Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
132
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

132

Geschichte der Heraldik. II. 1.

Der fünfte und sechste Schild enthalten nicht bestimm-bare Wappen.

Der Umstand, dass der 7. Schild leer gelassen ist,ist so zu deuten, dass dem Verfasser der Bilderhand-schrift ein Beispiel gefehlt hat und bestätigt, dass dieRittermässigen des 7. Heerschildes um die Mitte des13. Jahrhunderts eigene Wappen noch nicht besassen.

Im Gegensätze zu dem uniformen Schild steht dasSonder wappe n, d. i. das besondere Wappen, welchesalle Ritter vom sechsten Heerschild aufwärts führen.

Der sechste Heerschild war von Anfang an desWappenrechts theühaftig. Ich verweise z. B. auf dasobeni) mitgetheilte Siegel des Herrand v. Wildon vomJahre 1195.

Das älteste, dem Fürsten Hohenlohe bekannte Siegeldesniederen Adels" ist das schildförmige Sig. IV, A. 1des Burggrafen Otto von Schönberg vom J. 1213 2 ). Beiden Dichtern derselben Zeit, z. B. von Wolfram v. Eschen-bach (1212) im Parcival, werden Angehörigen dessechsten Heerschilds Wappen beigelegt, die schon inmehreren Generationen erblich sind.

Das Sonderwappen kennt unter diesem Namenschon Wolfram v. Eschenbach im Parcival (1212)216,10 von Dianazdrün der planmuose Zeltstangen woneniner dann in Spehteshart si ronen:mit sölher messnie lacdurch höchkezit den pfinxtac15 Artus mit maneger frouwenouch mohte man da schouwenHange baniere unde schiltden sunderwäpen was gezilt.Auch die Inhaber von Sonderwappen führen oft-mals das Wappen ihres Lehnsherren oder der Herren,in deren Gefolge sie reiten.

Wolfram v. Eschenbach schreibt im Willehalm 386,20ze halse gehangenzwelf fürsten sine schiltetruogen durch sin milte,durch richtuom und durch edelkeit.Schon die oben mitgetheilte Aussage Wolframs vonEachenbach, dass jeder Breton entweder auf Schild oderauf dem Helm ein gampilün geführt habe, lässt dieAnnahme offen, dass der Ritter, falls er auf ein Sonder-wappen ein Recht hatte, dasselbe auf dem nicht occn-pirten Substrate angebracht habe.

Im Wigalois des Wirnt von Gravenberch (um 1212)finden wir ein praktisches Beispiel, wie die Ritter ihrpersönliches Wappen neben dem ihrer Herren zur Gel-tung bringen konnten; das Wappen des Truchsessenvon Roymunt wird nämlich in folgender Weise be-schrieben :

3892 Ein wizzen halsperch färter anDen bedahte ein grüner wafenrokDar uf was ein rechbok3895 Gesniten von samiteAn ietwedere site,Sin heim der was richeVil harte hoveschlicheMit roten kein bedechet3900 Dar umbe was gestrechetEin Strieme wiz hermin.Oben was gestechet dar inEin schuzzel von goldeDa bi man wizzen solde3905 Daz er da truhsaezze was

Ein timit grün alsam ein grasWas gebunden an sin sperEinen niuwen schilt fürt er

1) S. S. 73 Nr. 8

2) Anz. f. K. d. d. Vorz. 1871 S. 12Ü.

Da was daz tier gemalet an3910 Als ich itl gesaget hänDaz in da leiten soldeVon lazure und von goldeWas ez harte richeGefullet meisterliehe.Daz was ir wafen ze Roymunt.Der Rehbock soll vermuthlich das persönliche Ab-zeichen des Truchsessen sein.Im Lohengrin heisst es:er het ouch zweihundert knecht gewant in

ritters ordender hohe vürste von Präbant

532 Ein wizer swan in röte lac

in der panier, sam daz volc sin vuerens

pfl acdoch ieder man sin zimier vuort be-

smider.Es folgt hierauf eine ausführliche Beschreibung desHelmschmuckes, welchen Lohengrin führt.

Das Gleiche lässt sicli auch in den Liedern mithistorischer Grundlage, die vollen Werth als gleich-zeitige Quellen haben, nachweisen.

Ulrich von Liechtenstein beschreibt das Turnei vonNeuburg, wo er mit einem Gefolge von 50 Rittern er-schien, die alle nach seinem Schilde gewappnet waren.Schliesslich sagt Ulrich

Ob ich iu nant gar sunderbiirdaz zimir üf ir helme gardie da truogen den schilt minso müest daz maer ze lanc gar sinBi truogen ir heim H«iiid«>rliehir wäpenkleit was cur geliehir schilte, ir decke, ir wapenroc.Das heisst: jeder Ritter trug Schild,Decke und Wappenrock nach dem WappenLiechtenstein, dagegen hatte jeder sein be-sonderes Helmzeichen.

Unter den Rittern, die im Gefolge Ulrichs auf dasTurnei reiten, befindet sich auch der prachtliebendeDomvogt von Regensburg, Diet v. Lengenbaeh, derebenfalls Ulrichs Schild, aber seinen eigenen Helm trägt.Es ist das eine Auszeichnung, die den Liechtensteinermit hoher Freude erfüllt:

Des tuomvogts ros man dar nach zöch,den aller Bläht untugende vlöchdes decke was von zendäl rotgehowen wol. als ich gebotder schilde min vil drüf gestreutdaz herze min sich sere freutdaz er sold tragen minen schilt,den höher koste nie bevilt.Sin heim was ouch gez imirt wol;da von ich hie niht sagen sol:wan ich hän iuz 6 geseitwie er gezimirt gegen mir reit,da er viel schöne mit mir stach,als ich den heim sin da sachalso sach mann in hie tragen:waz solt ich da von mere sagen:

Alle die den schilt min datrnogen, der ors zöch manvil schöne nach der banir min,man sach si wol verdecket sin,als ich iu hän da vor geseitwie des tuomvogtes rosse kleitwas gesniten und getan:disiu verdaht man sam sach gän.Der böhmische Ritter Johann von Michelsperg führteauf seiner von Heinrich v. Freiberg beschriebenenRi tter-