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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IL 3.

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char4i de Rocc (ho)": der Schild enthält nur einen Ro-chen 1 ).

No. 1C8.

Die Verminderung der Zahl scheint mir nicht von"wappenrechtlicher Bedeutung zu sein. Wahrscheinlichwurde die Einheit gewählt, weil das kleine Siegel nichtRaum genug darbot, um das Wappenbild in der übli-chen Anzahl erkennbar darzustellen

Die Zahl der Figuren dient also als Mittel derUnterscheidung zwischen ähnlichen Thieren verschiede-ner Naturgrösse.

Ein hierhergehöriges Beispiel, das Wappen des Gra-fen Hoyer v. Valkenstein am Harz (Siegel v. 1222 anvorkommend) werden wir bei einer späteren Gelegen-heit behandeln.

Die Mehrzahl der Figuren wurde in der Regel auchdann gewählt, wenn das Bild, nm den Schild zu füllen,unnatürlich hätte verzerrt werden müssen.

Darum erscheinen naturalistisch gezeichnete Löwenund Leoparden in der Regel in der Mehrzahl im Schilde,z. B. die natürlichen Löwen im Wappen der Herrenvon Hohenlohe. Vergl. S. 151 Siegel Nr. 133.

Siegel IV. A. 2. des Erkinbrecht von Bora an einerUrkunde von 1368 im Dresdener Staatsarchiv 2 ).

NO. 104.

Derartige Darstellungen gehören immer zu denAusnahmen, da in der wirklichen Schildmalerei das Bilddes Thieres, in der Sphragistik aber der Schild verzerrtwerden musste, wenn die Darstellung den Schild füllensollte.

Aus demselben Grunde ist im Mittelalter das Rossein überaus seltenes Wappenbild. Conrad vonMure beschreibt nur ein Wappen mit einem Ross.

Dies ist wohl auch die Ursache, warum die Grafenvor Schwerin ihr Ross im Siegelfelde und nicht imRahmen eines Schildes führten.

Die Eintönigkeit des Wappenwesens wurde schonfrüh im 13. Jahrhundert durch die Aufnahme derHeroldsfiguren gründlich beseitigt.

1) Beide Rochow'sche Siegel nach Zeichnungen ausdem Nachlass von F. A. Vossberg im Kgl. Geh. Staats-archiv zu Berlin.

2) Ciiche aus v. Schönberg, Gesch. des Geschlechtsvon Schönberg Bd. IL S. 66. Wappentafel 1. B.

Wie wir oben (S. 75) gesehen haben, waren dieHeroldsbilder Figuren, die ursprünglich dem Wappen-wesen fremd, zumeist mit dem Schilde in dasselbe ein-gebracht wurden. Ein seiner Entstehung nach gänz-lich willkürlich gewählten Schildschmuck wurde dankder Bedeutung, die der Schild gegen Ende des 12. Jahrb..erlangte, zum vererblichen Wappen, soferne er nachOriginalität und Regelmässigkeit der Anordnung dazugeeignet war.

Wir haben an Beispielen gesehen, welche gewaltigeConcurrenz die Heroldsflgur dem eigentlichen Wappenmachte. In vielen Fällen wurden beide im Schildeunirt, oft wurde das Wappen ganz verdrängt, wenndas Gebiet des Wappenherrn nicht gross genug war,um den concurrirenden Bildern die Repräsentation einesLandes, einer Herrschaft besonders anweisen zu können.Man darf aber nicht glauben, dass bloss die Neu-heit der Sache diese so mächtig gefördert habe. Eskamen hauptsächlich zwei Umstände hinzu , welche derEntwicklung des Wappenwesens in der angedeutetenRichtung Vorschub leisteten. Einerseits war die Far-benwirkung der Heroldsfiguren, deren natürliche Be-dingungen längst ergründet waren (Farbengesetze) eineprächtige. Der praktische Zweck des Wappens imHeerwesen wurde durch die Anwendung der Herolds-bilder erheblich gefördert.

Demnächst erhielt das Wappenwesen durch dieHeroldsfiguren mit einem Schlage das Mittel, die Zahlder Wappenverschiedenheiten bis ins Unendliche zu ver-vielfältigen. Die deutlich wahrnehmbaren Versuche,besonders häufig vorkommende Wappenbilder z. B. Ad-ler, Löwen durch Zusätze unterscheidender zu machen,lassen erkennen, dass man die bisherige primitive Ein-fachheit der Wappenbilder sehr störend empfundenhatte.

Somit kam die Heroldsfigur als deus ex machinagerade zur rechten Zeit, um dem stark bedrohten Wap-penwesen neue Bahnen der Entwicklung zu eröffnen.

Die Neuerung hatte aber nicht bloss die Wirkungden Bestand des W r appenwesens zu sichern, sondernsie legte auch den Grund zu einer kunstmässigenEntwicklung desselben. Es sind nicht mehr allge-meine Rücksichten optischer und mnemonischer Zweck-mässigkeit, welche die Bildung der Wappen bedingen;der Gebrauch erzeugte in kurzer Zeit gewisse heraldi-sche Regeln, deren Fassung wir zwar nicht kennen, diewir aber mit grosser Consequenz angewendet finden.In späteren Jahrhunderten bildet die Lehre von denHeroldsfiguren den Kern der gesammten Wappenwis-senschaft.

Durch den Nachweis dieser Zeitrichtung wird dieGeschichte der Wappen-Vererbung sehr vereinfacht, weilwir nun nach Motiven für manche Neuerung nicht mehrzu suchen haben. Einige derartige Fälle werden indiesem Capitel erwähnt werden.

Schon im 13. Jahrb.. finden wir die verschiedenstenFormen von Heroldsfiguren.

Siegel III. B 2. a. des Barchard von Brietzen aneiner Urkunde des J. 1219 im Staatsarchive zu Berlin.(No. 165)

Ich kann nicht mit Vossberg der Meinung sein,dass der Ritter in diesem Siegel den hl. Moriz darstelle.Dreieckiges Siegel IV. A. 2. des Rudolf von Orum-bach (im hessischen Odenwald) an einer Urkunde von1245. Umschrift:f S(igi)llvm Rv{Aohfi de 0(uinb)acA".Der Schild ist einmal gespalten und zweimal getheüt 3 ).(No. 166). Wahrscheinlich ist dieser Rudolf der Stamm-vater des Geschlechts v. Rodenstein.

Seine älteren Brüder Otto und Konrad genannt

3) Correspondenzblatt des Gesammtvereins 1875Nr. 6.