Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
154
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

154

Geschichte der Heraldik. IL 2.

Die Einen behaupteten die Identität, die Andernhielten den Leopard wahrscheinlich des Namenshalber für ein Bastardthier vom Löwen und Parden,welches für Zwecke der Jagd, um andere Thiere damitzu fangen, zähmbar sei 1 ).

Damit stimmt eine Anführung des Albrecht v. Scliarf-fenberg (Titurel), welcher meint, dass der Tiger nach demFlusse Tigris genannt sei, und dass derselbe nur vonedelen Fürsten gefangen werden könne, jedoch:1644 mit lebarten muzzen sie ez hetzen.

Diese Stelle liefert für das 13. Jahrhundert einenBeleg über die herrschende Ansicht von der Natur desLeoparden.

Eine weitere Bestätigung finden wir im Lied vomKönig Laurin wo es heisst:

225 ez 2 ) fuorte ein goltvarwen schiltder wart mit speren nie verziltdar an von golde ein lebartsam er ouch wolte an die vart:also stuont er sam er lebete230 und nach anderm wilde strebete.Die Stelle ist augenscheinlich sehr verdorben, (gol-dener Leopard im goldenen Schild!!) doch steht derInhalt der gesperrt gedruckten Zeilen, auf die es unshier ankommt, unzweifelhaft fest.

Den Leoparden finde ich als Wappen zuerst beiHeinrich v. dem Türlin (firone um 1220):Ein wäfen, daz gelobet wartdaz waz ein richer lebartüf zobel von härm gesniten.Der Fleier erzählt im Garel (ca. 1280):68 die von Merkanie sach man chomen

Die zogten nach ouf sinen sla70 der vanen was wciz vnd plä

Ouz den plaben teile gap liehten schinein liebarte weiz haerminIn den weizen teile ein liebart plader vane der was anderswa75 Geplumet mit rotem golde.Conrad v. Würzburg giebt im Troj. Krieg demAjax folgendes Wappen:37278 ouch trouc er einen tiuren schilt,der gleiz von margaritener schein da bi den zitendurliuhtic rot als ein rubinund was ein lehparte dringeleit von golde schöne,des houbet eine krönevon smaragden ufe truoc.Im Turnei von Nantheiz, wo Conrad v. Würzburgnur historische Wappen beschreibt, nennt er die Wappen-thiere des Königs von England Leoparden:Mit golde lieht von Aräbinwas im sin velt bedecketund wären drin gestrecketentwerhes dri lebarten u. s. w.dagegen sagt er:

Tiger haizt ain tiegertier. daz ist fleckot mitmangerlei varb. daz ist wunderleich kreftig und snel.daz wirt geporn in Hircania sam Isidorus und Jeroni-mus sprechent. diu tier sint gar grimmig. . . .

Aristoteles spricht, daz daz tier an vil dingen demohsen geleich, ez ist etswie vil röt und ist sein flaischSuez, dar umb vaeht man ez."

1) Die Panther sind, wenn sie zeitig ihren Mütternweggenommen werden, allerdings zähmbar. Der Rei-sende Dr. Hans Meyer erzählt von einem solchen Jag d-panther aus Bangalur in Indien, der als Rattenfängerund Antilopenjäger vorzügliche Dienste leistete.

2) nämlich das Gezwerg!

von Brünswic des herren schiltda zwene löuwen üf gezilt u. s. w.Ganz dieselben Aussagen werden im Beinfried vonBraunschweig (um 1300) gemacht. Bezüglich des eng-lischen Wappens sagt der Dichter:von rubin lägen drin gespreitentwerhes dri leparten.Von den Herzogen von Braunschweig dagegen:si fuerent noch an dirre zitzwen löuwen und niht einen.In Apollonius von Tyrland des Heinrich v. Neu-stadt kommt der Leopard mehrmals als Wappenthier vor :Altistrates von hoher artTrug den starken libartEr was küen und muteIn ainem roten schilte17920 Der libart was von goldeGeslagen als er woldeSi triben auff ainander her 3 ).Ferner:was ein samit von Baldachröt als ein rose von art18105 darouf was der lebart

gemachet meisterliche genuocals in Atlianagoras truocvon rotem gold von Arabi.Im Bosengarten des 14. Jahrh. kommt der Leopardals Helmzier des Heime vor478 her ginc in den garten, her trüc

da dorch ein strich von

einn grunnschilt an der hantgolde: da bi was herbewart:her fürte üf sime helme ein bunten lepart.Die Unterscheidung des Leoparden vom Löwen istin der Sphragistik um so schwieriger, als der Leopardden Siegelstechern nur vom Hörensagen bekannt warund nahezu in jedem einzelnen Falle die zu einer Classegehörenden Thiere die grössten Verschiedenheiten auf-weisen.

Sig. IV. A. 1. des Truchsessen Eberhard v. Wald-burg an einer Urkunde des J. 1223 l ); drei Leoparden,welche (nach dem Fürsten Hohenlohe) aus dem WeifischenWappen stammen sollen.

Nr. 136.

3) Handschriftlich mitgetheilt von Herrn Prof.Strobl.

4) Fürst Hohenlohe, spkrag. Aphor. S. 36, Nr. 106.Anz. f. K. d. d. V. 1875 S. 309. Das Cliche verdankeich Sr. Durchlaucht.