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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 3.

No. 256.

Das älteste Beispiel liefert ein Siegel) des GrafenJohann von Sayn vom J. 1361, welches zwei confonneHelme auf einem Schilde enthält.

No. 258.

Siegel des Hennel Stroiffe von Landenburg Edel-knecht, vom J. 1384 2,1 (Stadtarchiv zu Hagenau).

No. 259.

Erbo Lösel der Junge, Edelknecht in Strassburg1465 (Siegel im Spitalarchiv zu Strassburg;').

8. Capitel.

Schwierigkeiten der »» apuenlifUifiing.

Diese neuen künstlerischen Bestrebungen stiessendann auf grosse Schwierigkeiten, wenn es sich darumhandelte, ausser den beiden wichtigsten Emblemen, dem

1) Abgebildet bei v. Ledebur, Adelsarchiv IL BandTaf. 1.

2) Mitgetheilt von Herrn Major Kindler v. Knob-loch.

3) Von demselben.

Schild- und dem Helmzeichen, noch andere Wappen demGesammtbild einzuverleiben. Derartige Fälle von Wap-penhäufung werden seit der zweiten Hälfte des 13. Jahr-hunderts bei den grossen Geschlechtern immer zahl-reicher.

In der Wirklichkeit, d. h. in der militärischenPraxis war es gar nicht schwierig, durch Vertheilungauf Schild, Helm, Fahne, Pferdedecke eine ganze MengeWappen zur Schau zu tragen.

Namentlich die Pferdedecke wurde in jener Zeitformlich mit Schilden bestreut.

Ulrich von Lichtenstein beschreibt die Pferdedeckeetc. des Grafen Meinhart von Görz wie folgt:

Sin wäpenroc, sin decke was

von samit grüen alsam ein gras

gehowen üf ein ander wol.

diu beide wären Schilde vol

gestreut, als er den schilt truoc

siniu sper ouch groz genuoc

warn, und grüen alsam ein cle.Reitersiegel III. B. 3. des Friedrich Thumb vonNeuenbürg (Vorarlberg) an einer Urkunde des J. 1293*).Umschrift: f <S'. Friderici . Tvribonis . De Nunburch.

No. 260.

Bild des Minnesängers Ulrich v. Liechtenstein in.der sogenannten Manesse'schen Liederhandschrift zuParis 5 ) (No. 261).

Ottocar V. von Böhmen führt im J. 1264 auf sei-nem Eeitersiegel: Helm: das böhmische Kleinod. Schild:Oesterreich; auf der Pferdedecke: Kärnthen, Krain,Böhmen, Mähren; in der Fahne: Steiermark.

Eines der vier Medaillonbilder, mit welchen diegrosse Glocke der St. Blasiikirche zu Mühlhausen inThüringen aus dem J. 1345 verziert ist, stellt nachTilesius v. Tilenau") einen Stadthauptmann (capitaneusmilitum) dar, der mit eingelegter Lanze dem Feindeentgegensprengt (No. 262).

Der Zeichner hat nicht bedacht, dass der Ritterauf der Glocke verkehrt erscheinen würde, wesshalb erhier die Lanze in der Linken und den Schild am rechtenArme führt.

Den Schild ziert der Reichsadler, den Helm dasKleinod der Landgrafen von Thüringen, auf der Pferde-decke erscheint das redende Wappenbild der StadtMühlhausen, das Mühleisen.

Waren nun bei einer Familie Reitersiegel nichtherkömmlich, oder wurden sie in dem besonderen Falle

4) Mittheilungen der k k. Centralcommission f. Bau-denkmale in Wien 1880 S. LIV. Das Gliche ver-danke ich der Güte Sr. Excellenz des Freiherrn v. Helfert.

5) Zeichnung des Herrn Geh Raths Tilesius v.Ti-lennu in St. Petersburg. Vergl Herold 1879 S. 99.

6) Herold 1879 S. 97.