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Geschichte der Heraldik. II. 2.
sondern auch positive Beweise sprechen dafür, dass dieWappenbilder zu dem Urheber des Wappens in einersehr persönlichen Beziehung stehen, dass sie wegeneiner üebereinstimmung oder auch eines Gegensatzesder Naturen gewählt sind. Oder sie enthalten eineandere Anspielung auf Ereignisse , Vorstellungen , Zu-stände.
Thomasin von Zirc'aria — nicht etwa ein „Minne-sänger'' sondern ein Lehrer der Lebensweisheit — dergegen 1216 seinen wälschen Gast dichtete, hat in dieseDichtung ein lehrreiches Capitel über „Wappen*-Sym-bolik und heraldische Bilderschrift einfliessen lassen.Thomasin von Zirclaria will nicht eigentlich Regeln fürdas Wappenwesen aufstellen, vielmehr entnimmt er dem-selben ein allen naheliegendes und verständliches Gleich-niss. Gleichwohl kann man dasselbe als die älteste,dem Geiste des beginnenden 13. Jahrhunderts ange-passte Wappenlehre bezeichnen.
Ich lasse die hierher gehörigen AusführungenThomasiris hier folgen:10425 Swer an sim Schilde vüeren solde
lösen ob er danne wolde
die bluomen gar üz dem gevilde
ouch vüeren an dem schilde
des diuhte mich gar ze vil.10430 daz selbe ich iu sagen wil
zwer die sunnen vüeren solde
ob in diuhte daz er vüeren wolde
die sterne und dar zuo den man
und den himmel, ez waer seltsän :10435 sin waere halt gar ze vil
vür war ich ez iu sagen wil,
daz man ftzerbalben siht,
daz ist an bezeichenunge niht
wan ez bezeichent zaller vrist10440 daz ouch innerthalben ist.
ane w ä f e n und ane gewant
wirt daz herze dicke erkant.
ich wil in sagen, swelich man
mit vrümekeite vüegen kan10445 daz man sin baz war tuot
dan sins gewaefens, daz ist guot.
swaz er vüeret amme schilde,
ist ot er vrum üfme gevilde
ich vertragez deste haz10450 ir sult mir wol gelouben daz
doch sol man dar an mäze han:
ez diuhte mich niht wol getan
swer die mermeründen vüeren solde
ob er dar umbe malen wolde10455 üf sin gewaefen diu merwunder
und die vische gar besunder,
swer den eber vüeren sol
an sime gewaefen, hüete wol
daz er nin vüere ein swinherte gar104G0 wan daz stüend übel daz ist war.
swer den hunt vüeren will
der sol im niht enblanden vil
daz er vuer gar ein gejeit:
da kere niht an sin arbeit.10465 swer den wolf vüeren solde
wie stüende daz, ob er wolde
die wülpinne und diu wölvelin
gar üf daz gewaefen sin
vüeren? man mag ez loben niht.Nicht selten werden von den Dichtern die Motivefür die Wahl eines bestimmten Wappenbildes angegeben.So von Wolfram v. Eschenhach (Parcival) um 1212, inverschiedenen Fällen:36,19 des getriwen Isenhartes man:
die hänt uns schaden vil getan
si ringent mit zorne
die fürsten wol geborne
des küneges man von Azagouc.
vor ieslicher porte fiuoc25 ob küener sejiar ein liehter van;
ein durchstochen riter dran,
als Isenhart den lip verlos:
sin volc diu wäpen dar nach kos.
„Da gein hän wir ein site:
da stille wir ir jämer mite31,1 unser vanen sint erkant,
daz zwene vinger üz der haut
Mutet gein dem eide,
im geschaehe nie so leide5 wan sit daz Isenhart lac tot
(miner fiouwen frumt er herzenöt',
sus stet diu künegin genial
frou Belakäne, sunder twäl
in einen blanken samit10 gesniten von swarzer varwe sit
daz wir diu wäpen kuren an in
(ir triwe an jänjer hat gewin):
die steckent ob den porten hochDiese Motive klingen etwas wunderlich und manfühlt sich versucht, sie der dichterischen Freiheit zuGute zu halten. Dieses Misstrauen ist jedoch ganzunberechtigt: die dichterischen Angaben entsprechengenau der Wirklichkeit. Es ist mir gelungen, wenigstense i n historisches Wappen zu entdecken, welchem desDichters Worte
als Isenhart den lip verlos :
sin volc diu wäpen dar nach kösals streng zutreffende Erklärung dienen können.
Ich meine hier das bekannte Wappen von Nor-wegen den Löwen mit dem Beil), welches den* Toddes heil. Olaf in heraldischer Bilderschrift andeutet.
Olaf II Gränske, der Dicke, wird 1019 von denNorwegern zum Oberkönig erklärt; er christianisirtebis 1026 Norwegen von Neuem, wurde aber wegen derStrenge, mit der er die Heiden verfolgte, verhasst und1028 von Kanut von Dänemark vertrieben. Als er zweiJahre später zur Wiedereroberung Norwegens ein Heersammelte, liess er seinen Mannen ein Kreuz auf Schildund Helm malen. In der Schlacht bei Stiklarstad inder Nähe von Drontheim am 29. Juli 1030 erhieltOlaf von einem Schiffszimmermann einenBeilhieb in das linke Knie und wurde dann imwehrlosen Zustande erschlagen. Später änderte sichdie Gesinnung der Norweger in Bezug auf Olaf, derTodte kam bald in den Geruch der Heiligkeit und wurdeJ164 förmlich zum Schutzheiligen von Norwegen er-hoben.
Der Löwe im Schilde von Norwegen repräsentirtden König Olaf, wie das Beil klärlich darthut; denn einBeil ist das Heiligen-Attribut Olafs.
Auf dem unter Nr. 111 nachfolgenden S. Ter(e)Alan(die) T. Sei. Olavi. Regis. (Siegel der LandschaftAland, des Landes des Königs St. Olaf ) 1 ) an einer Urkundedes J. 1326 erscheint der heil. Olaf sitzend, in derRechten den Reichsapfel, in der Linken die Streitaxthaltend
Ein ganz ähnliches Bild enthält das Siegel vonNyland an derselben Urkunde, welche die Wiederher-stellung der friedlichen Beziehungen Finnlands zu derStadt Reval betrifft Nur hält hier der König die Streit-axt in der Rechten, in der Linken den Scepter 2 ).
1) Die Zeichnung verdanke ich Sr. Excellenz demHerrn Geh. Rath Tilesius v. Tilenau in St. Petersburg;irrthümliche Weise ist dieselbe negativ.
2) v. Nottbeck, Siegelaus dem Revaler RathsarchivS. 40 Nr. 279.