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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

"Wir können uns denken, dass der Otterpelz um denRand des Schildes ging, während der Eber von Zobelin der Mitte sass."

Ich glaube nicht, dass hier das Richtige getroffenist, — der ganze Zusammenhang spricht gegen die Ver-wendung von Pelzwerk ausser dem Zobel zur Verkleid-ung der Schildfläche oder eines Theiles derselben. DerDichter sagt:

„Der Schild war nur silberweiss, damit er von der-selben Art, wie Helm und Ringe (des Panzers) wäre;er war glänzend gemacht mit lütere geziert, recht alsein neues Spiegelglas; ein Eber war darauf geschnittenvon schwarzem Zobel."

Meiner Ansicht nach wollte der Dichter sagen: derSchild war mit Ei we iss bestrichen, um ihn glänzend zumachen. Das ist ja die wörtliche Uebersetzung von demSubstantivum „daz lüter."

Als Adjectivum dürfte lüter nichts Anderes alshell bedeuten, auch in der Verbindung lütervech. Eineganz ähnliche Stelle kommt im Partonopier des Conradvon Würzburg vor: *

12450 blanc und lüter hermelinwas ir mantels unterzoc

Das Veh.

Das Veh war die einzige Pelzart, welches zur Stück-ung von Wappen nicht benutzt wurde; wo Veh vor-kommt, ist es selbst Bild. Erscheinen gleichwohlgemeine Figuren hie und da (es mögen wohl kaum einDuzend solcher Fälle bekannt sein) aus Veh gestückt,so gehört das letztere zum Wesen des Wappens, esist nicht bloss Surrogat der Farbe, wie die andereneinfarbigen Pelze.

Das Veh ist ein bunter, d. h. doppelfarbiger Pelz:er hat von Natur die Farben blau-weiss. Daher wirdes auch bunt (varius), französisch vaire, genannt.

In des Conrad von Megenberg Buch der Natur (ver-fasst um 1350) wird von dem „Aichorn" gesagt:

pirolus fy«3t ain aidjorn. ba3 ift am FIaiit3 tterl größerbenne ain rotfei, aber 63 ift niljt (enger. 603 ift röt in et.leicben latiben unb in anbcrit lanben ift 03 praun ober grämiiTtb mentte e3 gar licbtgrätn ift, fö ift e3 nedj, man ba$oedj tiert ift berfelben nätür, an ba$ e$ ain anber oarb bat;unb roie e3 gcoar fei; bod? ift 63 al$cit unbetr trei3.

In einer wissenschaftlichen Waarenkunde 1) lese ich:

„Die Bälge der in unsern und wärmern Gegendenlebenden Eichhörnchen sind von geringem Werthe, die-jenigen in Russland, Sibirien und Nordamerika dagegenbilden ein sehr beliebtes und kostbares Pelzwerk, wel-ches unter dem Namen Grauwerk in allen Ländern Eu-ropas zu Palatinen, Muffen, Mützen, zu Verbrämungenund Unterfutter von wohlhabenden Leuten des Mittel-standes verwendet wird . . . Unsre Kürschner ziehenihren Bedarf von den Messen zu Leipzig und Frankfurta. 0., wo immer bedeutender Verkehr in diesem Arti-kel ist. Für den auswärtigen Handel des russischenGrauwerks sind Petersburg und Archangel die Haupt-markte. Es wird von den russischen Pelzhändlern ge-gerbt und in Rückenstücke und Bäuche (russischFewan, woraus das deutsche Feh oder Fehwerk, womitman bei uns die ganzen Bälge bezeichnet) getrennt,von denen erstere stückweise oder zu tausend Stück,letztere in zusammengenähten Säcken von 100 Stückoder beide nach Pelzen, die aus einer unbestimmtenAnzahl von Stücken Rücken und Bäuchen zusammen-genäht sind, verhandelt werden. Jedes Tausend oderHundert ist nach der Güte numerirt, so dass die nied-rigsten Nummern die kostbarsten Bälge bezeichnen.

