Geschichte der Heraldik. II. 2.
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einen schweren -Kampf bestanden und Sieg und Ehregewonnen. Auf seinem dunkelblauen Schilde sab manwenig Scharten, wiewol er mit Hieben überdeckt war;und dazu Hess er zuförderst seinen Schild machen, dasser aufs beste aushielte und nicht im mindesten nach-,gäbe in irgend einer Noth. Desshalb aber führte er Goldauf seinem Schilde, weil seine Mutter edelgeboren war."„Wildeber der kühne bezeichnete seine Waffensolchergestalt: auf seinem Schilde war ein Eber und einBär gemalt mit dunkelrother Farbe; das Feld desSchildes war aber gelb und ein dunkelrother Handringsumher; und dieselbe Farbe hatte seine ganzeRüstung. Das Wahrzeichen seines Wappensaber war der Villigallt. das ist im Deutschen Wild-Ehe r; und desshalb war er selber also genannt, weiler niemalen bei seinen Verwandten und in seinem Vater -lande war, sondern beständig hei ausländischen Fürsten.Und der Wild-Eber ist das wildeste aller Thiere undam bösesten zu faben für den Waidmann. Den Bärenaber führte er im Wappen, um sich dadurch zu rühmen,dass er für einen Bären '■) gehalten ward, als er seinenGesellen Wittig erlöste. . . ."
„Herbrands Schild und ganze Rüstung war roth,und auf dem Schilde und den übrigen Waffen sah manWurffeuer, welches schneller fliegt und später nachlässt,als irgend ein anderes Stunuzeug. Dem war Herbrandzu vergleichen, wenn er in den Streit ritt: wie einWurffeuer flog er umher und war nimmer ruhig, woer die Waffen handhaben sollte."
„König Günthers ganze Rüstung war weiss wieSilber und auf seinem Schilde war ein Aar gemalt, miteiner Krone auf dem Haupte; und diess Zeichen führteer auf allen seinen Waffen ; und desshalb, weil er Königwar, trug der Aar eine Krone auf seinem Haupte; unddeshalb führte er dieses Wappen, weil der Aar derKönig aller Vögel genannt wird. Seine Waffen warenauch sehr ausgezeichnet und glänzend, sodass er nimmerunter vielen Männern war, da man ihn nicht sogleichvor allen erkannte, so adlich und höflich war er auch."Nicht selten liefert die Abstammung das Motivder Wappengebung. Konrad von Würzburg giebt imTroj. Krieg dem Ca stör folgendes AVappen:
von zobele swarz reht als ein bech
fuort or ein tiuren schilt.
min zunge niht die Kost verhilt,
der ein wunder lac dar an
von hermeline ein wizer swan
was in daz brüne velt geleit.
sin decke und al sin wäpencleit
diu gäben ouch denselben schin.Konrad v. W. denkt bei den Schwan offenbar anCastors Mutter Leda, obgleich Castor nicht Jupiterzum Vater hatte.
Wittig führt bekanntlich Hammer und Zange imSchild, weil sein Vater Schmied war.
Einen auffallend ähnlichen Fall erzählt Heinrichv. Neustadt im Apollonius v. Tyrland (um 1312):
fraw minne, jr habt noch mer getan,
jr hasset ainen werden man
vnd minnet ainen swartzen koch
mit dem sliift jr in ain loch;
do werd gepitten nit langer
die edle frawe ward swanger
vnd gewan ain kind, der eren hagel
von dem choche, der hiess na gel
do das kind zu manne ward
das det nach seines vaters art
das was jm doch von hertzen laidt
zulest sagt jm die warhait
1) er war nämlich so verkleidet, als er ihn aus derGefangenschaft des Königs Üsantrix befreite.
sein mueter, das er was gespom
von nageln, das was dem liera zoru
an seinen schilt malt er den n ag e 1
wan jn ruert der schänden zagel
das er daran gedachte
vnd sich von schänden »rächte.Die Brüder Grimm*) denken hiebei an den SchmiedWieland, der die Königstochter in die Höhle lockt und sieüberwältigt. „Der Name Nagel, weist bedeutsam auf denSchmied. Ich erinnere mir.dunkel noch anderswo gelesenzu haben, dass ein Held die Zeichen seiner niedern Ab-kunft in Schild und Wappen aufnimmt."
Wir haben oben gesehen, wie Heinrieh von demTürlin dem Varuch von Syria einen Elephanten alsAVappen giebt:
dar uinbe, daz sin eigen laut
deste baz waere bekaut.Mit der geographischen Lage des Landes, dessenThierwelt oder einer mit Vorliebe gezüchteten Thier-gattung werden AVappenbilder nicht selten motivirt.
So giebt Herbort von Fritzlar (vor 1210) demThelegonus folgendes Fabnenbild:
Er gurte ein swert umbe sich
Und nam an die hant einen schaff
Da was von phellel uf gehaft18300 Ein harte frisch vane
Da was ein mervisch ane
Mitten dar in gesniten
Und mit golde wol vnderbriten
Der vis ch tet daz kunt
Daz sin 1 ant in dem meie stnut.Wenn Conrad von Mure sagt:Stetinensis ducis est, quod porta notatur apertaTractu nanique suo maris hie habet hostia certaso ist damit die untere Hälfte des Schildes von Rügen 3 )gemeint. Die zweite Reimzeile deutet auf die geogra-phische Lage des Fürstenthums Rügen, welches be-kanntlich nicht bloss die Insel, sondern auch gegen-überliegende Theile des pommerschen Festlandes um-fasste. Das Gebiet bildete gleichsam die Pforte füreinen Arm des Meeres, welcher dem Fürsten sichereBeute zuführte (Strandrecht?).
Die untere Hälfte des Schildes von Rügen ist dem-nach ein heral disches Bild der geographischenLage des Landes. Der kühne Löwe in der oberenHälfte des Schildes ist das Symbol des Fürsten, der diePforte beherrscht.
Die Wilkina-Sage (um 1300) sagt von Heime'sAVappen:
„Heime der hochinüthige hatte dieses Kennzeichenan allen seinen AVaffen: er hatte einen blauen Schildund darauf ein Ross mit bleicher Farbe gemalt, daswar auch auf seiner ganzen Rüstung abgebildet. Unddie blaue Farbe bedeutete kalte Brust und grimmesHerz; das Ross aber deutete auf die Beschäf-tigung seiner Verwandten, und auch, dass er derbeste Reiter war."
Zur Erklärung ist Folgendes aus einem frühereuAbschnitte der Sage mitzutheilen:
„In einem Walde fern davon stand ein grossesGehöft, welches Brunhilden (von Segard) gehörthatte; dasselbe besass nun ein Mann, welcher Studashiess; er war weise und überaus geschickt in vielenDingen. In diesem Walde weideten viele und guteRosse. . . . Studas verstand es besser als jemand, die
2) Erläuterung einer Stelle aus Apollonius vonTyrland in: Altdeutschi Wälder herausgegeben durchdie Brüder Grimm I. Band (Uassel bei Tliurneisseu1813) S. 72 u. ff.
3) Dem Herrn von Rügen ist dagegen das Meklen-burgische Wappen beigelegt