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Geschichte der Heraldik. II. 1.
nehmen jener Zeit getragen wurden, — weshalb auchBenennungen wie z.B. „hoher, heidnischer Huet," „alt-fränkischer Huet" oder „Sturmnut" als ganz falsch undunpassend bezeichnet werden müssen."
„Man kann ohnehin auch nicht in Abrede stellen:dass der Hut überhaupt von jeher als ein vorzüglichesSymbol: der Hoheit, Edelmannsfreiheit, der Macht unddes ritterlichen Ansehens betrachtet wurde, da erschon von frühester Zeit an, in allen möglichen Formenund Gestalten, heraldisch vorkommt."
Die Behauptung ist weder in ihrem negativen nochin ihrem positiven Theile genügend begründet, in letz-terer Hinsicht aber geradezu unhaltbar. Da das Kindeinmal einen Namen haben muss, so ist schon besser,die alte Bezeichnung Turnierhut auch ferner beizube-halten, umsomehr, als sich ein Beleg dafür aus demAnfang des 14. Jahrhunderts anführen lässt.
Ottokar HornecJc erzählt nämlich in seiner köst-lichen Reimehronik von der Hochzeit des Königs Ottokarvon Böhmen:
Darnach wart der Kunig ze Bat
Wie man dez Morgens solde varn
Er hiez fleisslichen pewarn
Und jach, daz er nicht enwolt
Daz yemant buhurdiren scholt
An 1 ) den, der darczu wurd benaut
Der yegleichen ward gesannt
Ain vberczogen Huet
Von Zeudal, der waz gut
Gehalbirt weis und rotDas Siegel des Burggrafen Albero von Leisnig aneiner Urkunde vom J. 1294 hängend zeigt einen gespal-tenen Schild, darauf «in Helm, welcher einen Hut alsKleinod trägt 2).
No. 105.
Sehr beliebt ist die Verbindung von geraden feder-geschmückteu Stangen mit einem Hute.
So beschaffen ist der Helmschmuck der Grafen vonBotenlauben, von dem der auf Taf. 2 No. ß abgebildeteSchild nur eine ungenaue Anschauung giebt. Das schild-förmige Siegel IV. B. des Grafen Otto von Botenlaubenvom J. 1234 zeigt zwei an den Schläfestellen befestigteStangen oder Köcher, welche durch die Krempen einesHutes, diesen in der Luft festhaltend, hindurchgehenund oben mit hohen Pfauenbüschen besteckt sind.
Dieses Kleinod dürfte Conrad v. Würzburg im (Troj.Krieg) bei der Beschreibung eines, dem „PfalzgrafenAnthilion" beigelegten Helmsclnnucks vorgeschwebthaben
ein huot mit silber überleit
swebt üf dem glänzen helme sin.
zwo Stangen phäwenvederin
mit einem röten samit edel
bewunden üf biz an den wedel
die sach man haften unde kleben
an dem rilichen huote eneben
sam si gewahsen waeren dran
von sime glänzen helme dan
erlulite diz kleinoete finIm EngrlharA beschreibt der Dichter folgendenHelmschmuck
eins pfäwen zwene wedele
fuort er üf sinem helme guot
und da zwischen einen huot
der was vil wizer danne ein swanDas Siegel IV. C. des Ritters Werner von Breiden-bent (Pallant) 3 ) an einer Urkunde von 1335, zeigt einenähnlichen Helmschmuck; nur sind die Stangen unter-
No. 106.
halb des Hutes, da, wo sie an den Helm gebunden sind,mit einem das Wappenbild wiederholenden Fahnentucheversehen.
Es bleiben nun noch diejenigen Kleinode zu erwäh-nen, welche aus Menschen- oder Thierbildern bestehen.Recht beliebt wurden dieselben erst im 14. Jahrhundert,wo sie vielfach die alte Helmziel' verdrängten (z. B. indem Wappen der Markgrafen von Meissen, der Land-grafen von Leuchteuberg). Die Rumpffiguren sind mei-stentheils ausser Zusammenhang mit dem Schildzeichenangenommen.
Als Beispiel sei angeführt die Helmzier der Russvon Buchparten nach Grünenberg's Wappenbuch Taf. 161.(Siehe Fig. 107, nächste Seite.)
Da die Schuster im Mittelalter Altreussen genanntwurden, so enthält die Helmzier eine Anspielung aufden Namen der Familie.
Sollte der Helm den Kopf eines Menschen oderThieres tragen, so wurde derselbe häufig larvenartigüber den Helm gezogen.
So war der Helm, den Herr Zacheus von Himel-berg als Schimpf-Kleinod trug. Ulrich von Liechtensteinbeschreibt dasselbe:
Der het an sinen lip geleit
über daz harnasch münches kleit,
ein münches kappen swarz gevar;
und het ü f sinem heim ein h ä r
ein breitiu blate was de in geschorn
Siegel IV. B. 1. des Friedrich Klette von Utteu-heim vom J. 1346. 4 ) (No. 108.)
1) an = ohne.
2) v. Schönberg, Geschichte des Geschlechts v. Schön-berg IL Bd. Leipzig 1878. Taf. IV.
3) Fahne, Geschichte der Cölnischen, Jülichschenund Bergischen Geschlechter I. Thl. Taf. 1. S. 49.
4) Von Herrn Major Kindler v. Knobloch gütigstmitgetheilt.