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Geschichte der Heraldik. II. 1.
merke hier vorweg, dass nur die Ritter Gold zurZubereitung des Wappenhildes verwenden durften, wieBothe's Rüterspiegel (um 1380) bezeugt:
650 Und gebruchit her nicht der ritterschaftDi gele farwe sal vor daz golt sinGold ist die ritterliche Farbe. Peter Suchentoirtsagt bei der Beschreibung eines RitterschlagsIn dauchte wol, in tzem daz goltPaz den daz silber, daz waz recht.Heinrich v. Freiberg erwähnt im „Tristan" (um1300):
der eher, den der herre pflac1945 zu vüeren an dem Schilde;des selben tieres bildewas von silber wiz geslagen;uz sinem houbte sach man ragenzwene zende guldin1950 dar an wart offenlichen schin,daz der herre ritter was.die tier geströuwet als ich las,so dicke wären üf die wätdaz man daz brfine scharlätda durch ein lützel schinen sachBeckstein will das „dar an" in V. 1950 „nicht aufdie letzte Aeusserung, sondern auf das Ganze, auf dasFühren eines Wappens im Schilde" beziehen, was indessnicht zutreffend ist, — es bezieht sich auf die Verwen-dung des Goldes als Farbstoff.
Ebenso sagt die Wilkina-Sage von dem HelmschmuckWitig's: Dieser Wurm war goldglänzend, das bedeu-tete Witigs Ritterschaft" u. s. w.
In dem Bundbrief der Löwen-Gesellschaft in derWetterau de ao. 1379 wird verabredet:
„Und hierum zu einem Wahrzeichen und Erkannt-nuss soll Unser jeglicher der Ritter einen gül-denen und der Knecht einen silbernen Löwen anIhm tragen"').
In dem Gedichte Das Sleigertuechlin von einem un-bekannten Dichter, Mitte des 15. Jahrhunderts, heisstes:Der edel, jung und werd.Uz ritters art gebornEr fuort auch gelw sporn,Als ander myn genos.Uebrigens wurden Gold und Silber als kostbareund glänzende Stoffe nicht für geeignet erachtet, aufdem Schild eines Ordensritters zu prangen, der zu De-muth und Gehorsam sich verpflichtet hatte.
Die Gesetze des deutschen Ordens schrieben aus-drücklich vor: „Man sal das vlei .sielichen behal-den, das man — — — schilde mit golde ad'mitsilbere, adir mitanderer w'l tlicher varbegemalet, ane notdurft icht vure." 2 )
Im Wappenwesen finden wir ein Gesetz angewen-det, welches ich die Farbenpaarung nenne, unddessen erste Regelung lautet:
Die Farben treten stets paarweise auf;keinWappen soll weniger, und ohne genügendenGrund auch nicht mehr als zwei Farben haben.
Einfarbige Schilde dienen in der Regel zur Wah-rung eines Incognitos; die isolirte Farbe gilt nichtals Wappen. Dabei ist jedoch nicht ausgeschlossen,dass der Ritter seine einfarbigen Waffen innerhalb desIncognitos berühmt machen kann, wie Parcival die rotheRüstung, die er dem Ither von Gaheviez abgenommenhatte: Parc. (um 1212)145,17 Sin harnasch was gar so rotdaz ez den ougen roete bot:sin ors was rot unde snel,
1) Burgemeister, cod. dipl. equ. I. 869.
2) Vossberg, Geschichte d. Preussischen Münzen undSiegel S. 14.
20 al rot was sin gügerel,röt samit was sin covertiur,sin schilt noch roeter danne ein fiural röt was sin kursitund wol an in gesniten wit,röt was sin schaff, röt was sin sperDer Pleier legt im Meleranz dem Königssohn Ly-bials von Roconita, folgende Rüstung zuein samit gruenez dann ein gras3380 da mit sin ros verdecket was.sin wäpenroc sin kursitwas ein grüener samit.sin schilt was gruener dann ein gras:ein richer bnekel druffe was3385 von arabischem goldegezieret, als er wolde,mit edelem gesteinegröz unde kleinewarn verwieret in daz buckelrls3390 der degen fuor durch sinen prissin sper ouch geverwet wasrehte gruene alsam ein gras:ouch gap nach gruener varwe schinIm Karl Meinet (um 1300) führt der vertriebeneElegast, der sich auf Räuberei verlegt hat, folgendeRüstung: (A. 377b).
52 Mit wapenen swartz als kolenDe an syme halse heynckSwartz was syn heim ind schilt.Synen halssberch mach man louen.Swartz was syn wapenrock dar enbouenSwart was dat ros, da hey vp sas.Fahnen sind von dem Gesetze derFarbenpaarung"nicht abhängig. Wir finden sehr häufig einfarbige be-sonders grüne Fahnen; z. B. in der Babenschlacht.489 Einen vanen grasgruenevuort her GüntherDesgleichen im Biterolf (um 1200).9800 Wahsmuot der helt gemeitreit vor den Härtungen dan:klegrüne was ir vanvon einem samit riche.Im Wigalois des Wirnt v. Gravenberch (1212)kommt es vor, dass ein Ritter eine einfarbige (grüne)Fahne und einen zweifarbigen Schild führt.400 Sin wafenrok von borten was.Ein samit grüne alsam ein grasWas ze der banier gesniten.Sus kom der riter dar geriten.Uf sinem schilde lac ein ar,Der was von rotem golde gar ;Das ander von lazure.
In der Babenschlacht wird dem König Hermann v.der Normandie folgende missfarbige Fahne gegeben:584 Röt unde grüene
der vane, was gestalt.
Nicht beliebt war eine Zusammenstellung vonmehr als zwei Farben. In der Farbensymbolik desMittelalters ist eine Vereinigung vieler Farben dasZeichen der Unbeständigkeit. Hierauf bezieht sichfolgende Stelle im Jüngeren Titurel des Albrecht v.Scharffenberg :
5602 Agros den lewen drete gesprungen fürt ufhelmeDer pfligt selten stete als wenic sam der
wint in starkem melmeDaz schient an siner varwe vech ge-
s checketEr pfligt ouch witer Sprunge swenn er daz tierin der nehe ersmecket
5603 Doch niht wan in der nehe daz er ez trewet er-
springen