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Geschichte der Heraldik. IL 2.
In der Darstellung von dem heraldischen Löwenerheblich abweichend ist der Löwe als Sinnbild desEvangelisten Marcus, wie er z. B. im Wappen der StadtVenedig vorkommt. In Deutschland scheint dieser Löwenur als Siegelbild vorzukommen.
Siegel IL B. des Wilhelm von Schönhauser Propstdes Nonnenklosters zu Spandau, an einer Urkunde desJ. 1347 im Geh. Staatsarchiv. Umschrift: „ t S.' Wil-helm] * Te * Schonhvsen". Das Siegel enthält den ge-flügelten Löwen des St. Marcus mit Heiligenschein undSpruchband.
Nr. 134.
Das Pantier, Pantel.
Die Naturlehre des Mittelalters kennt ein Thierunter dem Namen „Pantier* oder „Pantel", welches mitdem Panther Her positiven Naturgeschichte nicht ver-wechselt werden darf. Das Pantier, wie es aller-dings nur in der Vorstellung der Alteu existirte,hat eine in der Sphragistik genau nachweisbare Gestaltund eine eigenthümliche Natur, die wir zunächst an derHand der Quellen kennen lernen wollen.
Der Physiologus 1 ) des 12. Jahrhunderts erzählt:
Darnach ist ein tier heizzet panthera mit miss-licher uarwe. iz ist scouer uarawe. mit nil mamendi.
Man lisit uon deine seihen tiere daz iz uiant siden trachin.
So daz selbe tier sich gisatet uon den manich faltintieren. dei iz fahit. so legit iz sich in sin hol. unt släfitdri tage, so stat iz denne üf. unt rohot uile starche.von deme chumit solich stanch. daz nieht im gilichissuzzi nist.
So danne diu tier die dar umbi sint gihorint sinestimme, so saminent si sich durch die sfizzi des stanchis.unte uolgint dem tiere suar iz ferit.
unzenartig, und sogar fuchsartig, denn löwenmässigdargestellt worden.""
Undenkbar ist ein Missverständnjss, da die frag-liche Darstellung'Jahrhunderte hindurch fast ausnahms-los als Regel erscheint; also ist hier nach dem Grundeeiner Absicht zu fragen. Die Unze ist als nur ame-rikanisches Thier ausgeschlossen; das mähnenloseThier mit dem untergeschlagenen oder ausgestrecktenSchwänze kann nur eine Katze sein sollen, keinLeopard."
Ein tigerartiges Thier unter dem Namen uncawird in einer um 1200 verfassteil Beschreibung desHeiligen Landes erwähnt: „Animalia autem plurimahabet eadem terra: sunt ibi leones, pardi, et animalseuissimum, quod appellatur unca, a cuius sevitianullum esse potest tutum, sicut dieunt leonem terret.Sunt et ibi papiones, quos appellant canes silvestres,acriores sunt minus quam lupi (? unverständlich). Suntibicameliet bubali habundant." OesterreichischeVierteljahrsschr. f. kath. Theologie V. S. 275 f.
1) Nach einer Zeichnung aus dem Nachlasse vonF. A. Vossberg im Kgl. Geh. Staatsarchiv zu Berlin.
2) Herausgeg. von Massmann, deutsche GedichteBd. IL
Der trache so er sine stimme gihorit. so birgeter sich in sinme loche, daz er nimegi iirnemin diesiizzin stimmi. die dei anderen so minnent so ligit eralso er tot si.
Same tet der heilige Christ ....
Das ebenfalls dem 12. Jahrhundert angehörendeAlexanderlied des Pfaffen Lamprecht sagt:6024 ouch lutte an der stunden
daz herliche tier
mit der stimmen aisein pantier
dem get understunde
ein adem uz dem munde
suzer dan wirouch.In der Weltchronik des Rudolf v. Ems (um 1230)heisst es
Man vindet och in yndia
Panteir. vn Tygris div sint da]
Dz panteir lebit in solchir art
Dz siechv teir vf sine vart.
Werdent in vil kurzir stunt
Von siner r e i n k e i t gesunt
Die sin a t e m zi aller zit
T ° ■ * 1 o. . ..
In svizes smakes svizi git.
Wan ez in keine spise zert
Audirs wan dz es sich nert
Mit den reinsten wrzen gar,
Die diu erde ie gibar,
In dem lande vn anderswa.Conrad v. Würzburg (f 1287) vergleicht das Pan-tier mit Gott:
Daz pantier ist dir gelich
daz mit sinem smakke
maniger suezekeite rieh,
vueget, daz der trakke
sunder wider strit
tot von ime gelit.Hugo v. Langenstein giebt im Leben der heil. Martina(1295) eine Erzählung von dez pantieres nature, derenMittheilung hier unterlassen werden darf, da sie imengsten Anschluss an den Fisiologus und unter aus-drücklicher Berufung auf denselben nur bekanntesreprodneirt.
Dagegen möge das Capitel von dem Pantier ausConrad v. Megenhergs Buch der Natur (1350) einigerAbweichungen halber hier folgen.
„Panthera ist ain tier mangerlai varb an dein leib,sam Sölinus spricht, und ist gar schön, reht sam ezgemalt sei mit klainen kraizlein. der sint etsleich geloder goltvar, die anderen weiz oder anderr varb. daztier ist gar sänftig und hat neur ainen veint, dentracken. wenn ez gizt und sat wirt von mangerlaiezzen, so verpirgt ez sich in sein hol, sam Aristotelesspricht und slaeft drei tag. dar nach stet ez auf vondem släf und schreit gär ser. daz hoerent andreu tierund samnent sich zuo im durch des süezen smackeswillen, der auz im get. aber si erschreckent von seinemanplick, so verpirgt er sich, so volgent si aber seinersüezen also lätt er si und straft sein gest, wan er friztetsleichen . . . etsleich sprechen von dem pantier dazez auf der schultern ain ffeckel hab geleich des mönngestalt und daz ez wachs etswenne, unz ez sinbel werdund sich wandel nach des mönen andrung. der trackfiirhtet sein stimm und kain tier mer."
Das Wesentliche der Natur des Pantier ist also dieFeindschaft gegen den Drachen, und der süsse, heil-bringende Athem, den es von sich giebt. Beide Eigen-schaften theilt es mit dem bisher räthselhaften „Ecide-mon", das sich, wenn ich nicht irre, nur bei Wölframvon Eschenbach und seinem hämischen und ungeschicktenNachtreter Albrecht von Scharffenberg vorfindet. Wolf-