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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

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Ein normannischer unten abgestumpfter Schild; der enface gestellte Helm ist jederseits mit einem Brette be-setzt, aus welchem je drei nach innen gebogene, obenmit einem Hahnenquast besteckte Kiele hervorgehen.

Nr. 89.

Die Flügelkleinode bestanden nur in den seltenstenFällen aus natürlichen Flügeln 1 ) und selbst da, wo siein der Zeichnung als solche erscheinen, mag zumeistein die Form derselben nachahmendes mit Federn be-stecktes Gestell zum wirklichen Gebrauch gedient haben.Der rohe Flügel, gewöhnlich Federwisch genannt,war ohne Nachhülfe schwerlich geeignet, als Schmuckverwendet zu werden. Es ist daher begreiflich, wennder König von Odenwald in seinem Lobliede auf dieGans die Verwendung von Federwischen zum Helm-schmuck, als eine unwahrscheinliche Sache behandelt:

mit dem vederwische

kert man benke und tische ....

und bindenz üf den heim.

darunder stiubt der melm

der mirz niht gelaubet ein,

ich ziugz an die von Niuwenstein

die haben drunder ir ere bewart

vor den reinen frauwen zart.In dem obigen Sinne bezeichne ich diejenigenElügelkleinode, welche die natürliche Form der Flügelnachahmen, als natürliche Flügel. Als Beispieldiene das Wappen der Grafen v. Ortenburg Nr. 44 derZüricher Wappenrolle.

Aehnlich so werden wir uns den Helmschmuck desTruchsessen Cursun zu denken haben, von dem derPleier sagt:5094 ab sinem heim gap liebten schin

ein fiuc wiz der ander röt.Der rothe Schild enthält einen silbernen Wind (Hund).Bei einer anderen Gelegenheit führt Cursun sein

einer Vorlage gearbeitet ist, zeigt das sehr ähnlicheSiegel des Knappen Dankward von Bülow vom J. 1337.(Holsteinische u. Lauenburg. Siegel des Mittelalters ausden Archiven der Stadt Lübeck. Siegel adelicher Ge-schlechter Taf. 5 Nr. 59).

1) Jedenfalls zu weit gehend und unerweislich istdie Behauptung des Ritters v. Mayerfels Abc S. 144,welche lautet:

Aus den genauesten und verlässigsteu gleichzei-tigen Abbildungen lässt sich mit Bestimmtheitnachweisen, dass sie fast niemals durch wirklicheoder natürliche Flügel auf den Helmen gegeben wurden,sondern im Gegentheile lassen uns die besterhaltenstenund deutlichsten Darstellungen mit ziemlicher Sicherheitja, nahezu mit Gewissheit: Leder, Blech und Holzals die drei vorzüglichsten Materiale zur Verfertigungdes heraldischen Flügelkleinods bezeichnen. In ge-wissen Fällen jedoch mögen zur Bildung heraldischerFlügel vielleicht manchmal auch einzelne Federn reihen-weise in eine Art Fassung aufgesteckt oder eingeleimtworden sein; wenigstens trifft man hie und da solcheElügelkleinode."

Wappen in veränderten Farben. Der Farbe des Schildesfolgt auch die Farbe der Helmzier:9G93 Cursun was ouch bereit,alliu siniu wapenkleitwaren blä läsür gevarschilt wäfenroc sin decke gar,blä was sines helmes dach,dar üf man gebunden sachein fluc wiz, diu ander blä9700 harmin wind die waren da

üf al sin wapenkleit gesniten.Eigenthümlich scheint es den natürlichen Flügelnzu sein, dass sie, sobald sie als ausschliesslicher Helm-schmuck vorkommen, stets paarweise auftreten.

Die künstlichen Flügelkleinode konnten in der ein-fachsten Weise angefertigt werden, indem man dasGestell aus Holz ausschnitt oder aus geeigneten anderenStoffen bildete und die Federn die eventuell gefärbtwaren, in vorgebohrte Löcher steckte. Das Gestellwelches man nach Umständen vergrössem konntebot einen geeigneten Raum für jede beliebige Dar-stellung.

Das Flügelkleinod der Grafen von Nassau, Otto-uischen Stammes, wie es in einem, Anfangs des 15. Jahrb.gemalten Wappenbuche 2 ) dargestellt ist, entspricht ge-nau der obigen Angaben. Die Löcher in welche dieFedern gesteckt werden, sind durch Flechtwerkmarkirt.

Sehr wahrscheinlich ist es, dass das Gestelle desFlügelkleinods ursprünglich ganz aus Flechtwerk be-stand, weil diese Art der Herstellung zugleich einfachund praktisch war.

Siegel IV. C. des Grafen Engelbert I von Nassau-Dillenburg (welcher 1415 die Hälfte von Dietz erhält).Das Flügelkleinod ähnlich wie im Codex Scheibler 3 ).

Nr. 90.

Durch künstlerische Gliederung der Vorrichtungund die Verwendung verschiedenartiger Federn erzielteman eine grosse Mannichfaltigkeit der zu dieser Gruppegehörigen Helmkleinode.

Siegel IV. B. 1. des Grafen Heinrich von Schwerinan einer Urkunde von 1300. Umschrift: f S'ComitisHenrici de Swerin* 4 ). Der Helm hatan jeder Seiteein schraffirtes, oblonges Brett, das mit Federn be-steckt ist." (Nr. 91).

2) Im Besitze des Frb. von Scheibler Hülhoven zuAachen. Das in Rede stehende Blatt ist publiciertvon Herrn H von Ooeclcinyh in seiner prächtigen Ge-schichte des Nass'iuischen Wappens (Görlitz 1880) Taf. 1.

8) Aus v. Goeclingk, Nassau Taf. V, Nr. 19.

4) Melüenb. ürlcundenh. IV 140.