 1 u. 4 ein schräggelegtes Huf-
Silber, 3., ein r. Thurm in Silber. (Die Verkürzung derFigur ist durch Raummangel veranlasst). Obige Zeich-nung verdanke ich der Güte des Herrn Eugen Freih.v. Löffelholz ins Ansbach.
3) In seinem Reitersiegel. Auf dem Helm führt erdas altböhmische Kleinod. Die Pferdedecke ist mitBöhmen und Luxemburg abwechselnd prächtig ge-schmückt. Ein Abdruck vom J. 1330 ist abgebildet:Monumenta boica VII Taf. 2.
4) Meklenb. Jahrbücher V. 261.
5) Gütige Mittheilung des Herrn Major Kindler v.Knobloch.
6) Archiv f. hess. Geschichte IV. Band 3. HeftS. 1 ff.