Nach der Grösse uud Farbe werden sie in röthlichschielende, silbergraue, gestreifte, dunkel-graue, schwarze und weisse eingetheilt und sorg-fältig sortirt. Die Ersten sind die Geringsten."

Die verschiedenen Formen des Veh lassen sich aufzwei Typen zurückführen, je nachdem der Pelz rundoder eckig zugeschnitten ist. Es ergiebt sich daraus

1) das Glocken- und Wolken-Muster

2) das Zinnen- und Eisenhut-Muster.

Wir finden diese Formen z B. den Eisenhut-Schnittauch auf massige, einfache Schildestheilung angewen-det , z. B. im Eisenhutschnitt gespalten oder schrägge-theilt. Die in solchen Fällen dem Metall gegenüber-stehende Farbe ist niemals blau sondern roth oderschwarz. Derartige Bilder stellen demnach kein Vehdar, sondern sind mit den Fellen einer grösseren Pelz-thierart, nämlich Marde r oder Zobel gestückt. We-gen des Marderfells verweise ich auf die weiter untenfolgende Erörterung über die Kelen.

Die Kelen.

Die älteren Dichter (I2tes und 13tes Jahrh.) er-wähnen die Kelen häufig in einem Zusammenhange, derallein schon ein in die Augen fallender Hinweis auf dieNatur des Gegenstandes ist. Es handelt sich hier kei-neswegs um ein dem Wappenwesen oder dessen Kunst-sprache eigenthümliches Bild, sondern um eine Sache,die ausserhalb des Wappenwesens und vor demsel-ben existirt 2 ).

Im König Rother, einem Liede des 12. Jahrh.heisst es:14G sie waren deine kuninge alle holtdaz machete silber vnd goltdaz er in kunincliche gap.sie wrben des herren bodescap.150 Alse die vart wart gelobitdo nam suvert vfe dem houeein uil iunger degen,beide sabel vnd kelenein graue der heiz erevin155 dar mite zireter die riter sin.

1) Eichelberg, naturgeschichtl. Begründung dermerkant. Waarenkunde. Thiere. Zürich 1847. S. 79 f.

2) Meiner Meinung nach ist die Bezeichnung Ke-len den technischen Ausdrücken des Pelzhandels ent-lehnt. Ich lese in dem „kurzen Unterricht von demRussischen Handel, wie selbiger mit aus- und eingehen-den Waaren 1674 durch ganz Russland getrieben wor-den. Aufgesetzt von Johann Philipp Kilburger." In:A.F. Büsching's Magazin III Tbl. (1769) das Folgende:

III. Pelzwerke fallen aller Orten im ganzenReich, die meisten aber und besten in Sibirien und sind:

\) Zobel.....Zobelschwänze von feinster Sorte

gelten in Moscau 25 bis 30 Kopeken das Stück, undsind nicht allezeit zu finden, andre aber von 6 bis etwan18 Kopekeu trifft man allezeit an. Zobelbäuchewerden bey Zimmern verkauft, oder auch zu Futternzusammengenähet und alsdann kostet eines 16 bis 26und mehr Rubel, Zobelrände werden bei Paaren ver-kauft, das Paar sollte gemeiniglich 18 bis 20 Schwänzehaben, und alsdann gelten die besten 5, 5 1 /, bis 6 Ru-bel. Zobelpfoten und Kehlen werden in Futter zu-sammen genähet und pflegen stark zu seyn.

2j Marder. Die Marder sind zweyerley: Baum-Marder und Stein-Marder. Die Baum-Marder habenwiederum unterschiedliche Namen, nach den Oertern undLändern, darinnen sie gefangen werden; die baskiri-schen sind die besten.... Marder-Schwänze, Pfotenund Kehlen werden nicht in solcher Quantität angetrof-fen, gleichwie die zobelne, doch sind die Schwänze einevon den gemeinsten Waaren.