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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IL 3.

geleit ein güldin strickeliu.

die bluomen sach man üz und in,

die von dem rande lühten

und alse liljen dühten,

gestellet an ir bilden

der schilt mit einem wilden

löuwen stuont verdecket

der was in golt gestrecket

und lühte von rubiuen rot.Im Jieinfried von Braunschweig wirddasselbe Wappen beschrieben:

von golt ein liehter phelle

was sin covertiure,

und was ua höher stiure1485 von kelen röt dar in geleit

uf schiltes tach und wäfenkleit

eins löwen bilde glimmende

und üf ze berge klimmende

relit alsam er lepte1490 umb den löwen swepte

ein smal gezieret schiltes rant.

von golde rieh der strich erkauf.

was und dar in geströuwet

ein kost, diu mich erfrüuwet1495 swenn ich dar an gedenke

umb des schiltes renke,

die des löwen phlägeu

von Saphiren lägen

liljen klein dar in geworht,1500 die der fürste unervorht

zu velde wolte füeren

von dem striche rüeren

sach man die bluomen üz und in.

Das bekannteste Rautenkranz-Wappen ist das her-zoglich sächsische. In den Beschreibungen, dieConrad von Würzburg von dem Wappen gegeben hatund denen das Wappen in der Form zu Grunde gelegtist, wie es der 1261 verstorbene Herzog Albrecht I.geführt hat, wird der Rautenkranz nicht erwähnt.Gleichwohl ist anzunehmen, dass Herzog Albrecht inseinen letzten Lehensjahren das Wappen mit dem Rau-tenkranze verschönert hat, da seine Söhne Johann undAlbrecht II. bereits 1262 in ihrem gemeinschaftlichen(Vo rmundschaf ts-i Siegel den Rautenkranz führen.In dem Siegel mit der Umschrift:-S". Johannis <t Al-berti Dci Gratia Ilucum Saxonie Angrie et Westfalie"sind die beiden jungen Herzöge stellend und ungewaff-net dargestellt, jeder in der einen Hand die Fahne undzwischen sich den herzförmigen gespaltenen Schild käl-tend mit dem halben Adler und den Balken, darüberquer herlaufend die gradlinige Figur des Rautenkranzes.

Auf ihren späteren gesonderten Reitersiegeln be-hielten beide Fürsten dasselbe Wappen bei. wie dieSiegel Johanns von 1272 und 1280 und diejenigen Al-berts von 1275 und lü9ö beweisen i).

Dass dieser Zusatz zum Wappen wirklich einenLaubkranz, das Schapel. und nicht etwa einen orna-mentirteu Schrägbalken darstellt, ersehen wir aus demSiegel des Herzogs Erich von Sachsen-Lauenburg f 1361(Sohn des obengenannten Herzogs Johann) mit grosserDeutlichkeit iNo. 221).

Die Pflanze, aus welcher der Kranz gewunden ist.bildet den Schmuck der Pferdedecke, die sonst denWappenschild in mehrfacher Wiederholung zu tragenpflegt: ein Zeichen, dass schon damals der Rautenkranzeinen bevorzugten Bestandteil des herzoglichen Wap-pens ausmachte.

Im Sachsenlande erfreute sich der Rautenkranz

No. 221.

einer grossen Beliebtheit 2 ), man sieht sofort, dass hierein gegebenes Beispiel ansteckend gewirkt hat.

Die hervorragendsten Autoren der Heraldik seitJahrhunderten haben die Bedeutung des Rautenkranzeszu erforschen gesucht, leider auf Irrwegen. Namentlichhalte ich die Behauptung, dass der Rautenkranz dieheraldische Brisnre der jüngeren Linie seifür unbewiesen , ja unerweislich, in der Anwendungauf das sächsische Wappen steht die Behauptung zuden Thatsachen der Wappengeschiente und Genealogieim directesten Widerspruch.

Wie wenig anwendbar die Theorie der Wappen-miuderung auf das deutsche Wappenwesen des 13. und14. Jahrhunderts ist, lehrt der folgende Fall.

An einer undatirten Urkunde, sowie an einer Ur-kunde vom J. 1290 dm Archive des Domcapitels zuMerseburg l hängt das Siegel eines Burggrafen Burchardvon Magdeburg. Dasselbe enthält einen achtfach quer-getheilten Schild (wie ihn auch die früheren Burg-grafen führten) und darüber schräglinks einen Rauten-kranz, dessen Blätter kleeblattförmig gestaltet sind 3).

Herr v. Ledebur 4 . welcher nur die undatirte Ur-kunde gekannt hat, verlegte dieselbe in die Zeit um1200 und hielt den Inhaber des Siegels für den jün-geren Sohn des Burggrafen Gebhard.

Herr v. Mülverstedt hat durchaus überzeugendnachgewiesen, dass der Inhaber dieses Siegels eine ganzandere Persönlichkeit gewesen ist, nämlich BurggrafBurchard XL, der einzige Sohn seines Vaters (Bur-

1) v. Heinemann, die älteren Siegel des anhaltischenFürstenstammes. Bernburg 1867. 4° S. 18 f.

2) Am vollständigsten ist die Zusammenstellungder bezüglichen Wappen in den Neuen Mittheilungenaus dem Gebiete historisch antiquarischer ForschungenBd. IX Heft 3. 4. S. 1 ff in der Abhandlung der Säch-sische Rautenkranz von Herrn von Mülverstedt.

3) v. Mülverstedt, mittelalterliche Siegel aus demErzstift Magdeburg 3. Liefg. S. 15.

4) Streifzüge etc. etc. S. 32.