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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 2.

Der Graf Leigamar von Sorgardä hat ein Tnrneiausgesehrieben und seine Tochter dem besten Ritter alsPreis versprochen. Gäwein kommt zu dem Turnei under wird von Fursensephin, der älteren Tochter desGrafen für einen Kaufmann ausgegeben, während diejüngere (Quebeleplus) diess als Lüge bezeichnet undden Ankömmling höher lobt, als den Freund ihrerSchwester. Deswegen geschlagen begiebt 'sich Quebe-leplus zu Gawein in dessen Herberge, um ihn zu bitten,dass er ihr Ritter sein und zur Rache den Freund ihrerSchwester, der eine Greifenklaue führe, hinterdas Ross über den Sattelbogen stechen möge. AlsKleinod lässt sie ihm ihren Aermel zurück.18587 Do sagt man üf dem palas

Den vouwen daz maere:

Wie Leigamar waere

Und Fiers von Arramis, der helt

Von einem recken üzerwelt

Uf dem turnoi gevangen

596 Der helt der waere unbekant

Und waere so umb in gewant

Daz in nieman künde erkennen

Unde ouch genennen18600 An wäfen noch an kleinöte

Wan daz er flamme röte

Ze wäfen üf swarz vuorte

Das man sie vil wenic spurte

Und ze kleinöte ein ermel wizG05 Dar an leite er grözen vliz

Daz er ime würde zerhauen.Sehr wahrscheinlich soll auch das Wappen mit demFrauen-Aermel im Erec Hartmann's v. d. Aue (1190)das Abzeichen eines Frauenritters sein, wesshalb dieserin mehrfacher Hinsicht interessante Fall hier zu be-handeln sein wird.

Die Schilderung Hartmann'x lautet:

Nu pruofte der junge man2285 drie schilte gelich

und driu gereite alsamelich

mit einem wäfen garwe:

doch schiet si diu varwe.

der ein hurtlich gnuoc was,2290 üzen ein liehtez Spiegelglas

vil verre glaste der schin

dar üf ein m o w e guldin

zuo der mäze so si solde

innen gar von golde.2295 der ander von zinober röt

dar üf er slahen gebot

ein mowen von silber wiz:

diu was geworht in solhen vliz

daz mans in so kurzer stunde2300 niht baz erziugen künde

und niender dem erren glich :

der was genuoc ritterlich.

also wart der dritte war,

von golde üzn und innen gar:2305 dar üf ein mowe zobelin,

daz diu niht bezzer mohte sin:

dar über ein buckel geleit,

von silber schöne zerbreit,

diu ris ze breit noch ze smal;2310 si bevienc daz biet über al:

des bestuont die mouwe

innerhalp ein frouwe

an dem vordem orte:

der schiltrieme ein borte2315 mit guotem gesteine:

des was er niht eine

si wären alle innen glich

die riemen alsamelich.

nu pruofte er nach der ahte2320 so er behendeclichest mähte

dri banier samenlich

eim ieglichen schilte gelich.Leider ist der Sinn der Reimzeilen 231113 etwasunklar, vielleicht durch Lesefehler eines alten Abschrei-bers verdorben. Der berühmte W. Giimm 1 ) liest

des bestuont der mouwe innerhalp ein frouwe äne

vor dem orteunter der Decke nämlich stand das Bild einer Frauals schildzeichen : es war nur an dem ende etwas davonzu sehen."

Mit Verweisung auf Kirchbergs Reimchronik (Mekl.Jahrb. 10, 29) vermuthet W. Grimm weiter, dass stattfrouwe houwe (Haue) herzustellen sei. Ich meiner-seits kann mich weder mit der einen, noch mit derandern Lesart befreunden. Die Beschreibung des Wappensist V. 2306 zu Ende, das Folgende bezieht sich aufdie Technik der Befestigung. Es ist nicht glaublich,dass Hartmann, der soeben von seiner Geschicklichkeitim Wappenbeschreiben einen Beweis geliefert hat, nochan letzter Stelle, ausser aller Ordnung einen wesent-lichen Theil des Wappenschmuckes nachholen sollte.Das Einzige, was mir wahrscheinlich und denkbar er-scheint, ist dieses: in der mouwe war ein Frauen arm,der nur an dem vorderen Orte sichtbar wurde. DenArm, eigentlich die Hand mit einem Theile des Vorder-arms, wird sich der Dichter auf den Schild gemalt ge-dacht haben; der Aermel, welcher ohne Zweifel ausfarbigem Tuch bestand, wurde angepasst und aufge-schlagen.

Zur Veranschaulichung mag das nachfolgende

Nr. 119.

Wappen des H. v. Lussenich aus dem Balduineumdienen.

Im Meleranz des Pleier wird ein ganz ähnlichesBild in ganz derselben Weise beschrieben! Eswird nämlich gesagt ein frowen ermel, der wasröt dar in was der frow.'en armgepriset.

Im Lanzelet (vor 1Ü00) kommt die mouwe einmalals Theil der Bekleidung eines Ritters vor: Lanzeletführt von dem besten saben (Leinwand)

......einen wäfenroc

fuort er und guldin schellen dran4430 er schein ein engel, niht ein man

an allem sime gereite.

ze einer hübscheite

fuort er sidin mouwen4435 swä erz in guot meinde

von kinde er wol bescheinde

daz er gemuot was unde snel.Denn aber auch als Wappen :6302 den dritten ritter sah ich tragen

von härm einen schilt wiz:

dar üf ist in allen vliz

ein mouwe von zobel gemacht.

1) Abh. der Berliner Ak. 1844 S. 293 Note 1.