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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 2.

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Tarn nennt es dasreine Thier" (wie Rudolf v. Emsdas Pantier) und erzählt im Parcival 736,9:er truog ouch durch prises lön10 tif dem helme ein ecidemönswelhe würm sint eiterhaft,von des selben tierlines krafthänt si lebens decheine vrist,swenn ez von in ersmecket ist.Albrecht v. Scharffenberg sagt im Jüngeren Titurel3111 Drizzic kvnige Stent begarwe. an einem briefe

svnderDie dines vanen varwe. warten svln dar inne daz

edel kunder,Ecidemön so spilnde vert mit gvfteDie werlt von im gereinen wirt. wan dieedlen kraft gibt ez dem lvfte3312 So singent vns die blinden, daz seifried hvrnein

were.-Man sieht, dass sich Albrecht über die Naturlehreseiner Zeitgenossen lustig macht und an die Kraft desEcidemön so wenig glaubt, wie an den hörnen Seifried, eine für das 18. Jahrhundert auffallende Ketzerei.

Was mich in der Meinung, dass wir im Ecidemönnur das mit einem fremden Kamen begabte Pantier voruns haben, bestärkt, ist der Umstand, dass Wolframdas Ecidemön dem Feirefiss Anschewein zutheilt, demSohne Gahmurets von der schwarzen Königin Belankane.Denn das Wappen der Könige von Anjou ist in derLiteratur der Minnesänger eben jenes Pantel! Ich"werde in dieser Meinung nicht irre, wenn ich anderseitssehe, dass Wolfram das Ecidemön als ein dem Feirefissaufgetragenes Minnekleinod bezeichnet.

Eine Bestätigung liefert das auf S. 85, Nr. 37 mit-getheilte Bild aus einer Handschrift des Parcival: dasdort im Schilde des Feirefiss erscheinende Thier kannwohl am ersten als Pantier angesprochen werden.

Das namenlose Thier von Roymuut im Wigaloisdes Wirnt von Grafenberch (1212) scheint mir auch einPantier zu sein:

3851 Niemer wirt dehein tae

Man sehe für daz hus gan

Ein tier, daz ist so wolgetan

(Und wil ich im der warheit jehen

Daz ich niht Schoners hau gesehen)3856 Ich sagiu, wie ez geschaffen ist

Ez hat unser herre Christ

Sinen fliz dar an geleit

Daz tier uf sinem houbet treit3860 Eine guldine kröne

Diu ist bewahsen schone

Mit zwein swarzen hörnen.

Mit beiden orten vornen3865 Daz wir niht erkunden

Mit deheinen unsern sinnen

Si da von gewinnen

Ob ez uns sin wol gunde,

Ez hat in sinem munde3870 Die hizze als ich ez han vernomen

Daz niemen mac dar zu komen

Der im iht schaden wil

Nr. 136.

Von sinem houbet ist ez gar

Geschaffen als ein liebart.In der Wappenkunst hat das Pantier ungefähr dieStellung des Löwen, aus dem Rachen dringenFlammen hervor, mit denen man den wunderbarenAthem des Thieres andeuten wollte. Häufig ist derKopf des Thieres gehörnt.

Das Pantier von Steiermark sehen wir im Siegeldes Herrand v. Wildon, welches oben unter Nr. 96 ab-gebildet ist.

So das Pantier bei Grünenberg (als Wappen des fmtg»on 2lftgorbya »nbcrm grofen tan) Tat XXXVII. Dieaus dem Munde schlagenden Flammen sind roth, dieBewehrung im Uebrigen gelb.

Schon der Herold Hüxner (1536), allerdings derUnwissendsten einer, kennt das Pantier nicht mehr.Einmal blasoniert er es als Bock (in dem fabelhaftenWappen des Herzog Welpho in Bayern nnd zu Spolet:zwen rot Bock in weissem felde) dann alsdas Thier"(Ingelstatter Wapen, das Thier blauw, die Ohren, Zungvnd klahen rot, in weissem Schilt). Als Bock hat esHörner und vorn Adlerfüsse, als ,Thier" keine Hörner,dagegen aus dem Maule hervorbrechende Flammen undAdlerfüsse als Vorderfüsse.

Die spätereWappenwissenschaft" hat die heral-dische Existenz des Pantiers überhaupt geläugnet unddas Pantel vom Steier als Stier 1 ) redend machenwollen I Diese Versuche halte ich für abgethan.

Der Leopard.

Schon lange vor den Zeiten des Konrad x>. Megen-berg (1350) hatten die Naturlehrer den wirklichenPanther kennen gelernt, den sie indess für ein nebendem fabelhaften Pantier existirendes Thier hielten.Konrad belehrt uns in dem (Japitel von dem pardein folgender Weise.

Pardus haizt ein pard. daz ist ain tier mänigvir-big sam daz pantier, als Jacobus spricht, wann ez hatvil fleck an seiner haut, der ist ainr weiz, der anderswarz, der dritt rot, der vierd gel . . . der pard sihtkrums und gar scharpf. er ist auch gar ungestüem undgrimm seins muotes "

Zweifelhaft war es noch, ob der Pard und derLeopard identisch. Konrad v. Megenherg meldet:(38 von dem Leoparden):

Leopardus ist ain tier geporn von dem lewen undvon dem parden. der weip sint sterker wan die man undkuener . . . der leopard wirt zame etswenne, aber erwirt nümmer so zam daz er seiner grimmichait vergezz,doch wirt er so zam, daz er zuo jagen guot wirt, alsodaz man ander wilt dermit vaeht.......

etleich waenent, daz der leopard und der pard aintier sei und zwen »amen" 2 ).

1) Zuerst S. v. Birken in Fnggers Ehrenspiegel(Nbg. 1668).Es ist vermuthlich das uralte Wappendieses Landes (Steyr) nämlich, das aufrechte weissePanterthier im grünen Feld aus ohren und rächenfeuerflammend, vorzeiten ein Stier gewesen sey: wiedenn solche Wappenverkehrungen . . . nicht unge-wöhnlich."

2) Obgleich der Tiger in der alten Heraldik nichtvorkommt, so sei doch die Abhandlung des Konrad v.MegenbergVon dem Tigertier" der Vollständigkeithalber hier mitgetheilt: