Geschichte der Heraldik. II. 1.
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fahrt i» Frankreich (um 1300) den böhmischenLöwen im Schilde und auf dem Helme einen ,sonder-lichen" Helmschmuck, der an anderer Stelle (S. 110)bereits behandelt worden ist.
Auch sphragistisch lässt sich diess nachweisen.Hertnid von Wildon führt 1278—1301 in seinem Siegeleinen Schild mit dem Pantier von Steiermark, auf demHelm ein Sonde r-K 1 e i n o d i). In der Umschrift desSiegels ist der Inhaber als Marschall von Steiermarkbezeichnet. Dieser ist es wohl von dem Ottokar IJorn-eck (vor 1320) erzählt:
Ain Panyr gruen als ein graz
Darinne ein Pandel ^webt
Planch, als ob er leot
Der fürt der Degen mer
Der allte Wildonier.
Gegen Ende des 13. Jahrb. 2 ) fingen auch die Ritter-
mässigen des 7. Heerschilds an, sich besondere Wappen
beizulegen; worüber sich Hugo v. Trimberg 3 ) in seinem
1300 vollendeten Kenner mit grossem Unwillen äussert:
1091 Wir sehen die trabten nach grozzen eren
Die nie wurden h'ren kint
vnd weder gebure noch ritter sint,
Gewaltiger vf hohen pferden
Macbent in namen hie vf erden
vnd manik her zaichen gar ahtper
Daz verre schine so dirre vnd der
an ein drieckot britlein 4 )
Heizzet molen vnd an ein tuchlin1100 ein tierlhi oder ein vogellin,
Oder manik ander zeichenlin,
Seht so wil er ein herre sin
Nv wol für hin treip her in
Rinder, pfert, schof vnd swein,
Hie hebt sich armer levte pein.
Furt einer gemolt des andern zeichen
Den kan niemant er weichen,
er wolle sich san au ihm gerechen
vnd vmb daz zeichen mit im stechen.Gleichwohl kommen in allen Gauen DeutschlandsBeispiele vor, dass rittermässige Geschlechter dasWappen ihrer Herrn theils pure, theils mit verändertenFarben, theils mit einem mindernden Beizeichen weitüber das Mittelalter hinaus geführt haben. Es mögendie folgenden Beispiele angeführt sein.
Die Edelknechte von Uelingen im Aargau führtenals Pfirt'sche Dienstleute einen Fisch im Schilde 6 ).
Die Kalbe von Reinheim, Lehensleute der Grafenvon Katzenelnbogen (denen die Stadt Reinheim gehörte)führten im getheilten Schild oben den rotben Löwen inGold — das Wappen ihrer Herren, unten einen rothenBalken in Silber 6 ).
Von den Dienstleuten der Grafen v. Rapperswyl(die 3 Rosen im Schilde führten) hatten die Rambach
1) vergl. die Abbildung auf S. 121 Nr. 96.
2) Der Landschreiber beim kaiserlichen Landgerichtzu Nürnberg, Rudger Ebner siegelt schon 1282 mit demSchild, welchen seine Nachkommen die Freiherrn vonEbner, bis zum heutigen Tag führen. Oetter II Vers.S. 457, 564.
3) Hugo von Trimberg, ein Plebejer, Schulmeistervon Bamberg, war bekanntlich kein Minnesänger, son-dern politischer Dichter. Er ist ein abgesagter Feinddes ritterlichen Wesens, besonders der „Rittermässigenund schildert die Zustände seiner Zeit oft mit dengrellsten Farben Ein finsterer Geist, ein Zug derBitterkeit geht durch seine Dichtungen.
4) Das ist Schild.
5) Mone Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins IV 378.
6) Archiv f. Hessische Geschichte 4, 3, 45.
und Dübelstein je zwei Rosen, der Marscball nur eineRose 7 ).
Das Herrengeschlecht der v. Grumbach in Franken(erloschen 1243), mit den späteren Geschlechtern diesesNamens nicht zu verwechseln, führte einen gewelltenund beiderseits lilienartig ornamentirten Schrägbalken.
Dasselbe Wappen führt das Burgmanuengeschlechtv. Grumbach z. B. Apel v. G. im ,T 1353 8 ).
Ueber die Greuel schreibt Hund (Stammb. III, 339):
„Ihr Wappen ist wie der Grafen von Kirchberg,Stifter zu Mallerstorf, oben im Schild ein rothe Veldung,darunter sechs blaue Eisenhut in weiss, auf dem Helmein rotlier Spitzhuet, mit einem weissen hoben Stülp,oben auf dem Hut einen Pfauenschwanz, in einer Krön.Ich vermuthe, seien der Grafen ministeriales und Dienst-leut gewesen.'
Dass Wappen des Bisthums Strassburg war ein sil-berner Schrägbalken in Roth. Von bischöflichen Lehens-lenten führen dasselbe unverändert:
1/ Die v. Kageneck.
2) Die Wetzel von Marsilien.
3) Die von Aschenheim (nämlich eine Familiedieses Namens, die schon im 15. Jahrb. erlosch).
Mit Abänderungen führten das Bisthumswappen:4i Den Schrägbalken mit drei schwarzen Kugelnbelegt: die Ottfriedrich (erloschen im 16. Jahrb.).
5) Mit einem blauen Turnierkragen im Schil-deshaupt: die von Blumenau. Das Siegel des Jobannesde Blumenowe 1311 zeigt statt des Turnierkragens imObereck neben dem Balken eine Muschel.
6) Mit einem goldnen Turnierkragen im Schild-haupt: die von Rummelnheim (ein zerstörtes Dorfbei Molsbeim).
7) Mit einem goldnen Lilienhaspel über dem Schräg-balken die Reimboeldelin, so Bitter Reimbold Reimboel-delin 1317 und ein anderer Ritter gleiches Namens 1341.Dasselbe Wappen führten auch die Nachkommen diesesGeschlechts, die sich nach ihrem nur vornhergehendinnegehabten Amte nannten.
8) Die Burggrafen von Strassburg.
9) Mit drei blauen Eisenhütchen im Schrägbalken:die Stoer, die Ende 16. Jahrhunderts ausstarben, nach-dem ihre Wappengenossen die von Sanct-Aniarin undNordwind schon im 15. Jahrhundert erloschen waren.
Ein anderes Beispiel finden wir in Oberelsass unterden Ministerialen der Abtei Murbach, die in Silbereinen springenden schwarzen Windhund mit goldnemHalsbande führten. Von ihren Lehens- und Dienstmannenführten:
1) Die von Ostein : in Blau einen goldnen Windhundmit grünem Halsband.
2) Die von Hungerstein: in Roth einen silbernenWindhund mit goldnem Halsbande
3i Die Schultheiss von Gebweiler: in Gold einenrothen Windhund mit rothem Halsband.
4j Die von Ongersheim (Dorf Ingersheim im Ober-elsass) : in Gold einen rothen Windhund mit rothem Hals-band und einem schwarzen achtstrahligen Stern imlinken Obereck.
Die von Hüttendorf (Dorf H. westlich Hagenau)führten das Wappen der Abtei Murbach zwar ohne Ab-änderungen, aber es ist nicht bekannt, dass sie Lehenvon ihr gehabt hätten").
Die von Hitzacker, Vasallen der alten Grafen von
7) Anzeiger f. Schweiz. Alterthumskunde 1882S. 236.
8) Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1863,S. 241, Note *.
9) Elsässische Studien von Kindler von Knobloch ;im Herold 1878 S. 127.