Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
149
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Heraldik. II. 2.

149

darzuo hat er gegen vienden wol des edelen

löuwen muot 1 ).Albrecht v. Scharffenberg, Titurel (1272):1954 Durch adel den adelare vnd durch milde in

Artus fürte4483 * * *

Von dem aren den artus da bringetDer mit siner milte vil manige hohe werdfkeit

erringet* *

*3449 Von assim alexander. ein pfelle rot von golde.Ein swartzer ar niht glander. bekrönet wol da-

rinne sweben soldeWan er kann alle vogel vberfliegen.Conrad v. Würzburg, Engelhard:2742 er tet alsam der adelar,

der kleiner vögele niht engert.Hugo v. Langenstein, Martina, 1293:107.41 Och ist der adelar

Für ander vogel milte garSwaz er spise beiagetMit frigem muote vnverzaget45 Daz lat er vnvergezzinAlle vogel mit im ezzinDur die muten sitteVolget im vil vogel mitteAls div schritt bezivget50 Kein vogel so höh ilivgetAls der adelar wol gemuot.Der Adler war demnach durchausSinnbild für arme Bitter. Ein solcherer den Adler geführt hätte, dem allgemeinen Spotteausgesetzt haben. Thomas v. Zirclaria sagt 1216:Swen diu milte ist an geborn,ist er arm, er hat verlornsiner brieve insigel gar1400 da von geschult, daz ist war

daz man dem brieve geloubet nihtda manz insigel an niht siht.Einen Ausfall dagegen auf einen Fürsten, der wohlreich war, aber nicht Milde übte, daher seinem Wappen-vogel Unehre machte, begegnen wir im Jüngeren Titureldes Albrecht v. Scharffenberg (ca. 1272):

1824 Wie sich da zimierte, iener dierr der alt vnd

ouch die kindeDaz seit ich ev gerne ob ichs hekandeIch nenne ir nit besunder, dann artus den wirt

von dem lande

1825 Der adelar ist gezweiet, an siten von natnreMit grozzer milte er heiet der vogel viel doch

wirt etlichem svreeWeihen er begriffet mit den fvzzenEr trittet ie vf den nehsten, vnd let die andern

alle hvnger bizzen

1826 Nv was der eren blvme, artvs in solher milteSinem hohen adel zv rvme, fvrt er den adelar an

sinem schilte

Halp vor her dan zagel vnd fvzze enberende

e

Der snabel trvec die milte, die fvzzewaren vogel todes gerende.

kein geeigneteswürde sich, falls

1) Weiter rühmt er, dass die Kurfürsten keinenzum Römischen König kiesen, der dem LandgrafenHermann nicht genehm wäre:

Daz sähet ir an keiser Otten da von Bruneswik:

den schiet er von dem riche, er tet in maniger

ehren vri

Diese Aeusserung ist ein werthvoller Anhalt, zurBestimmung der Zeit, in welcher der Sängerkrieg ge-dichtet worden ist.

Der Adler sei nur mit dem Munde milde,(er speist mit Worten ab) während er mit denFüssen der Vögel Tod gehrt.

Ich zweifle nicht, dass dieser Ausfall dem damaligenRömischen König Rudolf von Habsburg gilt, der es sichauch gefallen lassen musste, von dein Schulmeister vonEsslingen'*) in folgendem Gedichte abgekanzelt zu werden.Ir nemet des riches schiltes warden pruevet ordenlich (e dar):in golde ein ufreht adelarhat uf den schilt gestrekket sichseht, daz betratet hoch geburt, die solten küngeban.Der adel ar ist swarz gevarsin varwe ist griusenlich:her künik, ich sprich in nimme darwan vürht iuch kleine, dunket mich;ir gebt vrid, als ein geschiuwe in einer gerst en 3 )

sunder wan.Waeret ir versuocht, als des adelars kindelinswelz in die sunnen niht ensiht, daz tuot er hiniu waer alsam geschehen,ir waeret verworfen, ald ir mueset recht und

unrecht baz an sehenküng und adelar sülnt hohe sweiben daz ist sieht,her künk, nu sehtdaz waere des schiltes reht:sus zieht iuch ritter unde knehtir kloket ümbe ir huebel, als ümbe einen vulen

boum ein speht,ir sit kerger, dann der adelar: der schiltder wil iuch über an stan.Reimar v. Zweier singt:

ich waere ungerne uf de» heim ein ar,

der sich der milte wert;_

Sinen schilt den woldeich nie Hier zieren,

waer' ich an küniges stat ob andern

tieren,alse der löuwe mit der kröne:der baz künde v liehen, danne jagenunt lieze ich mich den gerne tragenso wurde mir der Hute spot ze lone.Siegel IV. A. 1. der Stadt Cöln ah der Spree nach

No. 129.

2) v. d. Hagen hält den Schulmeister von Esslingenfür denjenigenMagister Heinrich Schulrector oder Kin-derlehrer zu Esslingen" der in einer Urkunde vom Jahre1280 vorkommt.

3) d. i. Hasenscheuche!