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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

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des Schildes älter ist, als das Wappenwesen, habe ichbereits oben 1 ) nachgewiesen. Ein Gemälde ans der Zeitum 1100 zeigt bereits das Wolken-Pelzmuster. Mitdem Wert he als Wappenbilder gingen dieseFormen erst gegen den Schluss des 12 Jahrhundertsin das Wappenwesen über.

Abgesehen hie von wurde in der Praxis, namentlichdes 12. und 13 Jahrhunderts, das Pelzwerk mit beson-derer Vorliebe zur Stückung von Wappenbildern allerArt verwendet. Keine andere Manier konnte bequemersein, als diese. Das Pelzwerk war leicht zu transpor-tiren, und in der kürzesten Frist konnte aus demselbennach einem ein für allemal bereit gehaltenen Schnitt-muster das Wappenbild ausgeschnitten werden. Die sozugerichteten Felle wurden dann einfach mit Nägelnauf den Schild geschlagen

Im Wappenwesen des Mittelalters Anden folgendePelzarten allgemeine Verwendung:

1) Hermelin

2) Zobel

3) Veh

4) Kelen.

Nach der Art der Verwendung ist das Pelzwerk

einzutheilen:

1) in solches, welches an sich Heroldsbild ist (Her-melin), - oder in ornamentaler Gruppirung Herolds-bild wird (Veh, Kelen auch Zobel),

2) in solches, welches bei der sogenannten „Stückung"(Ausschneiden der Figuren) an Stelle der Ma-lerei als Surrogat der Farben verwendet wird(Hermelin, Zobel und Kelen) 2 ).

Bndlich der Farbe nach in

1) einfarbiges: Hermelin, Zobel, Kelen

2) doppelfarbiges: Veh.

Hermelin kommt im deutschen Wappenwesen alsselbstständiges Heroldsbild äusserst selten, als Beklei-dung des Feldes nur im Rheinlande häufiger vor 8 ).

Fürst Hohetilohe hat sich in seiner Schrift: Dasheraldische Pelzwerk 1867 S. 12 hinsichtlich der Ver-wendung des Zo belpelzes zur Stückung von Wap-penbildern negirend ausgesprochen. Er sagt:

„Wenn bei Blasonirung der Wappen von Zobel die

1) S 76.

2) In einem Lehrbuche der Wappenwisseuschaftmuss das sub 1) bezeichnete Pelzwerk bei den Herolds-bildern, — das sub 2} bezeichnete bei den Farben be-handelt werden. In dem vorliegenden Werke habe ichvon dieser Spaltung des Stoffes abgesehen, weil die-selbe mich zu Wiederholungen genöthigt hätte.

3) In Fahne's Geschichte der Kölnischen, Jülich'-schen und Bergischen Geschlechter finde ich folgendeWappen mit Hermelin:

Eze im Geldernschen.

Gritteren (Cöln) Feld von Hermelin mit rothemQuerbalken.

H e r e (cölner Vasallen) schwarzen Schrägbalken mitHermelin

v. Ho einen (an der Maas im Herzogthum Geldern),von Gold und blau geschacht, mit einem rechtenOrt von Hermelin (Beizeichen).

v. Hüchelhoven (Cöln): Im Hermelinfeld einSchildchen.

Die von Monenbach ein Zweig der v. Bode, Me-rode) führen 5 rothe Pfähle in G. mit einem rech-ten Ort von Hermelin (ebenfalls als Beizeichen).

Die v. Wickrath (d. h eine kölnische Vasallen-Familie dieses Namens) führten quergetheilt; obenHermelin, unten 9 goldene Kreuzchen in Grün.

Die v. Wildenburg: im Felde von Hermelin einrothes Schildchen.

Bede ist, so wird damit schwerlich wirklicher Zobel-pelz gemeint, sondern diese Bezeichnung, wie in derfranzösischen Heraldik, als terminus technicus für dieschwarze Farbe zu betrachten sein, und eher von demfranzösischen „sable" als umgekehrt, letzteres Wortvon unserem deutschen „Zobel" herkommen; denn un-streitig waren die französischen Herolde eher die Lehrer,als die Schüler unserer Deutschen."

Für die Zeit nach 1300 dürfte diese Ausführungzutreffen, aber nicht für das 13. Jahrhundert, nament-lich nicht die erste Hälfte desselben. Ich sehe keinenGrund, warum gerade der Zobelpelz als Material zurBekleidung der Schilde nicht gelten soll, da doch einer-seits die Vorliebe des Mittelalters für Pelzwerk fest-steht, und anderseits die Verwendbarkeit des Zo-belpelzes kaum bestritten werden kann.

Die Dichter aus dem Anfange des 13. Jahrhundertsdrücken sich in einer gar nicht misszuver-stehenden Weise über die Verwendung des Zobel-pelzes aus.

Wolfram von Eschenbach sagt z. B. im Parcival:18 5 dö truoc der helt milte

üf einem hermin schilte

ine weiz wie manegen zobelfoalc:

der küneginne marschalc

hetez für einen anker gröz.Derselbe Dichter erzählt, wie Gawan nach demKampfe mit einem Löwen scheinbar todt auf dem Bo-den liegt:

575 26 uf sime kursite

von zobele warn zwei gampilünals Ilynöt der Bertünmit grözem prise wapen truoc:der brahte werdekeit genuoc

576 1 In der jugende an sin ende.

diu maget mit ir hendedes zobels roufte und habt in darfür sine nasen: do nam si warob der ätemz här so regete.Also: das Fräulein raufte einige Zobelhaare aus,um zu sehen, ob der Athem des Scheintodten das Haarnoch regte.

Im Tristan des Gottfried v. Strassburg (1215) wirdTristan's Schild beschrieben:6609 Ein schilt der wart ouch dar besant;an dem haet ein gefüegiu hantgewendet allen ir flizund was der niuwan silberwizdurch daz er einbaereheim unde ringen waere.6615 er was ab gebrünieret*)mit lütere gezieretreht alse ein niuwe Spiegelglas,ein eber dar üf gesnifcen wasvil meisterlichen unde wol6620 von swarzem zobel alsam ein kol.

Zur Zeile 6616 bemerkt Beckstein "i„lütere dat. von lüter, das Lautere, die Lauterkeit. . .So wird die Stelle wohl meist verstanden, weil sieV. 6617 gut daranschliesst; lüter ist aber im Gegen-satze zu dem Eber aus Zobel gar zu abstract; solltenicht zu denken sein an lütere dat. von luter (nachge-wiesen in der Form lotter) Fremdwort aus lutra, dieFischotter? (Bech weist zur Bestätigung verschiedeneStellen nach; insbesondere das Adj. lutervech 6 ), V. 6616würde dann als eingeschobener Satz zu betrachten sein.

4) brünieren, poliren, glänzend machen.5i In seiner Ausgabe des Tristan, Leipzig 1869.3) lutervech ist jedenfalls der Gegensatz zumbuntvech.