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Geschichte der Heraldik. IL 3.
No. 265.
Spitzovales Siegel IV. A 2 des Dietrich von Ker-kow an einer Urkunde des Jahres 13241). Umschrift:„f S. Domini. Theoderici de Kerkow. Das Siegelfeldenthält zwei Schilde; der obere, gestürzt , enthält dasKerkow'sche Wappenbild, die Greifenklaue, der untereein Widderhorn.
No. 266.
Wernerus Comes in Vredeberch dictus de Hade-mersleve führt 1320 in seinem runden Siegel einengrossen Schild, darin drei Hirsche. Im Siegelfelde rechtssteht ein Helm mit Federkleinod, links ein Löwenschild.
Aus der Familie der Grafen von Valkenstein am Harzist GrafHoyer der erste, von dem ein Siegel (1222—1250)bekannt ist. Das Siegel hat die normannische Schild-form und enthält drei schrägfliegende Vögel vom Ge-schlechte der Adler. Die Mehrzahl soll meines Erachtensandeuten, dass das Wappenthier einer kleineren Vogel-art angehört, es soll das Wappen als ein redendes ge-kennzeichnet werden. Obwohl die Vögel schrägfliegenddargestellt sind, unterscheiden sie sich in der Zeichnungdurchaus nicht vom heraldischen Adler Es scheint aberdein Schildmaler an einem Mittel gefehlt zu haben, denFalken als einzelne Figur erkennbar darzustellen 2 ).
1) Nach einer Zeichnung aus dem Nachlasse vonF. A. Vossberg im Kgl. Geh. Staatsarchiv zu Berlin.
2) Dur Anschauung v. Ledeburs (die Grafen vonValkenstein am Harze. % 12), dass die Dreizahl einBeizeichen rechtlicher Hedeutnng enthalte, kann ichmich durchaus nicht ansehliesseii. Doch will ich seineAusführung hier folgen lassen:
„Wir sprechen die Vögel in Rücksicht auf ihre,von der typisch hergebrachten Adlerform abweichende (?)Gestalt, so wie in llücksicht auf das Redende in denNamen des Valkeusteius, zwar unbedingt als Kalken anmit der Beschränkung jedoch, dass diese ihrer heral-
Als nächstes Siegel folgt dasjenige des GrafenFriedrich von Valkenstein, 1270 und 1277 vorkommend.Es ist schildförmig und zeigt im gespaltenen Schild,vorn einen halben Adler \ Falken), hinten eine drei-malige Quertheilung. Diese Zusammenstellung kannnach den Erfahrungen, die wir über den simultanenGebrauch von Wappen und Heroldsbild gemacht haben,in keiner Weise befremden. Dem Geschmacke der Zeitentsprechend, verband der Graf den ererbten Wappen-vogel mit einem Heroldsbilde. Die Dreizahl musstefallen gelassen werden, weil dieselbe mit dein Planeunvereinbar war.
Diesen Schild in Verbindung mit dem auf S. 117(Siegel No. 82) erläuterten Helmschmuck führt GrafVolrad v. Valkenstein (jüngster Sohn des Grafen Fried-rich) in seinem Siegel IV. C. von» Jahre 1303.
Der älteste Sohn, Graf Otto IV. von Valkensteinführt zuerst in seinem runden Siegel vom Jahre 1299einen ungetheilten Schild mit einem ganzen Adler.Dass wir hier nicht das auf die Einheit zurückgeführteStammwappen, sondern ein von demselben durch dieFarbe wahrscheinlich geschiedenes, in der Familie neuesWappen vor uns haben, zeigt das auf S. 117, (No. 82)mitgetheilte Siegel desselben Otto IV. (1303, 1319); wirsehen da den neuen Schild mit dem Valkenstein'schenHelmschmuck bedeckt, daneben rechts im Siegelfeldeden zu dem neuen Schilde gehörigen Helm mit zweiFlügeln 3 ), links den gespaltenen Valkensteiner Schild.
Graf Borchard von Valkenstein (Sohn von Otto IV.)hat in seinem Siegel IV. U. von 1319 eine andere Zu-sammenstellung: auf dem Valkensteiner Schild ruht einHelm, der den Adlerschild zwischen zwei W-förmiggebogenen, an den Enden mit Pfauenfedern geschmücktenStangen trägt 3 ).
Ein anderer Sohn Ottos IV., ebenfalls Otto genannt,Domherr zu Hildesheim führt 1312 wiederum den ein-fachen Adler. Wir haben hier ein Beispiel von Wappen-häufung, zu dessen Erklärung die leider sehr mangel-hafte Genealogie der Grafen von Valkenstein keine An-haltspunkte gewährt. —
Die Braunsberger Linie der Herren von Isenburgerwarb durch die Heirath ihres Stammvaters Bruno I.(1179 — 1199) mit einer Gräfin von Wied ein Erbrechtauf die Grafschaft Wied.
Die Gründe sind nicht ersichtlich, warum mit derEröffnung der Erbschaft nach dem im J. 1242 erfolgtenTode des Grafen Lothar von Wied von einer förmlichenVereinigung der Wappen Wied und Isenburg abgesehenwurde. Es ist hiebei jedoch zu berücksichtigen, dassaus den früher dargelegten Gründen die Siegel überdiesen Punkt eine erschöpfende Information nicht ge-
dischen Grundbedeutung nach auf den Adler, als dasUrsprüngliche in der Art zurück gehen, wie der heraldi-sche Leopard allemal auf den Löwen zurückgeht. Ebenso führt die Dreizahl stets auf die Einheit, als ihr Ur-sprüngliches zurück und deutet allemal auf eine jüngereAbzweigung von dem Hauptstamme hin."
3) Dieser Helm beweist, dass der Adlerschild nichtdas wiederhergestellte Stammwappen sein kann; v.Lede-bur hat daher meines Erachtens Unrecht, wenn er a. a. 0.sagt: den einfachen Adler „habeu wir demnach, wie ausder Betrachtung der drei verschiedenen Hauptformenunabweisbar hervorgeht, als das eigentliche Wappender Valkensteine anzunehmen. Bisher hielt man denAdler für das Arnsteinsche Stammwappen; dem pflichtenwir gern bei; nicht jedoch so, als ob durch eine Arn-Hteinische Erbtochter der Adlerschild erst dem Valken-stein'schen combinirten Wappen beigegeben wäre; son-dern weil wir beide Geschlechter als aus einer undderselben Wurzel hervorgegangen, als zwei Hauptiisteeines gemeinsamen Stammes ansehen."