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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IL 2.

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Das Einhorn.

Die Wortverzeichnisse des 11.13. Jahrhunderts(die Zwifalter und die Leipziger Glossen) identiftcirendasrinoceros" mit demainhurne". Wenn dem so ist,wenn wirklich beide Thiere identisch sein sollen, dannhat die Naturlehre des Mittelalters eines der hässlichstenThiere der Schöpfung bis zur Unkenntlichkeit idealisirt.

Der Physiologus des 12. Jahrb.. erzählt:

Ouch ist ein tier unt heizzit einhurno . uon demezellit physiologus . daz iz suslich gislähte habe.

Iz ist lutzil tier . unte ist deme chitzine gelichunte ist uile ehfine

Iz habit ein hörn an deme hobite . nehein mannimag in giuahen neware mit disme liste

Man nimit eine magit unte leittit si in die

stat . da der einhurn emzige wisit unt lazzit sie eine da

So der einhurne si gesihit so springet er in ir barm

unde slaffet . so wirt er er geuangen unde leitet man

in zu des chuniges phalinze"

Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht (12. Jahrb..):5578 kuniginne riche

sante mir ouh ein tierdaz was edele unde herdaz den carbunkel tregetunde daz sih uor di magit leget,monosceros ist ez genantder ist luzzil in diz laut.5585 dar zo ne frumet nehein iaget

Man sol iz uahen mit einer magit.sin gehurne daz ist freisamda ne mac njwit uor bestanDesgleichen Wolframv. EschenbachimParcival(YZ\'2)482, 24 ein tier heizt monicirus:

daz erkennt der meide rein so grözdaz ez slaefet üf der meide schöz.wir gewunn des tieres herzenüber des küneges smerzen.wir nämen den Karfunkelsteinüf des selben tieres hirnbeinder da wechset under sime hörnAm ausführlichsten ist Rudolf v. Ems in der Welt-chronik (1230):

Da sint och einhurnen

Den in der welti nieman

Mit mannis kraft_bitwingen kan

So starc ist er vn also balt.

Sin lip ist als ein ros gistalt.

Hirzes hoibit hat ez vor..

Sine site sint vnsvize.

Er treit helfandis foize

Er ist gizagil als ein swin

En mitten an der stirne sin

Hat er hörn reht als ein glas

Veir foize la(n)c . als ich ez las.

So starc . zornic vn so veirIst ez vn also vnvirzagit.Dz ez niht wan ein reinv magitGivahin mac. swie daz geschiehtDz er die magit vor ime sihtSizen so wirt sin milte groz.Ez legint sin hoibit in ir schoz

Vn rvwet bi ir schone

Ir kuschekeit zi lone.

Sus vahit man in vf ir lip.

Ist abir dz si ist ein wip

Vn megide namen ir silbir git.

So let er si ginesin niht

Vn zeigit an ir grozen Zorn

Durc si so stichet er sin hörn.

Zum Schlüsse fügen wir noch einige AeusserungenConrads von Megenberg (1350) bei:

Unicornus ist ain ainhürn und ist ain klain tier,sam Isidorus spricht, gegen seiner grözen kraft, ez hatkurzeu pain zuo seiner groezen. ez ist gar scharpf undhärwe, also daz ez kain Jäger gevähen mag mit gewaltaber sam Isidorus und Jacobus sprechent so vaeht manez mit ainer käuscheu junefrawen.......

Daz tier bedäut unsern herren Jesum Christum."

Auf einem gestickten Antependium (vou 1520) dieVerkündigung Maria darstellend, ist die Jungfräulich-keit der Gottesmutter durch das halb auf ihrem Schosseruhende Einhorn symbolisch angedeutet 1 )

Das zornige Einhorn, welches man mit keines Man-nes Kraft bezwingen kann, das aber sein Haupt in denSchoss einer reinen Magd legt und sich von derselbenfangen lässt, war ein ganz vortrefflich geeignetes Wap-penbild für dieminnegehrenden" Kitter des Mittelalters.In der That finden wir bei den Dichtern vielfach bestä-tigt, dass das Einhorn als Wappenbid diesen Sinn hat.

So sagt Albrecht v. Scharffenberg (1272)

3978 Der fürt daz einhurne durch daz in vienc die

minne

Verschiedene Thiere.

Ich lasse nun eine Reihe anderer, für das Wap-penwesen minder bedeutungsvoller Thiere Revue passie-ren, zunächst den Hund.

Konrad v. Megenberg (1350) bemerkt über denHund:

Jacobus spricht, daz die hund gelernigiu tier seinzuo allen spiln und wie daz sei, daz sie gern släfen,jedoch behüeten si irr herren häuser wachend, si ha-bent ir herren so liep, daz si oft umb si ster-bent."

Später hat er noch ein Kapitel r von dem Rüden":

Molosus haizt ain rüd. daz ist ain grozer hunt,sam man si gar gröz vint in Lamparten. Adelinusspricht wie daz sei, daz daz tier starch sei und grau-sam, also daz ez alle laut anvall, doch erkennt ez derkind Unschuld und ir kranchait und fleugt ir sieg, dazhän ich selb gesehen von unsern rüde ze Megenpergund anderswä"

Heinrich v. Veldeck, Eneide (11841186) beschreibtden Lieblingshund der Frau Dido:61, 18 fürde frouwe Didö

einen bracken vil gereht,

den enliez si deheinen kneht

gestreichen noch geruren

si wolden selbe füren

daz entet si niht dorch not

daz ein öre was im rot,

daz ander swarz und der munt.

ez was ein vil edel hunt

und was wiz alse ein härm.Die folgenden Paragraphen sind, soweit sie mit einemSterne bezeichnet sind, dem Ruche des Konrad v. Me-genberg entnommen:

* Von dem Esel.

Asinus ze latein haizt ze däutsch ain esel . daztier waiz niht krieges, wan ez gar fridsam ist :under herten straichen ist ez säuftig und guetig . eztregt gar swerer pürd auf im . daz sint diu lob diu deresel hat . aber seineu laster sint, daz er unkäusch ist. er ist binden sterker dan vorn, er hat ainen traegenganch und ist unvernunftig : er weicht nieman t,der imbegegnet . die jungen esel sint in der jugent

1) Hildebrandt, heraldische Meisterwerke Taf. 6.