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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 3.

No. 1»6.

Metall auf Metall zu stehen, die Wappen wurdenttiissfarbig.

Ein Behelf wurde darin gefunden, dass man nichtbloss die Wappenbilder, sondern auch die Schilde auf-einander legte, so dass das eine Wappen gleichsam alsEinfassung des anderen verwendet wurde

Die alten Grafen von Urach führten im getheiltenSchild oben einen schreitenden Löwen, unten PelzvehNachdem Egino V. Graf von Urach einen Theil derHinterlassenschaft des Herzogs Bertliold V. von Zäh-ringen geerbt hatte, wurde eine Aenderung des Wappensbeliebt. Die Söhue des Grafen Egino, Konrad und Ber-thold, damals noch minderjährig, führen 1239 den Adler-schild von Zähringen eingefasst mit dem Pelzwerk desUrach'schen Wappens. (Vergl. S. 74, Siegel No. 13).

Siegel III. B. 3. des Grafen Friedrich von Fürsten-berg an einer Urkunde des J 1291 1 ).

No. 197.

Das Wappen der Grafen von Nassau war ursprüng-lich ein Löwe. Graf Heinrich führt 1246 den mit Schin-deln hesäeten Löwenschild, während sein Sohn Otto(Siegel von 1258) den Schild mit einer zweireihig ge-atttckten Ein fassung versah 1 ).

1) Aus dem Fürstenbergischen Urkundenhuch Bd. IS. 303. Das Clichfe verdanke ich der Güte der Directiondes Fürstl. Hauptarchivs in Donaueschingen.

2) v. Goeckingk, Gesch. d. Nass. Wappens Taf. 4.

Eben mit dieser gestückten Einfassung soll bereitsder Löwenschild des Grafen Walram von Laurenburg(Siegel vom 3. 1198) versehen gewesen sein.

Wilhelm Graf v. Arnsberg führt in seinem schild-förmigen Siegel von 1306 mit der Umschrift: f SigülumWühelmi nobilis de Arnesberg, innerhalb eine in zweiReihen gesch achten Einfassung den ArnsbergerAdler.

Das runde Siegel desselben Grafen vom Jahre 1314mit der Umschrift: t & Wilhelmini comitis (de Ar)nsberhe zeigt dagegen den Arnsherger Schild ohne Ein-fassung *).

Das nächste Auskunftsmittel war dieses: man schnittdie zu verbindenden Wappen nach der Länge oderQuere in zwei Hälften und setzte die Hälfte des einenWappens mit der Hälfte des anderen zusammen.

Die Längs- oder Quertheilung wurde angewendet,je nachdem sie für den jeweiligen Zweck gerade amzweckmässigsten war.

Reichte jedoch die eine Hälfte des Schildes für eineDarstellung des dahin gehörigen ganzen Wappens aus,so blieb das letztere meistentheils ungetheilt. So wirdman nur selten im gespaltenen Schild einen aus demSpalte hervorwachsenden Löwen finden, während diesesbei quergetheilten Schilden sehr häufig der Fall ist.

Das älteste Beispiel einer Vereinigung zweier Bilderzeigt das oben S. 73 No. 8 abgebildete Siegel des Her-rand von Wildon von ca. 1195. Es enthält im Schil-deshaupt ein schreitendes (unbestimmbares) Thier, da-runter drei (2, 1) Seeblätter

Nur wenig jünger ist der Schild des KaisersOtto IV. aus dem weifischen Hause, der 1189 zum Rö-mischen König gewählt wurde Derselbe führte imgespaltenen Schilde drei Löwen und einen halben Adler.Wie ungewöhnlich damals diese Art der Wappen-Vereinigung war, zeigt das Raisonnement des Thomasinv. Zirclaria, welcher in seinem 1216 gedichteten Wäl-schen Gast das Wappen des Kaisers Otto einer scharfenKritik unterwirft. Er sagt:12351 Ir muget noch gedenken wol

daz ich sprach daz niene sol

in iemens schilt dri lewen gar

erschinen und ein halber ar.12355 ich sprach daz dri lewen übermuot

bezeichent, des einer niht entuot

ich sprach ouch daz ein halber- ar

der eren schidunge bezeichent gar

wan ein ganzer ar wol12860 nach reht ere bediuten sol

da von sol wesen ein ar

in eines herren herze gar,

wan er von reht dem am sol

genzlichen volgen wol.

* *

*12429 Er sol ame rehte geliehen

bede di armen und die riehen

da von sprach ich ez waere guot

daz er eins ganzen arn muot

in sinem übe tragen solde,

swer einen halben arn wolde12435 ab einem turne läzen nider

er koem von siner kraft niht wider,

und vliuget doch ein ganzer ar

vil wundernhöhe, daz ist war

swer niene hat geliehen vuoz12440 wizzet daz er einhalp Valien muoz

swer mit einem vetich vliegen sol

der mac niht gevliegen wol.

wizzet daz er der halb nider gät

3) Westfälische Siegel des Mittelalters I. 2, Tafel28 u. 41.