Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
190
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

190

Geschichte der Heraldik. II. 3.

diu schapel wären lieht gevarvon al den pluomen die uns gitder wünnen pernden meien zit.Auch die beiden folgenden Siegel dürften ein Scha-pel darstellen : Siegel des Ritters Ulrich vom Stein aneiner Urkunde des J. 1275. Umschrift: f S. Volrici.Militis. De. Lapidei)

No. 224.

Siegelndes Rudolf v. Stein, Leutpriesters zu Bol-lingen vom J. 1278. Umschrift: f S. Rvdolfi Plebani.De. Bollingen.

5. C apitel.

Das Schapel i»ls Zusatz zum Helm-

dunueli.

Dieses Schapel diente unendlich häufig als Ge-schenk der Frauen an ihre Ritter, welche das Schapelin der Regel auf dem Helme trugen: es wurde damitder eigentliche Helmsclnnuck gleichsam unterbunden 3 ).

1) Zeerleder, Urkundenbuch der Stadt Bern Bd IIITaf. 53 No. 204.

2) Ebenda Taf. 61 No. 230.

,, 8 > Nicht begründet ist die Meinung des Herrn vMaynrfiU ^lc. ü. 172), dass die Zindelbinde zur Klei-nodbefestignng gedient habe. Er schreibt:

Ueberhaupt geschah die Kleinodbefestigung mei-stens durch oder doch wenigstens zugleich mit denHelmdecken; bald durch eyie Art stramm anliegendeund genau passende Helmhaube, bald durch einen ge-

Der Zusatz ist aber durchaus willkürlich und nicht ein-mal für Personen von dauernder Bedeutung.Im Sängerkrieg singt Wolframsi vuorten alle harnasch unde liehter schilte gliz;junkvrouwen edelen hende wizmachent in nie mer schapel, als sie wilent hant

getan.Im Wigamur wird erzählt:2064 Phyoplerin von AratunAuff ainem ross praunDer fürt ein sper in seiner hant;Dem hette sein amey gesandtBey tausent marcken ain clainotDas was ain schappel von golde rotDas fürt er auf dem heim sinUnd ain rot gülden fingerlin,ferner2120 Sein wappenrock was schön'.Rot gel und grünWas gemalet sein sper;Auf dem heim fürt erVon rosen ain zymmerol.Her Hiltbolt von Swanegou 2 ) singt:

Ain schappel brun und underwilent ie blaug

hat mir gehohet daz herze und den mut.Also ein schwarz-weisses Schapel hatte er von seinervrowen als Kleinod erhalten.

Albrecht von Scharffenberg sagt im Jüngeren Titurel(1272).1213 Daz schapel vf dem belme. dem graliardois

wart swebendeVor siegen vnd vor melme.Endlich in der Minne Lehre von Heinzelin v. Kon-stanz (vor 1300):

552 swer miner muoter unde mirder minneclichen küneginze dienste wil gebunden sinund unser minneclich gebotlieplich uebet äne spotder sol dicke gekroenet sinmit manegem vinen schappelin.Ulrich v. Lichtenstein erzählt bekanntlich seineabenteuerliche Fahrt als Göttin Venus. In dieser Ver-kleidung kämpft er mit eineinRitter Mathie" ; dessenHelm er folgender Massen beschreibt:und fuort ouch üf dem heiin sinein schapel: daz gap liebten schin.von golde und ouch von perlin lieht

drehten Wulst (Pauschen, Sendel- oder Zintelbinde, auchHelmlöhr und Brünlöhr genannt) mit abfliegenden Bän-dern und Schleifen ....

Hr. v Mayerfels {Abc. S. 164) beschreibt ferner einSiegel des Schenken Ulrich von Reicheneck (nicht vonReicheck, wie v. M. drucken lässt) des 14. Jahrh. infolgender Weise:

Das Helmkleinod, ein Flügel, geziert mit der Rosedem Wappenbilde der Schenken von Reicheck, steht aufder Sendelbinde (nämlich ohne Helm!), wie wir sie nochheutzutage in den Tausenden von englischen und angli-sirten Wappen bewundern können. Dieses Siegel

liefert übrigens den Beweis, dass eben auch die Altenmanchmal schlechten Geschmack entwickelten."

Ich fürchte, dass Herr v. M., der mit einem sofeinen Instincte begabte Kenner, das Opfer eines un-verzeihlichen Missverständnisses geworden ist. Einesolche Darstellung, wie er sie beschreibt und abbildet,ist im 14. Jahrh. rein unmöglich. Die sogenannteSendelbinde" ist ganz der geschmacklose Helmwulstdes 18. Jahrhundert.

2) Weingartner Liederhandschr. S. 129.