198
Geschichte der Heraldik. IL 3.
No. 24T.
No. 219.
No. 248.
malt waren, so konnten sich die Siegelstecher auch inBezug auf die Darstellung schwieriger Figuren an dasVorbild des Kampfschilde« halten.
Was nun die sogenannten Heroldsbilder betrifft, solag für die Siegelstecher gegenüber den Schildmalerneine noch zwingendere Nothwendigkeit vor, die leerenFlächen durch Damascirung auszufüllen, weil die sphra-gistische Darstellung des Wappens farblos war. Wieweit hier die Freiheit des Siegelstechers ging, ist selbst-verständlich nicht zu ermitteln. Denn wir haben be-reits oben (S. 93) gesehen, dass auch der Kampfschildeine Art Damascirung trug.
Ulrich von Liechtenstein beschreibt den Schild desGrafen Meinhart von Görz: schräggetheilt; oben inBlau ein gekrönter goldener Löwe, unten von Roth undWeiss in acht Stücken geschnitten. Von der Damas-cirung sagt er dann:
der meister het ouch nit vermitener het mit porten hie unt dawol üz genomen rot wiz golt plä.
Einige merkwürdige Beispiele der Damascirungnicht durch Linien-Ornamente, sondern durch Blumenmögen hier folgen.
Siegel des Grafen Hugo von Werdenberg an einerUrkunde des J. 1267 ') (No. 249).
Sig. IV. A. 1 des Eberhard v. Schaumberg an einerUrkunde des Jahres 1300 2 ) (No. 250).
Das Wappen dieses bekannten fränkischen Ge-schlechtes ist halbgespalten und getheilt, weiss, roth,blau; der Stern, die Rosen und Lilien sind ein ganzwillkürlicher Zusatz, eine Ausschmückung der Schild-fläche. —
In der Wappendarstellung musste dem Helm die-jenige Stellung gegeben werden, in welcher er dasKleinod am besten präsentirt.
War das Kleinod auf der Fläche befestigt, somusste der Helm ins Profil gestellt werden, dagegen
1) Zeerleder, Urkundenbuch der Stadt Bern Bd. IIINo. 172.
2) Fürst Hohenlohe, sphragist. Aphorismen S. 60No. 171. Das Gliche verdanke ich Sr. Durchlaucht.
No. 260.
en face, wenn das Kleinod aus einem an den Schläfe-steilen angebrachten Figurenpaare bestand.
Siegel des Burggrafen Friedrich IV. von Nürnberg,vorkommend an Urkunden von 1301. 1320 3 ) (No. 251).
Die Züricher Rolle ist in dieser Beziehung sehrungenau, indem sie dem Helm häufig eine falsche Stel-lung giebt. In dem (unter No. 252) nachfolgendenWappen Schoe nenberg No. 76 der Rolle musste derHelm en face stehen. Nach der vorliegenden Zeichnungmusste man glauben, dass die Hörner auf der rechtenSeite des Helmes befestigt sind.
Trägt der Helm einen thierischen Rumpf, so mussdie Stellung desselben der Richtung des Helmes ent-sprechen. Auf einen ins Profil gestellten Helm darfz. B. keiu en face gestellter Menschenrumpf stehen-
Das Siegel IV. C. des Schenken Conrad v. Winter-stetten *) zeigt den Helm von vorn, darauf ein en facegestellter Mohreukopf mit Hörnern, die aussen herummit Pfauenfedern besteckt sind.
Das mit einem ähnlichen Helmschmuck verseheneWappen Schön egg, No. 89 der Züricher Bolle istmit falscher Stellung des Heiines entworfen.
Aehnliche Ungenauigkeiten, sowohl in der Stellungals in der Befestigung der Helmkleinode bemerken wirbei den unter No. 284 und 285 nach Glasgemälden v.1320 mitgetheilten der Luck und der Wagkader.—
Die Verbindung von Schild und Helm zu einem Ge-
3) Monumenta Zollerana II, 275. 359 — Das Clichfeverdanke ich dem Kgl. Geh Hausarchiv zu Berlin.
4) Weech, codex Salemitanus Siegel No. 113.