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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

6300 von golde, dest ein wärheit

von dem kan ich niht me gesagen6306 der vierde schild der ist bedahtmit einem pantiere."do erkantes alle viereLanzelet der milte6310 ritter unde schilte,

und wisse wol äne vrägedaz si wären sine mägeund sine gesellen guote.An anderer Stelle sagt er:4412 sin ors was, so man uns seitzundervar vil tiuremit einer isern kovertiure4415 ez was bedaht üf den stritdar obe lac ein samit,geworht grüene als ein grassin wäfen ouch dar an wasröte lewen von golde.4420 sin schilt was als er wo 1 d evon sinopele röt genuocein guklinen lewen er truocder was üf daz bret erhaben.Auch im Wigalois des Wirnt v. Gravsnherch habendie Wappen durchweg einen persönlich kennzeich-nenden Charakter.

Er schreibt z. B von Graf Hoyer von Mannesveldden rothen Ritter:2991! Der was da bi wol bekant

Sin wafen daz was allez rot.An sinem Schilde was der totGemalt vil grusenliche.Dass wir im Wigalois das Erb wappen nocli nichtvertreten linden, könnte um so mehr auffallen, als die-ses Lied für jünger gehalten wird, wie der demnächstzu besprechende Parcival des Wolfram v. Escheubach.Wir müssen hier berücksichtigen, dass des Wirnt v.Gravenberch Jugendzeit gerade in die Periode der erstenEntwickelung des Wappens fällt. Er tritt schon 1172urkundlich als Zeuge auf, isc also mindestens im Jahre1150 geboren'). Er dichtete als bejahrter Mannden Wigalois. welcher gerade in Bezug auf die Erb-lichkeit der Wappen die Eindrücke seiner Jugendzeitwiedergiebt, während er in vielen anderen Beziehungen wie wir später noch sehen werden mit dem Ent-wicklungsgange des Wappenwesens gleichen Schritt hielt.Bei Wolfram, v. Eschenbach, obgleich auch dieserdie persönlichen Wappen noch als Ausnahme kennt,erscheinen die Wappen als völlig entwickelte Familien-wappen. Sie sind bereits durch mehrere Genera-tionen erblich

Der Dichter beschreibt das Wappen des Grales(eine Taube) und erzählt dann V. 474. 7:diu wapen gap in Aufortas er der freuden herre wasir schilte sint von alter soTyturel si brähte doan sinen sun rois Frimutel.

Anfortas ist nämlich der Sohn Frimutels.Orilus von Laland, ein Herzog, kommt in das Lagerdes Königs Artus, seine Schwester Kunneware aufzu-suchen, da sieht er ein Zelt:

als oben ein trache in sinen klän

het ganzen apfels halben teil

den trachen zugen vier wintseil

reht aiser lebendec da flüge

untz poulün (Pavillon) gein den lüften züge

da bi erkandez Orilus

wan siniu wäpeu wären BUS.

Die Schwester tritt ihm, dessen Gesicht durch denHelm verdeckt war, entgegen:

bi dem trachen üfem kursiterkande sin wol, wan ein stritsi sprachdu bist der bruoder minOrilus oder Lähelin.Vers 662, 13, bei Beschreibung des Aufzugs desKönigs Artus vor Cbatelmerveil erzählt Wolfram:bi den allen niht wan einen schiltdes wäpen wären sus geziltdaz in Arnive erkande.Isäjesen si nande;des marschale Utepandragünden fuort ein ander Bertünmit den schoenen schenkein Maurinder marschale der kuneginArnive wesse wenec desUtepandragün und Isäjeswären bede erstorbenMaurin het erworbensins vater ambet: daz waz reht.Gahmuret, der jüngere Sohn des Königs von Anjon,nimmt, da er als Abenteurer in die Ferne zieht, einneues Wappen an, einen Anker, obgleich er wohl be-rechtigt gewesen wäre, seines Vaters Wappen zuführen:

nu erloubt im daz er mueze hänander wäpen denne im Gandinda vor gap, der vater sinSpäter beerbt er seinen älteren Bruder und nunkehrt er selbstverständlich zum väterlichen Wappenzurück:

ich sol mins vater wäpen tragen

sin lant min anker hat beslagn

der anker ist ein recken zil:

den trage und nem nu swer der will.

6, C apitel.»er Schild als Warte.

In den Liedern des 12. und 13. Jahrhunderts lernenwir zwei verschiedene Gattungen von Schilden kennen:

1) den Schild im engeren Sinne

2) den B u c k e 1 e r.

Der letztere, welcher verhältnissmässig selten vor-kommt, ist eine schmucklose Waffe; es ist damit jenerrunde oder viereckige Schild mit spitzem Nabel gemeint,welcher schon seit Mitte des 12. Jahrhunderts mehrund mehr ausser Gebrauch kam. Eines der wenigensphragistischen Beispiele des Buckeler sei hier mitgetheilt:

Schildförmiges Siegel IV A. 2 mit der Umschrift S.Henne kini. Wendes 1 ) nach einem Stempel des 13.Jahrh. (der einst in Vossberg's Besitz gewesen ist).Nr. 30.

1) K. Roth, Beiträge zur Sprach-, Geschichts- undOrtforschung V. Ergänzungsheft S. 208.

1) Vossberg, Siegel der Mark Brandenburg Taf. 1S. f5. Das Gliche verdanke ich dem Kgl. Geh. Staats-archiv zu Berlin.