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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 3.

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«hardIX., älteren Sohnes des Burggrafen BurchardVI).Von einem heraldischen Beizeichen der jüngeren Liniekann also auch hier nicht die Rede sein,

v. Mülverstedt misst dem Rautenkranze eine min-dernde Bedeutung bei und glaubte in Bezug auf dasvorliegende Siegel, dass hier der Rautenkranz eineKennzeichnung des Wappenführers als eines nicht mehrzur Regierung, zur Amtsführung Berufenen oder desnichtmehrigen Besitzers einer Würde bezwecke. Herrv. M. schreibt:Eine andere Bedeutung für den Rauten-kranz im Siegel des gewesenen Burggrafen Burchard IX.ist uns unerfindlich. Wäre es richtig, dass er (undnicht sein -Vater) der Verkäufer der Burggrafschaft war,so müsste man bei ihm ein Siegel ohne den Rauten-kranz (da auch das Verhältniss der jüngeren Geburtfehlt) vermuthen, was indess nicht vorhanden oder bisJetzt zum Vorschein gekommen ist. Nach unserem Da-fürhalten beschaffte er sich nach der Veräusserung derBurggrafschaft im J. 1269, vor der er zuerst nur 7Jahre vorher aufgetreten war, ein Siegel, um die ge-hinderte Bedeutung seines Wappen-Emblems in Rück-sicht auf die Burggrafschaft, von der er jedoch denTitel im gewöhnlichen Leben und auf dem Siegel bei-behielt, auszudrücken. Er wählte hierzu den ....Bautenkranz."

Diese Meinung wird indess durch die von HerrnV- Mülverstedt i) selbst constatirte Thatsache wider-legt, dassein Amts- und Specialwappen für die Burg-schaft Magdeburg nicht existirt hat." Der Balkenschildist das Erb wappen der Burggrafen aus dem HauseQuerfurt, das Burchard XL auch nach dem Verkaufder Burggrafschaft zu führen vollauf berechtigt war.

Selten kommt ein Blatt- oder Blumenkranz als Zu-satz zu einem Schilde vor, der andere Bilder als Herolds-figuren enthält.

Graf Conrad v. Wernigerode führt in seinem SiegelT oni j. 1259 das Erbwappen dieser Familie,die FischeKit einem sehräglinkenRautenkranze" überdeckt, derindess sehr eigentümlich geformt ist, indem die Quer-linie des schmalen Balkens nicht wie gewöhnlich mithalben Lilien, sondern mit 5 klumpfigen oben gefaserten,fettigen gleichen, Auswüchsen (Stechpalmen ?) besetztist. Nur auf dem Siegel des Grafen Conrad ist diesAbzeichen wahrzunehmen" 2 ).

In dem vorliegenden Falle handelt es sich nichtUni einen Rauten- sondern einem aus anderen Blätterngebildeten Kranz

Siegel IV. A. 2. des Bello von Stendal, Bürgers zuKönigsberg in der Neumark, an einer Urkunde des Jahres13343) Umschrift: S. Belle. De. Stendel Im Schildeder Rautenkranz, im Ober- und Untereck je ein ge-krönter Manneskopf.

Schildförmiges Siegel des Johannes Sone an einerUrkunde vom Jahre 1317 im Stadtarchiv zu Frankfurt

No. 222.

No. 223.

1) A. a. 0. S. 9.

2) v Mülverstedt a a. 0.

3) Nach einer Zeichnung aus dem Nachlass von F.Vossberg im Kgl. Geh. Staatsarchiv zu Berlin.

a. 0. Der Schild enthält einen Mohrenkopf von einemRosenkranze überlegt. Umschrift: t S. Johannis. Sone.De. Berlin.

Ich lasse hier nun einige Nachweise über dasSchapel, welches ich in dem Rautenkranze wieder-zuerkennen glaube, hier folgen.

Das Schapel ist nach Beneclce 1 ) einKranz ausnatürlichen oder künstlichen Blumen; eine mit Edel-steinen, Perlen und dergleichen verzierte Binde um denKopf, woran auch wohl die Enden an dem Kopf herunterhingen, so dass sie bey dem Küssen zurück gehaltenwerden mussten 4 )."

Erwähnt wird das Schapel von den Dichtern sehrhäufig z. B. im Lanzelet (um 1200)868 siu truoc ein schappellikindaz siu mit ir henden vlahtvon schoenen hluomen wul gemachtsiu endorfte spaeher niht sinim Willeham Ulrichs v. d. TürlinVil riebe seappil di sach manOber reideme valwen hare stanNach cristenen site gevlochten reineVan golde und van gesteine.In dem Verzeichniss s ) der Kleinode einer Gräfinvon Flandern, Handschrift des 14. Jahrh. im Archiv zuLille werden aufgeführt:

Item I chapel esmaillie ä grant hesant de perleset ä saffirs et ä bales, que mons. achata ä madame laduchesse.

Item I chapel ä besans et ä III pierres, Tund'encoste l'autre, II rubis et une ameraude.

Item I chapel ä III perles et I ruby et uneameraude.

Item I chapel ä I besant persiet et une ameraudeet I ruby."

Als Wappenbild dürfte sich das Schapel vielfältignachweisen lassen. Ein Fall dieser Art wird von Ulrichvon Liechtenstein erzählt, doch wird es sich hier um einaventiure- Wappen handeln, denn es ist ein als wendischesWeib verkleideter Ritter, der mit derGöttin Venus"zu kämpfen begehrt:

Ez bete der höchgemuote man

seht, eine gödehsen an.

daz ist ein windisch wibes kleit:

daz hete der biderbe an geleit

sin schilt was kosteiiehe plä:

schapel dar üf hie. unde da

wären wünneclich gestreut.

der tjost er sich gein mir da vreut.

Sin ors daz was verdecket wolmit pläbem zendäl schapel volwas gestreut die decke gar.

4) Wörterbuch z. Wigalois S. 697.

5) Anz. f. K. d. d. Vorz. 1835 S. 503.