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Geschichte der Heraldik. II. 2.
Das Gebiet der Heiligenlegende betreten wir mit demSiegel IV. A. 1. des Truchsessen An nov. Bodendik vom J.1258!) (Nr. 115): Hirsch mit Decke, darauf Zickzackbalken.In diesem Bilde möchte ich eine Anspielung aufdie Oswalds-Legende des 12. Jahrh. erblicken. Oswaldlässt nämlich für seinen wunderbaren Hirsch von Gold-schmieden folgenden Schmuck wirken:2278 und würket mir vier guldin klä
die wil ich minem hirze mit snuoren sidinbinden unden an die vüeze sin;(also sprach der vttrste höchgeborn)und machet mir zwei guldin hirzhorn,machet mir diu schöne mit vinem golt,wan mirs min hirz üf sinem houbete tragen sol.85 noch wil ich iu mere sagen:
ein guldin deckin muoz er haben,daz sie neben dem hirze ge üf d'erde.Auch der mit menschlicher Stimme begabte Rabedes h. Oswald möchte nicht ganz ohne Einfluss aufdas Wappenvvesen geblieben sein. In dem Liede heisstes nämlich:
dö sprach der rabe dräteherre nü volge minem rate;435 heiz balde springen
und einen goltsmit her bringenheiz mir beslahen daz gevidere minOswald, durch die ere dinallez mit guotem rotem golt440 dar umbe gip ime riehen solt;
unde heiz mir würekeu also schöneu f min h o u b e t eine g u 1 d i n e kröneOswald sagt zu dem Goldschmied:519 und würket mir also schöneuf sin houbet eine guldine kröneswenner komt under die beiden vridaz man sehe, daz er eines küniges böte si.Ein gekrönter Babe kommt in dem Wappen der v.C anste in vor. Dass hier auf den erwähnten Königs-boten angespielt werden sollte, ist um so wahrschein-licher, als eine Krone sonst nicht das Attribut diesesdiebischen Vogels ist.
Konrad von Würzburg giebt im Engelhard, einerim Mittelalter sehr beliebten Dichtung, dem Benivelfolgendes Wappen:2504 sin schilt geteilet was alsus.durch ganzer werdekeite soltwas er oben rehte goltund da niden läsürvarvon golde stuont ein adelarin dem blävven velde da.2510 da wider zwene lewen blain dem golde lägen dieund haeten beide ein houbet hiedaz für sich zorneclichen sach.
Nr. 116.
Das Bild des oberen Feldes, zwei von einander ab-gewendete Löwen mit gemeinschaftlichem Kopfe (jedochroth in Silber) führte das alte Begensburger Geschlechtauf der alten Muncz. (Nr. 116).
3. Capitel.
II «s IVIIiinekleinod.
Der Frauencultus des Mittelalters hat auf dasWappenwesen einen nicht unerheblichen Einfluss aus-geübt. In welchem Masse dieser Einfluss in der Heraldiknoch jetzt nachweisbar ist, wird der Verlauf der Unter-suchung lehren. Einleitend ist zu bemerken, dass wirin der Literatur des Mittelalters neben dem eigentlichenMinnekleinod, dem Pfand der Geliebten, welchesauf dem Schild, dem Helme oder einem anderen Theileder Rüstung getragen wurde, auch selbstgewählteAbzeichen der Frauenritter verfolgen können. Da je-doch die Fälle, die wir anziehen werden, nicht histo-risch sind, so liegt kein Interesse vor, die aufge-tragenen und die selbstgewählten Abzeichengesondert zu behandeln.
Zur Feststellung der Thatsache im Allgemeinendienen folgende Oitate:
In der Frauenehre des Stricker*) heisst es:560 haete diu werlt niht vvouwen
wä solle man ritter schouwen ?
wa bi würden si bekant ?
zwiu solte in danne guot gewant V
waz gaebe in danne hohen niuotV
und war zuo waere ir name guot ?
waz solte in immer mere
vröude, lop und ereV
sine gerten höher rosse niht
ir Schilde würden ouch enwiht,
in würden Schilde sam diu kleit;
elliu wertlich werdekeit
diu würde so ungenaeme.Albrecht v. Schar/fenberg, im Jüngeren Titurel (1272)dichtet:465 Der hinge ritter gerende, sint durch minne mit
heim uf gebunden.
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Da wart durch stechen beidenthalbe vil Schilde844 Dar an moht man schowen seltzene wunderErdaht durch die frowentier vogel maniger leie kunderWild und zam, gemachet harte spehe
wart ez durch wip zufüeret sit vil smehe.
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1307 Vil heim unde bruenne wizze wart da gesehen.
manic frowe reineWappen! ir amys zur aventnere.Ottökar Korneck erzählt in seiner ßeimchronik adan. 1265:
Wie vor dez Princzen Streit seiner Man fluhen
von im zu dem Charlot IV tausentDo derselbe Tag erschainAuf den sy wurden enainDaz der Streit sohle geschehenDa ward Wunder gesehenAuf Helmen und auf DeckheuDaz begund die Augen wekehenSo prechender Widerglast,Daz sy icht verre leuchte vorAuf maliigen Helmen swebt emporSo tewr geezimirdDaz ez von Schulden ZirdDie Frawen, die es wo rchten.
1) Fürst v. Hohenlohe sphrag. Aphorismen S 8,Nr. 20. Vergl. Anzeiger f. K. d. d. V. 1868. S. 217 ff. —Das Gliche verdanke ich Sr. Durchlaucht.
1) Mitgetheilt von Franz Pfeiffer in Haupt's Zeit-schrift, für deutsches Alterrhum VII Bd. S. 478. ff.