Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
150
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

150

Geschichte der Heraldik; II. 2.

zwei Fragmenten, von denen das eine dem 13. Jahrh.,das andere dem Jahre 1323 angehört: Umschrift: (Sigil-lum ci) vi (um colo) nie marchionis Brandebvrgen (sis).Das Siegel enthält den brandenburgischen Adler ').

Der Adler des Evangelisten Johannes wird nie wieder heraldische Adler, sondern natürlich, mit Nimbusund Rolle zwischen den Füssen (das Evangelium an-deutend) gezeichnet.

Rücksiegel des Bischofs Albert III. von Meissent 1312 2 ).

Das Sigillvm CuentO (C'onventus^ Sc. Johis. InMichelueld enthalt einen menschlichen Eumpf mit Vogel-kopf, den ein Heiligenschein umgiebt, und mit Flügeln,eine seltsame Verbindung des heil. Juliannes mit seinemHeiligen-Emblem 3 ).

Der Löwe.

DerPhysiologus* , aus dem 12. Jahrhundert, er-zählt von dem Löwen:

Ditze bftch redenot mite zellet michilen wistum u o ntieren unde uon fogilen aller erist uon dem Iewen,wie siniu dinch gilegeu sint.

Do der alte iacob sinen sun gesegenote unde ge-willte, do choder. weif des leweu. bis tu iuda. wer scolirwekchen uon dineme geslahte einen man. wer. ane got.

in drittiu gescepflde ist. daz diu lewin daz weiftotez erwirfet. so hütet si des welfes dri tage, unzeder uater chumet au denie dritten tage, so blasit er indaz ansüne des jungen unde machet iz lebentich."

Durch den letzten Satz erklärt sich eine seltsameDarstellung auf dem Siegel des Johann voii Borchvom J. 1323 4 ): ein natürlich gezeichneter schreitenderLöwe als solcher kennzeichnet er sich durch dieMähne beugt sich mit geöffnetem Rachen und aus-gestreckter Zunge nach seinen Jungen herab: er blästiu ihr Antlitz, um sie in das Leben zu rufen 8 ).

Ein ähnliches Bild zeigt das Convents-Siegel desAugustiner Mönchs-Klosters zu Königsberg iu der Neu-

1) Nach einer Zeichnung aus dem Nachlasse vouF. A. Vossberg im Kgl. Geh. Staatsarchiv zu Berlin.

2) Cod. dipl. Sax. Reg. II, I.

3) Der Originalstempel befindet sich im Germani-schem Museum zu Nürnberg.

4) Abgebildet iu den Fegesteu der Herren von Borchim Erzbisthmn Magdeburg; herausgeg. von L. v. Borch(o. 0.) 1872. 8.

5) Staatsarchivar Dr. MecJcelbitrg bezeichnet in einerKritik, die iu der, in Note 1 bezeichneten Schrift S. 13 ff.abgedruckt ist, das Siegel als ein Amtssiegel Johannv. Borch war Domtressler zu Magdeburg. Er sagt wört-lich :die Löwin, die ihre Jungen emsig pflegt, zeigtdie nahe liegendste Beziehung auf den Tressler, der denKirchenschatz zu hüten hat." Ich kann dieseBezieh-ung" durchaus nicht nahe liegend finden. Als Amts-siegel lässt sich das Siegel auch nicht bezeichnen, weildas Bild desselben kein bleibendes, sondern ein persön-liches und willkürlich gewähltes Symbol ist.

mark an einer Urkunde von 1312. Das Bild beschreibtVossberg nicht ganz richtig:zwischen vier Rosetteneine Löwin mit drei laufenden Jungen; darüber zwischenzwei Sternen ein gekröntes Brustbild, also das Königs-berger Stadtwappen. Die Umschrift lautet aufgelöst:S. Conventus Fratrum Heremitarum Ordinis SanctiAugustini in Konigesberg 6 ).

Den Löwen mit den Jungen in ganz ähnlicher Dar-stellung führt 1348 Franz Ramschüssel Priester zuGoldberg in seinem Siegel ").

Thomasin v Zirclaria (1210) erzählt:12385 Der lewe der hat einen site

daz man im vüert einn hunt mite:wan ob er ze deheiner stuntunreht tuot, man sieht den huntda mit ist er gezühtigt wol,12390 daz er tuot daz er sol

alsam sol ein herre tuon.Hugo v. Langenstein beschreibt in seiner Martina(1293) des Löwen natvre wie folgt:173,d. 89 Swenne so der lovwe ligetUnde sines slafes pfligetSo sint im ane lovgenStete offen div ovgenEin ander nature er hatSwar so der lovwe gat95 Daz er nach im zvhetDen sweiz so er fluhetDie ieger vnd ir listeDaz er den lip gefristeUnd verstrichit der fuoze spor100 Swar so er lovfet vor

Daz er niht werde vermeldet.

Konrad v. Megenherg (1350) erzählt endlich:

Leo ist ain künig aller andern tier, sam Jacobusund Solinus sprechent. daz tier hat niht untrew nochvalscher list an im. des lewen manhait bedäut uns seinStirn und sein sterz .... leena daz ist des lewen weib.diu gespirt des aller esten fünf welfel, dar nach viereu,des dritten dreu, dar nach zwai ....

etleich sprechent, daz der leo von seinem aigen zomsterb, so gar hitzig wirt er in im selber wenne erübermaezicleichen zürnet."

Der Löwe war sonach ein echtes Sinnbild des altenRitterthums: stark, mannhaft, grossherzig, grimmig.Er war ein sehr beliebtes, zugleich auch ein sehr an-spruchvolles Wappenbild. Die Wilkina-Sage (um 1300)erzählt, dass nach alter Sitte niemand in sei-nem Schilde einen Löwen führen durfte, derjemals zu fliehen gedachte. Hiezu passt vortreff-

6) Märkische Siegel Heft 1, Taf. E. 1.

7) Zeichnung im Nachlasse von Vossberg, im Kgl.Geh. Staatsarehiv zu Berlin (Fase. V, 3).